Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Veit, Ph. - Vouet
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1819458
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1822405
Vinci , 
Leonardo 
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schon früh in der Rechenhunst, und brachte nach VasarPs Versi- 
cherung nicht selten den Lehrer in Verwirrung. Doch ist hier 
nicht der Ort zu zeigen, wie Leonardo ein Mathematiher und 
Physiker gewrorden, und dass ein geometrischer Geist alle seine 
Studien geleitet habe, wir müssen mit dem Zögling der bildenden 
Iiunst im iilterlichcn Hause beginnen, wo ein Projekt das andere 
verdrängte. Vasari greift zu weit vor, und macht auf? Beschäftig- 
ungen aufmerksam, welche erst in Florenz von Bedeutung seyll 
konnten. NVir folgen ihm nur darin, wenn er sagt, dass der linabe 
neben seinen ernsten mathematischen Studien und gcistreichen 
Spielereien viel nach der Natur gezeichnet habe, da er die lYIa- 
lerei zum Berufe gewählt hatte. Dann fertigte er erhobene Ar- 
beiten, und formte, wie der genannte Schriftstcllei: bemerkt, ei- 
nige lachende weibliche Köpfe aus Thon, die in Gyps vervielfäl- 
tigct wurden, und einige Iiinderliiirwfe. so schön, als ob sie von 
lYlcisterhanrl gebildet wiircn. Bisweilen formte er auch llrIodellu 
verschiedener Figuren in Erde, und legte darüber weiche in Gyps 
getuuchte Lappen, um darnach zu zeichnen. lfasari besass solche 
auf feine Leinwand ausgeführte Zeichnungen, welche schwarz und 
weiss mit der Spitze des Pinsels bewnnderungswürdig schon be- 
handelt waren. Auch auf Papier zeichnete er so ileissig und sau- 
ber, dass keiner ihn hierin je an Zartheit erreicht hat. Vasari 
besass einen Kopf mit Kreide und in Helldunkel ausgeführt, wel- 
eher unvergleichlich war. Dann erwähnt er auch cinei-Zeichnung, 
welche ein Schnurgeflechte vorstellt, worin man den Faden von 
einem Ende zum anderen verfolgen konnte, bis er eine kreisför- 
mige Figur beschrieb. Eine schöne Zeichnung dieser Art ist in 
Kupfer gestochen. Leider scheinen diese Jugendarbeitcn verloren 
zu seyn. Solche Zeichnungen, brachte einmal der Vater zu An- 
drea del Veroechio, um ihn zu fragen, ob Leonardo, wenn er 
sich der Kunst widme, hierin es zu etwas bringen könne. An- 
drea erstaunte über dieausserordentlichen Anfänge des Knaben, 
und ermuiiterte den Pietro, _ihn diesen Beruf wählen zu lassen. 
Leonardo ham "jetzt zu Verocchio nach Florenz, und übertraf 
den Meister in kurzer Zeit. Er half demselben an einer Tafel, 
welche die Taufe Christi vorstellt, jetzt in der Gallerie der {loren- 
tinischen Akademie. Der erste Engel rechts mit den Gewändern 
ist von Leonardo gemalt, und von herrlichem Ausdruck und Le- 
ben. während die iiguren des Meisters hart und mager erscheinen. 
Verocchio fühlte auch die Ueberlegeriheit des Zöglings, und un- 
geduldig, dass ein Kind, wie "Vasari sagt, mehr wisse als er, soll 
er beschlossen haben, die Palette nie mehr zur Hand zu nehmen. 
Jetzt scheint das gute Einverständniss zwischen Meister und Schii- 
ler gcstortworrlen zu seyn, und Leonardo diirfte fortan selbst- 
ständig scine Richtung verfolgt haben. Doch ist es schwer und 
gewagt, Malwerke anzugeben, welche aus jener Zeit stammen, ob- 
gleich innn annehmen liann, dass der erwähnte Engel nicht der 
erste Versuch ist. Vasari nennt nur wenig Jugendwverlie, und diese 
ergänzen Bossi und Lanzi. Ersterer setzt in diese Zeit diejenigen 
von Leonardo?) Bildern, welche noch an die ältere lYIalcrschiile 
erinnern, und die, wenn es ihnen gleich an manchen hohen Vor- 
ziigcii, namentlich an Kraft und schönem Ilelldunliel nicht ge- 
liriclit, dennoch hinsichtlich des Colorits von einer gewissen Blut- 
tigkeit nicht frei sind. Durch diese Erhliirung ist iin Allgemei- 
nen nicht viel bewiesen, aber auch die Ansicht LanzPs nliigc man 
nur zur beliebigen Berücksichtigung hinnehmen. Er setzt die (ic- 
niiilrle iii jene Zeit, welche minder stark in den Schatten, niilidcr 
abwechselnd im Iiultenunrfe sind, mehr zarte als nuserlcsene
        

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