Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Torre, G. - Veiss, R.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1813556
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1817600
Vannucchi , 
Anerea , 
genannt 
del 
Sarto. 
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in der Entwicklung. Der Ausdruck der Zugänglichkeit des gött- 
lichen Wortes, der Andacht und Begeisterung, und die Gruppi- 
rung sowohl, als die einzelnen Fi uren sind bereits sehr gelun. 
gen. Vasari, und viele nach ihm, bemerken, dass Andrea in die- 
sem Bilde mehrere Figuren A. Dürefs benuläll habe, 391111101111 
findet aber nur zwei von Dürer wirklich entlehnte Figuren her- 
aus, dagegen macht dieser Schriftsteller auf ein weit bedenklicheres 
Plagiat aufmerksam, welches Andrea in den beiden genannten Bil- 
dern an zwei dieselben Gegenstände darstellenden Fresken des 
Dom. Ghirlandajo in St. Maria Novelle verübt hat. Das der Zeit 
nach dritte Bild des Meisters ist die Taufe des Volkes, welches 
noch ein reicheres Feld zur Prüfung seiner Kunst, namentlich 
des Nackten gibt. Idee und Anordnung ist musterhaft; Alles darin 
rundet sich mit vollkommener Harmonie. Der Ruf, welchen der 
junge Künstler sich nun zu erwerben begann, war die Ursache, 
dass verschiedene Einwohner seiner Vaterstadt Gemälde von ihm 
besitzen wollten, allein man findet nichts Zuverlässiges über die 
Werke seiner ersten Manier. Vasari erwähnt eines der frühesten, 
Bilder dieses Meisters als im Besitze von Filippo Spini, bezeichnet 
aber den Inhalt nicht. Das einzige historische, beglaubigte Ge- 
mälde aus jener früheren Zeit ist das Bild des Heilandes, wie er 
der Magdalena als Gärtner erscheint (Noli me tangere), welches 
152g aus der zerstörten Klosterkirche San Gallo bei Florenz in 
S. Jacopo tra" Fossi gebracht wurde. Vasari spendet diesem Bilde 
das Lob der Sanftheit und anmutliiger Harmonie, es ist aber nach- 
geclunkelt. Ohne Lebendigkeit und tiefen Ausdruck der Köpfe zu 
besitzen, ist das Gemälde noch immer von angenehmer WVirkung. 
i Im Jahre 1511 setzte der Künstler die von Gosimo begonnenen 
Fresken mit Darstellungen aus dem Leben des Phili pus Benizzi 
in der Vorhalle der Servitenkirke (St. Annunziata) in Florenz. fort, 
und der schlaue Fra Mariano schloss den Contrakt um einen Spott- 
ln-eis. Biadi fand in einem handschriftlichen Libro di rnemorie 
der Servitenbrüder angemerkt, dass dem Künstler für jedes ein- 
zelne Bild zehn Scudi zugesichert wurden, woraus Vasari clieci 
ducati macht. Der Gegenstand des ersten Bildes ist St. Philippus 
und der Aussätzige, nach Acta Sanctorum min. Aug. IV. 662. ln 
der vorderen Hauptgruppe wendet sich der Heilige zu dem Armen, 
und verspricht ihm zu geben, was er habe. in verschiedenen Ne- 
bengruppen sind andere Momente der Geschichte dargestellt, nach 
der Weise damaliger Zeit. Man findet in dieser Composition 
Sicherheit in der Zeichnung und Ausführung, aber dabei etwas 
Hartes und Unbelebtes, was zum Theil durch den wenig interes- 
santen und zerstückelten Gegenstand des Bildes veranlasst seyn 
mag. Das zweite Gemälde enthält die Scene mit Philippus und 
dem Spieler. Der Heilige traf auf seiner Reise einen Haufen wü- 
ster Soldaten und Gauner beim Spiele unter dem Ulmenbaume, 
die seiner Ermahnung spotteten; aber kaum hatte er sich einige 
Schritte entfernt, so schlug der Blitz in den Baum. Alles ist 1D 
diesem Bilde Bewegung, Verwirrung und Schrecken, nur der Hei- 
lige steht ernst und ruhig da. Die Bewegungen sind ungesucht, 
der Ausdruck voll Wahrheit, das Colorit angenehm. Das Fort. 
schreiten von dem letzgenannten zu diesem Bilde ist schon sehr 
bemerklich, Auf dem dritten Gemälde sehen wir die Austreibung 
des bösen Geistes aus einem Mädchen. In diesem Bilde sind Zeich- 
nung und Colorit gleich schön , namentlich hat letzteres vor den 
beiden früheren Bildern in Ton und Harmonie bedeutenden Vor- 
zug. Das Interesse ist geschickt concentrirt, nur befinden sich 
alle Personen beinahe in derselben Stellung, wodurch der Man-
        

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