Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Torre, G. - Veiss, R.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1813556
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1817622
Vannucchi , 
Andrea , 
genannt 
Sarto. 
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aus demjenigen herausgetreten, in welchem er sich so angenehm 
und liebenswürdig gezeigt hatte. Sein Styl hat zwar nachher an 
Griisse, seine Composition an Mannigfaltigkeit und Wechsel zu- 
genommen, letztere aber hat niemals einen sehr grossen Reich- 
thuin an Ideen gezeigt, während seine Natürlichkeit, deren reinste 
Eigenthiilnlichheit wir in seinen Jugendbildern linden, dadurch 
vielleicht etwas verwischt werden ist. Sein Colorit hat später 
sehr gewonnen, so dass er auch in diesem Bezuge unter den flo- 
rentiilischen Iiiinsthessn seiner Zeit einen bedeutenden Rang ein- 
nimmt, namentlich as eine vollkommene Iienntniss der Harmo- 
nie der Farben betrifft, ohne dass es indessen "doch, mit höchst 
wenigen Ausnahmen, entweder sehr lebhaft, oder warm geworden 
wäre. wesshalb es durch die Werke der friiheren Florentiner sehr 
in Schatten gestellt wird. Es ist indessen zu bedauern, dass uns 
nur ein einziges beglaubigtes Oelbild aus seiner Jugendzeit übrig 
eblieben, und dass seine Fresken alle zu bedeutend gelitten ha- 
ben, um zu einer Vergleichung dienen zu können. 
Das erste Werk aus dieser zweiten Periode des Künstlers ist 
die Verkündidung Maria, welche er an der Facade eines Hauses 
hinter Or San Michele in Fresco gemalt hatte. Vasari sagt, die- 
ses Bild habe gleich Anfangs wenig gefallen, weil er darin, statt 
der Eingebung seines natürlichen Talentes zu folgen, durch Stu- 
dium und Iiiinstelei glänzen wollte. Jetzt sind nur noch unbe- 
deutende lleste davon vorhanden. Eine andere Verhiintligung malte 
er für die Mönche von San Gallo in Oel, welche jetzt im Palazzo 
Pitti sich befindet, wohin sie aus S. Jacopo tra' Fossi gebracht 
wurde. Die Madonna auf diesem Gemälde ist ohne Schönheit; 
und Grazie, die liöpfe der beiden Engel aber, welche den Ver- 
kiinder begleiten, gehören zu den geistvollsten und anmuthig- 
sten Physiognomien. welche er je gemalt hat. Das Culorit ist 
vortrefflich, und fiir Andrea die Malerei srär pastos. Jacopo 
da Pontormo uralte zu diesem Bild eine Predel a, die jetzt nicht 
mehr vorhanden ist. Sie stellte die lireuzabnehmung bei Fackel- 
sehein dar Ueber einige andere frühere Arbeiten des Künstlers 
haben wir nur unzulängliche Nachrichten. Zu Vasarfs Zeit war 
eine Madonna mit dem liinde, St. Joseph und Anna im Hause 
des Iiaccio Barbadori zu lälorexiz, und später besass Pietro Pesaro 
das Bild. Ylonzwci anderen Madonnenhiltlcnl besass zur Zeit, 
als Vasari schrieb, das eine Lorenzo di Dumenico Borghini, das 
andere Carlo Ginori. Beide hanfte dann Ottaviano de, Medici. 
Auch ein Lionardo del Giocondo besass ein Bild der Madonna. 
 Jetzt fällt auch die Zeit, in welcher der gutiniithige, von Je- 
dermau geliebte und geachtete Andrea del Sartu aus dem Iireise 
seiner stillen liunstliebe heraustrat, und dem Vergnügen und den 
sinnlichen Genüssen sich hingab. Er fand lustige Briider, in de- 
ren Gesellschaft tapfer gezecht wurde. Ueber die von ihnen gestif- 
tete Academia del pajolo (des Kessels) und della cazzuola (der 
Maurerkelle) gibt Rcumoixt S. 51 Nachricht, und Vasari hat recht, 
wenn er dem liiinstler Genusssucht und Unmass verwirft. Selbst 
in seinem moralischen Charakter ging eine Veränderung vor. Er 
fasste Neigung zu der jungen, schönen und gelallsiichtigen  
eines Nliitzemnachers, der Lucrezia del Fcde, welche er nach dem 
Tode des Mannes (1512) trotz aller Vorstellungen zum Ruine sei- 
ne? Gliiches als Gattin heimfiihrte, worüber Vasnri besonders los- 
zie it. 
Irn Jahreiißtlt setzte Andrea die Bilder in dem oben genann- 
ten Servitenldoster (Annunziata) fort, gleichsam im Wetteifer mit
        

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