Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Veit, Ph. - Vouet
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1819458
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1821033
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Vorm?! n 
Horace. 
und da er die Erscheinungen desselben mit einer unglaublichen 
Leichtigkeit und Wahrheit erfasst, und ihnen die verstäncllichste 
Form verleiht, so wird ihn trotz der kunstrichterlichen Zurecht- 
iveisung das Publicum stets mit Bewunderung tragen. Und er ist 
ja herabgcstiegen zum Volke, um nicht allein die Gressthaten N3- 
poleons, und die glänzenden Erfolge der Julius-Dyiiastie Vorzu- 
zeichnen, sondern auch dessen eigenes Leben zu schildern, was 
es liebt und begeistert, und was den_Nationalsiun erhebt. 
Von den ersten Jahren der Restauration an unternahm Vernet die 
Geschichte des Iiaiserreichs zu beschreiben. Alle Geister waren da. 
XIlillS noch von dem ungeheueren militärischen Schwindel ergriffen, 
und alle Volkssympathien erwachten beim geringsten Wiedersehein 
des kaiserlichen Ruhms. Vernet hatte die seltene Einsicht des Au_ 
genblicks, sich den Massen begreiflich {u machellr ihnen in der 
Sprache vorzutragen, welche sie gern horten. und ihren lllnßfsien 
Bekiinimernissen und heiligsten Bewunderungen Form zu verlgL 
lien. NVährend des ganzen Haiserreichs, mitten unter dem lirie- 
geriscl-ien Leben und in dem Siegcsrausche, fand sieh kein Maler, 
welcher die vor seinen Blicken sich aulrollcnde iWahrheit Copll-t 
hätte. Weder Gdrard, noch seine Schlacht von Austerlitz heim. 
ten einen klare, richtige Vorstellung von den Schlachten der dm 
nialigen Zeit, und von jenen alten ergrauteiiliriegern geben, u-QL 
che als siegreiche Vagabunden alle Hauptstiidte Europas besuchten, 
und deren Typus Vernet aufbewahrt hat. Gros hatte in seinen 
Gemälden nicht sowohl die Geschichte des liaiserreichs beselwiß 
ben, als einige erhabene Epopeen gedichtet. Diese Aufgabe war 
dem H. Vernet vorbehalten; er war es, dessen Gedanke alle ihre 
Erinnerungen erweckte und ihnennhr eigentliches, wahrhaftiges 
Leben wieder einhauclitc. Frankreich warklamals über und ilhm. 
mit jenen alten Soldaten bedeckt, welche die glorreichen Tradi- 
tionen init religiöser Andacht bewahrten, auf die letzten Fetzen 
ihrer Uniformen stolz waren, und die Grossthatcn des Kaisers [fr_ 
zählten. Jene alten Soldaten waren die Götzenbilder des A Qn_ 
bllChS, und die Heroen der Volksgiinst; Jedermann hörte, liäte, 
bewunderte sie. Vernet malte sie, und wurde eines Theils durch 
sein Talent, andern Theils durch die Sache populär. Während 
andere die allgemeine Stimme des Publikums verzichteten, stieg 
Vernet in die Herzkammer der Volkssympathieu hinab, und seine 
Klarheit und helle Leichtigkeit des Talents halte den vollsten Sieg 
errungen. Diesen wollte man ihm in der Folge streitig machen, und 
selbst die Besonnenen behaupten, dass er sie i_ wirklich nicht selten 
leichtsinnige Blössen gab, seiner Kunst und scinei-Machtgewiss. Er, 
der früher ein Napoleonisches Schlachtfeld hinzauberte, mit merkwür- 
diger militärischer Strategie verfuhr, und in uberraschender Wahrheit 
des Vorfalles, malte später 'statt einer eigentlichen Schlacht öfter nur 
Episoden vor, während oder nach der Schlacht, und in Versailles 
gelten diese grossen Bild.er als historische Schlachtgemälde, welche 
aber mit einem Feuer, mit einer Meisterschaft behandelt sintl, wie 
sie nur einem Vernet eigen ist. Doch sind es ja diese Bilder 
nicht allein, welche dem Meister seinen unsterblichen Ruhm bereitet 
haben, es gibt ausserdem noch mehr als tausend Bilder von seine;- 
Haiid, deren viele als Perlen der französischen Malerei zu betrach- 
ten sind. Sein vielseitiges Talent hat sich in allen Arten der M8. 
lerei mit Glanz bewährt. Es findet sich eine Menge von kleinen, 
höchst geistreichcn Bildern, __deren viele dem Fache der sogenann- 
ten Anekdoteniiialerei angeboren , deren Erfinder Vernet ist, und 
worin er eine Unzahl von Nachahinern erweckte, welchen aber 
das Talent des Erfinders fehlte. V'eriict's Gcnrebilder eriidteten
        

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