Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Torre, G. - Veiss, R.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1813556
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1818966
Vecellio , 
Tiziano, 
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wird das Gemälde genannt. In dem alten Zustande blieb es bis 
1315, wo Graf Cicognara auf Tizian's Meisterstiiek wieder auf- 
merksam machte, da man vor der französischen Hunstbeuterei 
sicher war. Jetzt wurde das Bild herabgenommen und restaurirt, 
nach einigen von Giuseppe Baltlissini, nach anderen von Seb. Santi, 
vielleicht von beiden zugleich. 
Ein zweites hochgeriihmtes Werk, etsva 10 F. hoch und 181-1 
breit, in der Sala prima der Academie, ist die Opferung Mariä im 
Tempel. Diese Composition ist reich an Figuren von ungezwunge- 
ner Stellung, jedoch sind nur wenige geistig interessante Iiöpfe 
darunter. Die lileine Maria, einzeln in Mitte auf der Tempel- 
treppe stehend, tritt als Hauptfigur vor. Ihr Köpfchen, der schönste 
Ausdruck kindlicher Freude und Unschuld, durch eine Sanfte 
Glorie verklärt, deren durchsichtige Reflexe wie ein ätherischer 
Schleier sich über die nächsten Gegenstände verbreiten, muss der 
Meister dem lieblichsten Iiinrle abgestohlen haben, und ein zar- 
tcrcs Fleisch hat er wohl nie gemalt. Unter den Personen, welche 
im Begriffe sind, die Treppe zum Tempel hinaufzusteigen, ist der 
Maler selbst, Cardinal Bemho, Pietro Aretino und andere Nota- 
lmilitäten der Zeit. Zanotto sagt im Texte zum Galleriewerlie der 
Akademie, Tizian habe das Bild 152g gemalt, allein Bembo wurde 
erst 1559 Cardinal. Die Composition ist noch etwas zu symme- 
trisch. Das lichte Colorit, die sanfte Verschmelzung der Tinten, 
statt der etwas kiihneren Pinselstriche auf der Himmelfahrt, und 
das nur sparsam benutzte Helldunkel setzen dieses Bild in Ti- 
zian's mittlere Zeit. Früher war es in der Confraternita della 
Carita. Seb. Santi hat dieses Gemälde restaurirt. 
Ein drittes Gemälde Tizian's in der akademischen Sammlung 
stellt den Täufer Johannes in der Wüste dar, ein herrliches Werk 
aus St. Maria Maggiore zu Venedig. Es ist in Leichnung und 
Färbung gleich vortrefflich, wie diess nicht in allen Gemälden des 
Meisters, vorkommt.  
Ferner sieht man da die Heimsuchung Mariä, welche bis 1303 
im Kloster S. Andrea sich befand. Dieses Bild wurde früher nicht 
erwähnt. 
Ein anderes Gemälde, ehedem in St. Maria de' Frari, stellt 
Maria mit dem Leichnam des göttlichen Sohnes im Schoosse dar, 
zu den Seiten Magdalena und Joseph von Arimalhea. Rechts und 
links vor der Nische erscheint Moses und die Sibylla hellespnn- 
tica. Seb. Santi hat dieses Monument der Pietät restaurirt. 
Auch zwei Bildnisse sind in der Akademie, jenes des Jacopr) 
Soranzo. ehedem in der Stanze de' procuratori, und das der Mut- 
ter Tizian's, ein wahrer Typus der ganz eigenen Altvveiberhäss- 
lichkeit, wie man sie so häufig in Venedig fixidet. 
Beschrieben und abeebiildet sind die genannten VVerke in d" 
Pinacotheca della J. Acadleinia Veneta  illust. da Franc. Zangtm, 
2 Voll. Venezia 1331. 57„ gr. fol.    
Wie wir oben gesehen haben, stammen die WVerke Tizian's, 
welche die Akademie der Künste bewahrt, ialle aus Kirchen, man 
findet aber auch noch in Gotteshäusern mehrere Bilder von ihm. 
In der Iiirche S. S. Giovanni e Paolo ist das berühmte 'Bild 
des Todce des heil. Petrus Martyr, dessen Lobeserhebungen etwas 
übertrieben sind. H. 18 F., Br. 8 F. Zwei Personen verüben die 
schwarze That in einer heiteren Landschaft, und oben zwischen 
den Baumzweigen zeigen sich zwei Eilgel mit der Palme, welche
        

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