Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Torre, G. - Veiss, R.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1813556
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1816210
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Un terberger , 
Iguatz. 
palaste sind zwei Supraporten mit Genien in Basrelief; in der fürst- 
lieh Lichtensteinßchen Gallerie eine Geburt Christi und zwei kleine 
Bambocciaden. Auch im Besitze von Privatpersonen sind treffliclie 
Stücke. Nebenher malte er auch manchmal Portraite, theils in hi- 
statischer Aulfassung, theils mit passenden Nebenwerken, unter 
denen sich die der Grafen Ueberacker, Iiohary, Pellegrini, Bren- 
tano, der Frau von Stettner und des Abtes Eberl ganz besonders 
ausnehmeu- Auch malte er vortreffliche Arabeslien mit menschlichen 
Figuren, auf weisse und andere Marmorarten in Oel ausgeführt, 
Das erühmteste seiner Kunstwerke: Hebe, wie sie Jupiter in 
der Gestait eines Adlers den Nektar reichet, H. Ö F. 6 Z., Br. 4 F, 
10 Z., kaufte der liaiser Franz Il. für 10,000  und zugleich er- 
hielt der Künstler dafür den Titel eines k. k. Hofkamniermalers, 
Dieses Stück wird im k. k. liunstkabinette aufbewahrt. Das Ge- 
enstiick dazu, Hymenäus, dann eine sinnreiche Allegorie auf den 
grieden und die Liebe, vorgebildet in einem unschuldigen Mäd- 
chen, das ein Lamm herzet, waren Unterbergerß letzte vollendete 
Werke. Unter den unvollendeten befinden sich zwei ovidische 
Stücke Gm gleicher Grösse, wofür ihm schon vorläufig 50,000 f]_ 
geboten wareu- Das oben erwähnte Bild der Hebe, welches 1795 
zur Ausstellung kam, wurde mit Enthusiasmus betrachtet. In Meu- 
sei's Neuen lVlisccllen I. 94. heisst es, dass mehrere Tausend hohe 
Standespersonen und Kenner dieses mit eben so viel Studium als 
Fleiss verfertigte Meisterstiick gesehen, und wieder gesehen, und 
das Geständniss abgelegt hätten, nie ein Gemälde von ähnlicher 
Wirkung gesehen zu haben. Sehr herabgestimmt ist dieses Urtheil 
an einer andern Stelle bei Meusel l. c.VI.826. Da heisst es, diese 
Hebe sei nicht das besste Bild des Meisters, und nicht galleriefä- 
hig. "Es ist auch wirklich nicht in der Galleric des Belvedere auf. 
este t. 
g In den Erholungsstunden beschäftigte sich Unterberger gerne 
mit der Mechanik. Von ihm ist, neben mehreren anderen noch 
unversuchten Maschinen, der für den von einer patriotischen Ge. 
sellschaft unternommenen Kanalbau in Ungarn erfundene liarren, 
womit mit äusserster Geschwindigkeit die Erde aufgerissen und zu- 
gleich die Schollen wcggeführt werden. Er erhielt dafür eine an- 
sehnliche Belohnung. Ferner erfand er eine Maschine, die Iiu- 
pferplatten zum Gebrauche der Iiupferstecherei spiegeleben zu 
schleifen, und wieder eine andere, die geschliffenen Platten vnn 
ziemlicher Grösse für die Schabekunst mit der leichtesten Mühe 
und in einigen Stunden rein und aushaltend zu grundiren. Dieser- 
Erfindung haben wir mehrere, von ihm eigenhändig ausgearbeitete 
liupierstiche zu verdanken. Obwohl die Abdrücke dieser Blätter 
sehr schön und vollkommen ausfielen, war doch die erfundene 
Maschine noch nicht ganz nach seinem Sinne; darum, oder weil 
ihm wieder neue Ideen ekommen waren, zerlegtc er sie kurz vor 
seinem Tode, und kein (iiiinstler war mehr im Stande, sie wieder 
zusammen zu fügen und in brauchbaren Stand zu setzen. Noch 
erfand und machte er für seine Harfe, die er sehr lieblich spielte, 
ein eigenes vortheilhaftes Fussgestelle. Seine Arbeitsamkeit und 
Anstrengung zog ihm die Brustwassersucht zu, und 1797 hatte 
seine Gattin und neun unversorgte Kinder den Verlust ihres Er- 
halters zu beweinen. Er wurde wegen seiner grossen Geistesgaben, 
Wegen Seiner Mcnschenfreuntllichlaeit und besonderen Herßengüte, 
und Wegen seines angenehmen, immer heitern und "gesellschaftli- 
chen Unlganges allgemein betrauert. Im Sammler für Geschichte 
und Statistik von Tirol 111. 2. findet man die ausführlicheren Nach- 
richten über diesen Künstler.
        

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