Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Torre, G. - Veiss, R.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1813556
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1817599
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Vannucchi , 
Andrea , 
genannt 
Sarto- 
tous des Michel Angeln und Leonardo da Vinci mit besonderem 
Fleisse studirten, und bei dieser Gelegenheit machte er die Be. 
kaniitsehait des jungen Frallciabigio, welche später in die genaue- 
ste Freundschaft überging, und deren wechselweise Elllwlrlillllg- 
nicht übersehen werden darf. Sie nahmen s äter eine gemeinsame 
Arbeitsstube, da Mariotto Albertinelli, der lgleister Franciabigioß, 
Schenkwirth ward, und A. del Sarto den schwierigen Charakter 
P. di Cosiinok nicht länger zu ertragen im Stande _war. Jetzt 
führten sie mehrere der ihnen übertragenen Bilder in Gemein. 
schait aus. Darunter waren zwei Seiteiivorhang-Bilder des Haupt. 
altares der Servitenhirche, eine Verkündigung und eine Kreuznb. 
nehmung in Oel, welche beide verschwunden sind, ohne das, 
man weiss wie, und wohin. 
Bald aber bot sich dein Andrea Gelegenheit dar, seine Iiriifto 
auf einem weiteren Felde, und allein zu versuchen. Eine Gesell- 
schaft von Layenbrüdern, welche Johannes den Täufer zu ihrem 
Beschützer gewählt hatte, und die Cumpagnia dello SCi-llzg 
genannt wurde, hatte ihren Versammlungsort in der Yia lai-ga, 
einen kleinen mit Säulen umgebenen, jetzt der Akademie gehöri- 
gen Hof mit Darstellungen aus dein Leben ihres Schutzheiligen 
in Fresco zieren lassen. Diese Gesellschaft richtete das Augen- 
merk auf Andrea, da er sich durch seine ersten Arbeiten bereits 
den Ruf eines fleissigen und geschickten Künstlers erworben hatte. 
Die Zeit des Entstehens dieses berühmten Cyclus mögen die Jahre 
1510  I4 seyn, und die Zahl Cler Bilder beläuft sich auf 36_ 
Zehn Darstellungen aus dem Leben des Täufers sind von Andrea, 
zwei von Franciabigio, und die vicr göttlichen Tugenden: Glaube, 
Hoffnun  Liebe und Gerechtigkeit wieder von del Sarto, alle 
diese Bilder grau in Grau gemalt. Die Ordnung, in welcher sie 
einander der Geschichte nach folgen, ist nachstehende: i) Zacha, 
rias im Tempel, 2) Mariä Heimsuchung, 5) Johannis Geburt, 4) 
Johannes verlässt das Vaterhaus, 5) Jesus und Johannes treffen 
sich auf der Reise (von Franciabigio), 6) die Taufe Christi, 7) die 
Predigt des Johannes, 8) Johannes tauft das Volk, g) Johannes 
gebunden vor Herodes geführt, 10) Tanz der Saloine beim Gast- 
mahl des Herodes, 11) ie Enthauptung des Johannes, 12) Her-o- 
des erhält das Haupt des Täufers. Der Künstler erhielt für jedes 
der grösseren Bilder 56 Lire (12; Thl.), und für jedes der lilei- 
neren 21 Lire (ää Thl.) Sie waren bis zu den letzten Decennien 
des vorigen Jahrhunderts vollkommen erhalten, dann aber dem 
Wind und Wetter preisgegeben, mögen sie jetzt zum Theil kaum 
mehr der Schatten ihrer ursprünglichen Schönheit seyn. In der 
Pinakothek zu München sind einige der Originalskizzen, und 
dann sind uns diese Compositionen auch im Stiche erhalten. 
Die Taufe Christi, der Reihe nach das sechste Bild, eröffnet 
den Cykliis, in, welchem sich die Ausbildung und Richtung des 
Talente; unseres Künstlers in seiner Stufenfb ge zeigt. Es ist das 
älteste bekannte Gemälde, welches wir von Andrea esitzen, noch 
etwas in der trockenen und eckigen Manier der Schule, aber er 
verspricht schon durch richtige und ungezwungene Zeichnung 
das, was Andrea's nachmälige Leistungen verwir lichten, so wig 
es anderseits durch eine einfache Anordnung auf diese Eiienheig 
seines Talentes hinweiset. Die meisten Spuren seines sich ilden- 
den Geistes finden sich in den beiden kindlich frommen Engeln, 
welche auf dem rechten Ufer des Flusses linieen. tHatte aber An- 
drea in diesem" der Farbe entbehreuden Bilde nur Spuren seings 
Talentes gezeigt, so sieht man diess in der Predigt des Johannes
        

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