Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Torre, G. - Veiss, R.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1813556
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1816190
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Ignazr 
Unterb erger , 
sahen das schöne Bild, und bald hörte man nur eine Stimme 
vvEs sei ein nicht fertig gewordenes Gemälde von Correggio, um 
zwar eine der anmuthigsten Erfindungen des grossen Iiünsllersn 
Nun trat der Verkäufer Christoph Unterberger auf, und erlsliirtr 
das Werk für eine Originalarbeit seines jüngeren Bruders, Ignaz 
Unterberger, der sich damals in Wien aufhielt. 
Die AllSSage Unterbergefs erregte nicht weniger Aufsehen, als 
vorher das unerwartete Auffinden eines so seltenen Gemäldes. De; 
Künstler hatte als einer der vorzüglichsten Meister aus der Mengsä 
sehen Schule die allgemeine Achtung für sich; allein seine Aeus. 
Sßfllng machte wenig Eindruck, man spottete vielmehr seiner und 
glaubte, er streue dergleichen nur aus, um die Blösse zu decken, 
den Werth eines solchen Gemäldes nicht erkannt, und um ein 
geringes verkauft zu haben. Kurz, das Gemälde blieb in den 
Augelfder Kenner ein Original von Correggio. Es boten sich 
nun dem neuen Besitzer mehrere Gelegenheiten, das Gemälde Sehr 
vortheilhaft zu verkaufen. Allein je mehr man ihm bot, desto 
höher steigerte er den Preis. Im Jahre 1702 erlaubte er dem eng- 
lisehen Maler Dny ge en eine namhafte Summe eine Zeichnung 
von dem Bilde zu nehmen, um es auf eigene Kosten von dem 
berühmten B. Morg-hen stechen zu lassen. Seitdem war das Werk 
als von Correggio herriihrend, und als eine der vorzugllchen Ar- 
beiten des Morghewschen Grabstichels, durch ganz Europa be- 
kannt. Im Jahre 1795 kam der Fürst Nikolaus Esterhazy nach 
Rom, der als eifriger Freund der Kunst eine bedeutende Anzahl 
klassischer Werke an sich brachte, und hiebei den Gelehrten und 
Kunstlienner Hirt zu Bathe zogß Er sah auch die Mutterliebe, 
hielt wie jeder andere das Geschichtliche des Bildes für eine 
Fabel, und erkaufte dasselbe für den Preis von 1200 Dukaten, 
und zwar unter folgenden Bedingungen, auf denen der Hofrath 
Hirt absichtlich bestand: 
1. Der Iiäufer Fürst Esterhazy bezahlt dem Verkäufer für ein 
allgemein von der Hand des Correggio gehaltenes Gemälde, die 
Mutterliebe mit drei Kindern vorstellend, die Summe von 120g 
Dukaten, wovon 500 sogleich und die anderen 900 in den drei 
folgenden Jahren, jedes Jahr dreihundert, ausbezahlt werden. g, 
,Sollte sich aber während dieser Zeit erweislieh entdecken, dass 
gedachtes Gemälde von irgend einem anderen Meister gemacht sei. 
50 steht es dem Käufer frei, den Contrakt zu annullirexl- Graf 
von Münster und Hofrath Hirt waren als Zeugen unterschrieben, 
Als das Gemälde in Wien ankam, wurde es dem Ignaz Un- 
terberger zum Gutachten vorgelegt, und dieser erklärte in Gegen- 
wart von zwei Zeugen, dass er das Bild vor 25 Jahren während 
seines Aufenthaltes in Rom erfunden und gemalt habe, dass g;- 
aber bei seiner Abreise von dort dasselbe als eine unvollendete 
Arbeit, auf die er selbst keinen Werth gelegt, und welche er bloss 
als ein Studium gemacht hätte. bei seinem Bruder Christoph habe 
stehen lassen. Uebrigens möchten Künstler und lienner dieses 
Gemälde mit seinen andern Arbeiten, die er seitdem in Wien ver- 
lertiget habe, vergleichen und urtheilen, ob er im Stande sei, so 
etwas zu verfertigen oder nichtm 
Nachdem der Fürst sich überzeugt hatte, das Unterberger der 
Alllül" der Mutterliebe sei, schichte er dem Lovera eine mit Zeu- 
gen beslättigte Abschrift des Zeugnisses Unterberge-WS, und erbot 
sich, das Gemälde gegen die bereits erlegten 500 Dukaten zu he- 
hallen. Der Brief des Fürsten mit der Abschrift des beigefügten 
Attestates erregte allgemeines Aufsehen und Unwillen gegen die
        

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