Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Surugue, P. L. - Torre, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1807665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1812409
Tibclixls , 
CO 
Tiberghien , 
461 
TlbßlillS, 0-, Iiupferstccher, ist uns aus dem Cabinet Paignnn Di- 
junval, rcdigö par Bönard 1810, bekannt. Da werden ihm tblgendc 
Blätter nach Backlmysen beigelegt. 
1  2) -Vue (lßälnsterdanx , et Vue de Ruterdam. C- Tibelius 
sc., qu. ful. 
Tiberghien , Peter JOSOPlI JBGOIQ, Graveur und Goldschinid, 
geb. zu Menin in Flandern 1755,_ war mit grossein Talente be- 
gabt, welches aber längere Zeit sich selbst ubei-lassen blieb. Er 
diente als Lehrjunge bei einem Silberarbeiter, und lieferte schon 
 als solcher geschmackvolle Arbeiten. Später arbeitete er in der 
Ciseliranstalt des Goldarheiters Nolf in Courtrai, der zugleich auch. 
die Stelle eines Direktors der dortigen Akademie bekleidete. Dieser 
geschickte Mann gestattete seinem Gehiilfen den Besuch der Aka- 
demie, wo er zeichnete und niodellirte, was auf seine Kunstrich- 
 tiing den wohlthatigsten Einfluss hatte. Von Courtrai aus begab 
sich Tiberghien nach Antwerpen, um bei dem berühmten Gold- 
schmide Verhert in Condition zu treten. Er besuchte aber auch 
die Akademie, um die Architektur zu studieren und mit der Malerei 
vertraut zu werden. Nach sechsjähriger Thätiglieit liess er sich end- 
lich in Gent nieder, wo er den Ruf eines ausgezeichneten Künstlers 
gründete, ohne Paris und Italien gesehen zu haben. Zuerst beschäf- 
tigtc ihn der Abt von Baudeloo. Man bewundert das schöne Gitter 
und die zwei grossen Vasen vor dem Chor der Abteikirche. Hierauf 
übertrug ihm der Herzog von Sachsen-Teschen mehrere Ciselirar- 
beiten, und auch viele andere Fürsten erwarben Werke ii1 Silber 
und Gold von ihm. Tiberghien brachte diesen Zweig der Kunst-In- 
dustrie zu einer hohen Stufe, und er ist als derenige zu betrachten, 
welcher den schlechten Geschmack der Zeit veriiannte und den Sinn 
für die Leistungen der Renaissance erweckte. Die älteren italie- 
nischen Dleister waren sein Vorbild. Zu den Hauptwerken Tiber- 
ghieifs gehört aber eine Reihe von Medaillons, welche in Silber ge- 
arbeitet die wichtigsten Ereignisse der Stadt Gent in einem Zeit- 
rauine von fünf und zwanzig Jahren darstellen. Sie zeichnen sich 
durch geistreiche Anordnung, durch Correktheit der Zeichnung, 
und durch grosge Eleganz in den Details aus. In Stahl geschnit- 
ten wären sie trefiliche Matrizen fiir Medaillen. Das erfindungs- 
reiche Talent dieses Mannes trug auch öfter zur Verschönerung 
öffentlicher Feste bei, indem er Decorationen zeichnete und selbe 
anordnete. Iin Jahre 1802 kam er auf den Entwurf eines Trium- 
Phal-Camins, welchen die Munieipalität von Gent in einem Saale 
des Bathhauses zu errichten beschloss. Zu seinen letzten Arbei- 
 ten gehören vier Basreliefs, welche 1810 bei Gelegenheit der Ver- 
mählung Napole0n's einen Triumphbogen zierten. Diese schönen 
Compositionen erschienen bald darauf in Kupfer gestochen, da 
aber nur wenige Exemplare in das Publicuni kamen, so liess sie 
L. de Bast für die Annales du Salon de Gand 1823 wieder ste- 
chen, wo Sie p. 158 zu finden sind, zugleich mit einer Biogra- 
phie des Meisters, welcher 1810 starb. Er war einer der Direk- 
toren der alten Akademie. In der neu errichteten Kunstschule 
war er Direktor der Abtheilung für Gravirkunst. G. Norinaiid 
stach sein Bildniss nach einer Zeichnung von L. de Bast, wel- 
eher als Schüler dieses Künstlers dadurch einen Beweis der Dank- 
barkeit aussprach. 
Tiberghien, L-g Maler zu Brüssel , vielleicht der Sohn des obigen 
Meisters, ist durch historische Darstellungen bekannt. Auf dei-
        

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