Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Veit, Ph. - Vouet
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1819458
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1821156
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Vernet , 
Horace. 
stung der französischen Kunst. Das Dureheinanderstiirzen, die 
Hast, das Ausrcissen, die_Angst, das Auseinandersticbexi der Men- 
sehen und Thierc ist mit ergreifender Lebendigkeit durgestellp; 
Ueberall wildes Gedränge, Getümmel und Gcwirrc, doch Zusgnn- 
menhang und _Dcutlichkcit. Der bunte, unermessliche Vorgang 
löst sich vor den Augen des Beschauers ohne Verwirrung in' einer 
bewunderungswiirdigen Hlarbcit und Mannigfaltigkeit von leben- 
digen, augenblicklichen Motiven, und mit eben so viel Kraft als 
Feuer hingewnrfenen Scencn. Eine sorgfältige Ausführung darf man 
in diesem Iliesenstücke nicht suchen, von dem gehörigen Stand_ 
Punkt aus betrachtet verschwindet aber das Rohe der Malcrqh 
Julien hat aus diesem Gemälde mehrere Figuren zum Zeichnung-S- 
Unterrichte lithugraphirt, welche die herrlichen afrilsanischan Stu- 
dien des Künstlers in weitem Kreise zu-r Anschauung bringen. 1m 
März des Jahres 1845 war das Werk im Mnsce royal ausgestellt, 
und dann kam es in die historische Gallerie zu Yersailles. Aus 
jener Zeit stammt auch ein meisterhaftcs kleines Bild, welches den 
Beweis liefert, dass Vernet nicht nur der Vertreter des militärischen 
Ruhms seines Volkes ist, sondern dass er auch einfache, Sinlliu-e 
und fromme Gegenstände mit gleichem Glüeke darstellen laönntßm 
Er malte den frommen Münch Philipp, Superior des Instituts du. 
christlichen Schulen, mit dem auf seinen Iinieen aufgeschlagenml 
Buche. Er sitzt an der nackten Mauer, und auf dem ltölzcrym" 
Gestell steht die armselige Statuette der heil. Jungfrau aus Gyph 
Die Züge des frommen Bruders sprechen einen tiefen, glücklichen 
Frieden aus. 
Louis Philipp war durch die Lösung jener unermesslichen 
Aufgabe, welche die Smahla but, so befriediget, dass er sogleich 
drei andere colossale Bilder bestellte, um dem historischen Mm 
seum in Versailles neue Siegesnachrichten einzuzeichnen. . Die 
Schlacht von Ysly, die Beschiessung von Tanger und die Besetzung 
von Mogaclor sind die Gegenstände. Vernet reiste im April 1845 mit 
dem Herzog von Ysly nach Afrika, um die Wahlstatt von Ysly in Au- 
genschein zu nehmen. Bei dieser Gelegenheit berührte er auch T;m_ 
ger und Mogador, um die nöthigen Studien zu machen, und schon 
1846 ging das Schlachtbild von Ysly unter seinen zaubernden Händen 
hervor. Dieses ist das Gegenstück zur Smahla. und abwechselnd 
arbeitete er zugleich an dem Bilde der Besetzung Mogaduvs mit 
solchem Eifer, dass der Born seines Geistes und seiner Iiraft un- 
erschöpflich schienen, als ein harter Schlag des sClllüliSjlls seine 
Energie vorläufig lähmte. Seine einzige Tochter, die schöne und 
geistreiche Gattin des Malers Paul Delaroche, wurde ihm durch 
einen frühen Tod entrissen. An diesem Familiencreignisse nahm 
ganz Paris Theil, der Vater fühlte aber die Wanze Herbe des Van 
lnstes einer geliebten Tochter. Er konnte laängere Zeit den An- 
blick seines Schwieeersohnes nicht mehr ertragen. Nur die beiden 
kleinen Enkel nahig er die Woche einmal in seinem Hause auf; 
Ein rastlosen Genie wie Vernet konnte aber nicht lange unthätig 
bleiben, und der S limerz musste seine Beule lassen. Er Vollendete 
jetzt die Deckenbilder des Palastes der Deputirtenhammer, welche 
er schon 3845 begonnen hatte. Das grosse Nlitlelbild des Saales 
stellt den Frieden dar, umgeben von den Wissenschaften, den 
schönen Iiiinslen und_dem Ackerbaue. Papst Juliu; II. Sitzt auf 
dem Throne vbn Carduiälcn uzngeben: Bramante überreicht ihm 
den Plan der Peterskirche, Rafael die Skizzen zu den Stanzen.- 
bildem, und lVilCllCl Angeln steht trotzig mit [Kappe und Hand- 
schuhen daneben. Au diese Ilauptgruppe schliesst sich alles Uebrige.
        

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