Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Torre, G. - Veiss, R.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1813556
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1817619
Vanmlcchi , 
Andrea , 
genannt 
del 
Sarto. 
gel an Abwechslung und Mannigfaltigkeit der_Wirkung in etwa; 
Abbruch thut. Den Hintergrund bildet grossartige Architektur. In 
dem vierten Gemälde schildert der Künstler cen Tod des heil, 
Philippug, und das Wunder der Erweckung eines Knaben, wel- 
ches sich vor der Bahre ereignet. Der Knabe erscheint zweimal, 
der Verwesuiig nahe, und durch die Berührung der lileider im 
Aufstehen begriffen. Man vergisst indessen diese sonderbare Idee, 
da der Contrast zwischen Tod und Leben nicht schöner und wah- 
rer dargestellt werden kann, als in diesem Bilde. Unter der Miin, 
nergruppe zu den Füssen der Bahre ist Girolamo _dclla_ llohbia, 
' Andrea's Freund, dargestellt. In Hinsicht des Colurits wird dieses 
Bild von dem folgenden vielleicht noch übertroffen, an Compqsi- 
tiuii, Wahrheit und Interesse kommt ihm aber kein anderes in 
diesem Cyclus gleich. Das fünfte Bild dieser lleihe stellt die Hei- 
lung der Kinder durch das Gewand des Heiligen dar, und ist 
durch die Gegensätze der Li 'ht- und Schattenpartien und die Bar, 
muiiie des Culorites von vorzüglich angenehmer Wirkung. Der 
Greis in ruther Kleidung, der sich auf den Stab stützt, ist Andrea 
della Ilobhia, und neben ihin steht sein Sohn Luca. Dieses Bild 
trägt die Jahrzalil IVIDX.. lieuinunt glaubt aber, dass das Z9; 
chen I nach X erloschen sei. Die letzten zwvei Bilder dieser Folge 
gehüren einer späteren Zeit des Meisters an. 
Zweite Periode des Künstlers. 
Bis hieher war Andrea mit seiner Arbeit gelangt, als er eine 
Pause machte, da ihm nach Vasnri der Lohn zu gering für die 
grusse Ehre schien. Er sagte sich desshalb von der Verpflichtung 
los, den ganzen Hof des Cliiostru auszunialen, was den Fia lyla 
rinu sehr schmerzte, da die Bewunderung der Werke Andreaü; 
mit ihrer Zahl wuchs. Das Talent des Künstlers hatte nun sein 
erstes Stadium durchlaufen, wo es sich wohl in seiner reinsten 
Eigenibiiiiilicltlieit gezeigt hat, und ging dann zu der zweiten 
Epoche über, die sich von jener merklich unterscheidet. In seinen 
Jugendwcrken finden wir ein sich __aushildendes Talent, als dessen 
Hauptmerkmale ungekünstelte Naturhchkcit, treues Streben nach 
Charakteristik, vernünftige Anordnung und Gruppirung, harmu- 
nische Färbung und aiiuiuthige Darstellung, verbunden mit rieh- 
tiger und gewaiidter Zeichnung sich ausweisen. in seinen ersten 
Leistungen zeigt er_sieh noch etwas befangen. Die Figuren sind 
ein wenig hager, die Gewänder eckig, die Compusitinil iliirftig. 
In keinem dieser Werke muss man inclcss einen grossartigen, über- 
strömenden Geist, einen bedeutenden lleiclithuiii an Ideen, eine 
aulliallentle Eigenthüniliclikeit der Bildung, ein sehr warum, 
und lebhaftes Colorit erwarten. Dii-ss sind Eigenschaften, welche 
unserm Künstler nicht so wie jene zu Theil geworden sind. Seinß 
Werke sind, wie sein Charakter, freundlich und ansprechend, 
auf ihrer Stufe vortretllich, uhne Ansprüche auf Das machen zu 
wollen, was sie nicht kesitzen, und was nicht in ihrer Natur lie t. 
Andrea hat den Umfang seiner künstlerischen Fähigkeiten selig 
wohl erkannt, sich nie an Gegenstände gewagt, welche die kühm; 
und erhabene Phantasie eines Buunaroti oder die Begeisterung des 
Ui-binagen erfordern, sondern mit ausdauerndem Fleisse iu einem 
hesehriinktcren, aber darum doch_ höchst lubenswerthen Iireise 
sein Talent zu der Höhe ausgebildet, deren es fähig war, und auf 
diese Weise VVerke geliefert, welche für die Bewunderung aller Zei- 
ten eschaßien sind. Er hätte sich vielleicht einen ausgedehntem Kreis 
erüäiien können. wenn die natürliche Schiichtern eit seines Cha- 
rakters es ihm erlaubt hätte, wäre aber dadurch wahrscheinlich
        

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