Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Surugue, P. L. - Torre, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1807665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1808489
die Betschemmel oder Pulte der hinteren Reihe zur Lehne, und 
die hintere Banhreihe, zwei Stufen höher als jene, hat eine mit Ni- 
schen, Giebeln und Ornamenten reich verzierte I7 F- llßhß Rück- 
wand, an welcher die Sitze durch durchbrochene Scheidewände 
getrennt sind. Jede Abtheilung ist zu beiden Seiten auf den Pul- 
ten mit runden Brustbildern in etwas mehr als Lebensgrüsse mit 
Sprüchen darunter geziert. Deren sind acht auf jeder Seite, auf 
der ilördlicheil die sieben VVcisen und Dichter nebst dem lorbeer- 
behrönten Brustbild des Meisters vorn auf der Eche, auf der süd- 
lichen Seite die Sibyllen, und dem Meister gegenüber die Frau 
desselben. In den Nischen der hinteren Sitzreihen sind halberho- 
bene Brustbilder, auf der einen Seite biblische Heilige und Leh- 
rer, auf der anderen biblische Frauen, mit Spruchbänder-n unter 
jedem Bilde. In den Nischen des mittleren Stuhles jeder Seite 
sind dafür die Vvappeil der Stadt mit dem Reichsadler. In den 
durchbrochenen Giehelfeldern des Baldachins sind auf der nördli- 
chen Seite die runden Brustbilder von Aposteln und Heiligen, und 
gegenüber solche von heiligen Frauen, Jungfrauen und Martyrin- 
nen. Die Wahl und die Anordnung dieser Bilder beweisen einen 
religiösen und grossartigexx Sinn, so wie eine kunstgeübte Hand. 
Fast alle Köpfe sind schön, besonders die weiblichen, welche mit 
Liebe und Anmuth behandelt sind. Die Ornamentilt ist ausseror- 
deutlich reich und xnanni faltig, besonders in den Füllungen der 
Seiten- und in den Durcibreehungen der Scheidewände in den 
hinteren Sitzen. Nicht ohne bittere Anspielung auf das damalige 
Treiben der höheren Stände sind die Fratzen und Figuren in Form 
der Bank-Consolen und der Knöpfe auf den Banklchnen. Syrlin 
hat seinen Namen dreimal eingeschnitten. Auf der nördlichen Seite 
steht in der Nische des ersten Stuhles, hinter seiner Büste: Ge o rg 
Syrlin 146g incepit hoc opus, und am Ende dieser Seite in 
gleicher Höhe: Jörg Syrlin 1471i coinplevit hoc opus. Ge- 
genüber an der südlichen Seite liest man dasselbe. Dieses sel- 
tene Kunstwerk ist zu reich, als dass durch eine bloasse Beschrei- 
bung desselben zu befriedigen wäre. Der Verein für Kunst und 
Alterthum in Ulm und Oberschwaben liess daher dasselbe in Kupfer 
stechen. E. Manch fertigte mit grösster Genauigkeit die Zeichnun- 
gen, und der Stecher Wilh. Müller in Weimar gab diese genau 
wieder. Dieses Werk erschien 18114 unter folgendem Titel: Zur 
Architektur und Ornamentik des deutschen Mittelalters aus dem 
Münster zu Ulm. Veröffentlichung des Vercines für Iiunst und 
Alterthum in Ulm und Oberschwaben, qu. fol. Sechs Blätter sind 
den Chorstühlen gewidmet, und ein siebentes enthält den Weih- 
wasserkessel, wahrscheinlich nach der Erfindung des jüngeren Syr- 
lin. Der Text ist ebenfalls von E. Manch. 
Inzwischen wurden dem Künstler auch noch andere Arbeiten über- 
tragen; so ein Stuhl, welchen er 1475 bei der Ankunft des Kaisers in 
Ulm für diesen auszierte. Im Jahre 147.1 wurde ihm eine Tafel ver- 
dungen, deren Inhalt nicht bekannt ist. Er wird auch für den Ver- 
fertiger des an allegorischen Figuren reichen und zierlich durchbro- 
chenen 90 F. hohen Sakramenthäuschens im Münster gehalten; al- 
lein dieses kühne Monument wurde M69 begonnen, aber kaum von 
Syrlin, der damals an den Chorstühlen arbeitete. Der Verfasser des 
VVcrltes über Ulms liunstleben etc. hält daher den Adam Krafft 
für den Meister desselben, zunächst wegen der grossen Aehnlich- 
heit in der Cunstruktion mit dessen Sakramenthaus in Nürnberg, 
und dann, weil Ad. Iirafft, der Sohn eines Ulmer Büchsenmachers, 
UlPiCh Kram, Sißll zu jener Zeit nicht in Nürnberg aufhielt. Dann 
soll Syrlin 1470 auch den Taufstein des Münsters entworfen und aus-
        

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