Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Torre, G. - Veiss, R.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1813556
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1815018
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TrOY 1 
Jean 
Frangois 
Mitglied der Akademie in Paris ernannt, überreichte er derselben 
ein Bild, welches den Tod der Kinder der Niobe vorstellt; eine 
Anstellung konnte er aber in Paris nicht finden, da der Künstler dem 
Gesehmacke CoygePs nicht huldigte, welcher damals als das Haupt 
der französischen Schule geehrt wurde. Allein de Troy hatte sich 
nichts weniger als die gute italienische Manier angeeignet, es 
wollten nur seine Niobiden nicht gefallen, weil er mehr die An- 
tike als die Schaubühne berücksichtiget hatte. Er fand aber in 
Paris bald Eingang, weil er dem manierirten Gcschmaeke seiner 
Zeit mit vielem Talente huldigte. Er malte meistens historische 
Darstellungen, deren viele im Stiche bekannt sind, wie das unten 
folgende Verzeichniss von Blättern beweiset. Diese ist aber noch 
kein Beweis, dass de Troy Meisterstüeke geliefert hat; diese Blat- 
ter zeugen nur von dem damali en französischen Iiunstgeschmack, 
auf welchen die tiiehtigsten Steeäier rechnen konnten. Wenn wir 
indessen dem Mr. d'Argensville glauben wülllßn, S0 wäre J. F. de 
Troy ein Meister ersten Ranges gewesen. Nach der-Absicht dieses 
Schriftstellers war der Künstler mit einem schopfensehen Genie 
begabt, welches seinen Bildern Feuer und Leben verlieh. lür 
sagt ferner, dass man in den Compositionexi des Meisters die rei. 
ehe itnordnting, die geschmackvolle Zeichnung, die edlen Gedan- 
hen, die liunst des Ausdruckes der Neigungen und Letdenschaf. 
ten, die majestätische Einfachheit der Hintergründe, diefeizende 
Färbung und die gediegene Behandlung bewundere. Bei solchen 
Vorzügen müsste de Troy allerdings hoch stehen; allein er ver- 
fiel ungeachtet seines langen Aufentihaltes in Italien in alle Fehler 
der franzbsischen Manier. Seine Compositionen erscheinen zwap 
auf den ersten Anblick grossartig, und erdrücken das Auge durch 
ihren bunten Reichthum, die eßektirten Hehlen sind aber der 
Bühne entnommen, und selbst der übertreibende Schauspieler tritt 
öfter noch mit grösserer Besonnenheit auf, als die handelnden Per- 
suncn unsers gepriesenen Meisters. Von strenger Charakteristik 
und gründlicher Durehbildung ist bei ihm keine Rede. Auch Sßlllg 
Färbung ist nicht vollkommen wahr, sie besticht aber das Augtä 
so wie sich überhaupt der Nichtkcnner von de Troy hiureissen 
lässt. Die Ansicht eines solchen gibt düärgensville in seinen Ln- 
beserhebungen, welche dem Künstler wirklich einige Zeit gespexn 
det wurden, bis das Auge besser sehen lernte, und man erkannte, 
dass das Talent und Glück eines Mannes, wie de Troy, der Kunst 
nur gefährlich werden könne, sie aber nicht fördere. lSeme VVerltg 
sind überallhin zerstreut. Das Museum des Louvre nahm nicht; 
von ihm auf, und nur in einigen Kirchen zu Paris und Rom sieht 
man Werke von ihm. Für die Kirche des heil. Lazarus zu Paris 
malte er einige Darstellungen aus dem Leben des heil. VlIlCCnz 
von Paula, welche im Stiche bekannt sind, und sehr geriibmt wur. 
den. Diese ist auch mit seinem Bilde der Pest von Marseille 1730 
der Fall, so wie mit den Darstellungen aus der Geschichte (lex- 
Esther in sieben Bildern, welche dersKünstler in Rom malte, und auf 
deren Reproduktion der Kupferstecher J. Beauvarlet die grÖSSte 
Mühe verwendete. Im Auslande sind seine Bilder selten. Seit 18117; 
sieht man im Museum zu Berlin ein am Tische sitzendes lYliii-l. 
Cllell, welches eine Tasse Chocolade trinkt, sehr lebendig und an- 
T-lßllentl, im Geschmache Watteauts behandelt. In kleineren Genre- 
bildern leistete der Künstler überhaupt Vorzügliches. 
J. F. de Troy lebte die liixigste Zeit seines Lebens in lionh 
wo er 1729 Professor an der französischen Akademie wurde. Später 
eilht-illo ihm der liiinig den Orden des heil. Michael, und 1751 
erhielt er die Stelle eines Direktors der genannten Anstalt, welche
        

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