Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Torre, G. - Veiss, R.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1813556
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1818890
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Vecellio , 
Tiziano. 
fersuchtdes Mannes rettet, hat Tizian nicht vollendet. Dann 
malte er den Leichnam des Heiligen, Wie er von de" Umüßhßn- 
den beweint wird. Besonders aus ezeichnet ist die Figur eine; 
armen Krüppel. Diese Bilder sind im Capitelsaale. Neben der 
Sakristeithüre ist das Bild eines alten Mannes mit einem jungen 
Manne, unter welchem man das Bildniss des Tiziau erkennen will, 
Paris. 
Im Museum des Louvre waren von jeher mehrere vorzügliche 
Werke von Tizian, unter Napoleon sah man aber diesen Iiiinst- 
ler durch 25 Meisterwerke repräsentirt. Das fremde Eigenthum 
ist Seit 1815 zurückgegeben, es sind aber noch so viel Bilder im 
Louvre, dass man hier die seltene Gelegenheit findet, ihn in den 
verschiedenartigsten Beziehungen kennen zu lernen. Waagen, 
Kunstwerke und Künstler etc. III. 465 ff., gibt darüber Aufschluss_ 
Unter den Bildnissen nennen wir zuerst jenes des Königs 
Franz I. von Frankreich. Er trägt einen Federhut, und legt die 
Hand an den Degengriff. Obgleich trefflich in einem satten, wenn 
auch minder brillanten Ton als meist gemalt, ist dieses Bild doch 
weniger lebendig, als man von Tizian gewohnt ist, und Waagen 
glaubt daher, es sei nicht nach der Natur, sondern nach einem 
dem Meister iiberschiehten Relief gemalt, woher sich auch die, 
sonst bei Portraiteu Tizian's nicht vorkommende Profilansieht er- 
klärt. 
Cardinal Hi polyt de' Medici, ein sehr lebendiges und geist- 
reiches, im vollien Lichte und Goldlon gemaltes aturstudium, 
Dieser Cardinal starb 1535 im 24. Jahre. 
Tizian und seine Geliebte, dasOriginal so vieler Exemplare, 
welche in ganz Europa zerstreut sind. Wir haben aber schon 
im Leben des Meisters bemerkt, dass diese Benennun ungegriin- 
det ist. Arm und Brust sind durch Retouchen entstelit. 
Alphons düävalos, Marquis del Guasto, Feldherr Carl V., mit 
seiner Geliebten, welcher Amor seine Pfeile, Flora und Zßpliyr- 
ihre Gaben darbringen. Der klare, etwas ins Bölhliche gehende 
'Guldton dieses Bildes ist von wunderbarem Reiz. Die Zeichnung 
ist schwächer. _ 
Mehrere andere Porttaile, deren Personen nicht bekannt sind, 
La Vierge an lapin. Das Christkind auf den Armen der heil, 
Catharina verlan t nach einem weissen Kaninchen (lapin), welches 
Maria hält. Linläs ist Joseph und eine Heer-de Schafe. Sehr inter. 
essant, als ein Beispiel in der entschiedensten naturalistischen 
Richtung des Tizinn. Die Charaktere sind ganz portraitartig und 
gewöhnlich, die Falten kleinlich und styllos. Den Hauptreiz des 
ildes macht der helle, klare, gesättigte Goldtou, und die herr- 
liche poetische Landschaft, so dass man darüber auch die ziemlich 
schwache Zeichnung vergisst. 
Maria mit dem Kinde auf dem Schoosse hebt den Schleier 
auf, der ihre Brust bedeckt. Gegenüber St. Stephan, Ambrosiu; 
und Mauritius. Recht im Gegensatz mit dem obigen zeigt diese; 
Bild eine Würde und einen Adel in den Charakteren, eine An- 
dacht im Ausdruck, eine Bestimmtheit in Ausbildung der Formen, 
einen Styl iin Gewandwesen, welche dem Giorgione nahe verwandt 
sind , und beweisen, dass es in die Zeit fallen muss, in welche;- 
Tizian unter dessen Einfluss gestanden. Hiezu gesellt sich eine 
seltene Gedie enheit der Malerei, welche in der Maria und dem 
Iiinde von heälerem, in den Heiligen von tieferem Goldton ist.
        

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