Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Surugue, P. L. - Torre, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1807665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1812112
432 
Thorwaldsen , 
Bertel. 
führte Partie verlor plötzlich alles Aengstliche und kleinlich Aus. 
gearbeite, und mit wenigen Zügen waren die richtigen Formen 
angegeben. In Marmor arbeitete er selten ein VVCrli güIlZ aus; 
von anderen in Marmor vorbereitet standen seine VVex-lse oft meh- 
rere Monate im Studio, bis er durch einen oder den andern Grund 
veranlasst, zur vollendeten Beseelung seine Meisterhand anlegte, 
Es entstand daher die Sage, (lass er selbst nur in Thon modelli. 
ren, aber nicht in Marmor arbeiten könne. Thorvvaldsen wusste es, 
dass man dieser Meinnrg sei, und gab, um dieselbe zu wider- 
legen, Öfters seinen Arbeiten einen ungewöhnlichen Grad von Zart- 
heit, worin ihm Canova als Muster vorgestellt wurde. Als ihm 
bei einem Gelage ein Künstler geradezu sagte, er könne wohl 
modelliren, aber nicht xneisseln, so entgegnete Thorwaldsen dem 
Selbstsüehtigen, man solle ihm die Hände binden und er wolle 
die Statue aus dem Marmor beissen. 
Was sein Verhiiltniss zu Canova betriiTt  so ist es ziemlich 
gewiss, dass er mehr als die meisten seiner Zeitgenossen Cano- 
va's wahres Verdienst zu schätzen wusste, so wie er denn über- 
haupt jedes Verdienst anerkannte. Auch Canova gestand dem 
dänischen Meister einen ausgezeichneten Iiiinstlerraxig zu, und 
Thiele hat daher Recht, wenn er behauptet, dass ohne die blin- 
den Bewunderer und so zu sagen Parteigiinger, welche beide 
gefunden haben, haum ein edler Wettstreit den Schein eines 
gegenseitigen Neides angenommen hätte. Dass Thorwaltlsen E31". 
ters, wenn er Canova's Behandlung des gewählten Gcgcnstan. 
des nicht billigte, den nämlichen Gegenstand wählte  um 
leichsam zu zeigen, wie er nach seinen Iiunstansiehten behan- 
delt werden könnte, scheint doch kein des grossen Iiiinstlers un- 
würdiges Verfahren gewesen zu seyn, wenn er sich zu einem sols 
chen Wettstreit berufen liihlte? Der wahre lienner reichte der 
reinen und strengen Kunst eines Thorwaldsen die Palme, wenn 
auch von anderer Seite ,Canova seine Hrone fand. Er selbst hat 
Ueber dieses Verliältniss wurden viele Stimmen laut. Mehr 
oder weniger wird diese Sache berührt im kiunstblatt 1316, 
Nr. 5, und 1825 Nr. 74, 75; im IYIurgenbIatt 1810, Nr. 19; 
im Hesperus von Andre 1825, Nr. 150, 159, 219, 288, CZQQ, 
und 132.1 Nr. 64, 152; in den lit. Blättern der Börsenhalle 
1827, Nr. 192, 195; im ersten Bande von Fernuw's römi- 
sehen Studien; in Spetlfs Iiunst in Italien 111.199; in Auer- 
bunfs Svea III. 186; in Dr. Möllerß Briefen II. ögi; in 
Odelehenk Beiträgen II. 92; in E. v: d. I{cacke'_s Tagebuch 
II. 595; in Carpentier's Reise I. 146; In St- Dßlllmgäs Rum, 
wie es ist, 1825, S. 99. u. s. w. 
 Thorwalclsen setzte z. B._'der Psyche von Canova (1789) die 
seinige 1811 , dessen Achilles und Briseis (1790) (lenselben. 
Gegenstand 1802 gegenüber. Canovafs Caritas erschien 1795, 
jene von 'l'lmrwalils4_en 18110. Die Gruppe von Amor und 
Psyche behandelte Canova 1797, Thorwaldseu 18011. Die 
Statue des Jason stellten beide 1800 aus. Canovafs Hebe 
von 1801 fand mit jener von Thorwaldsen 1306 den Ver- 
gleich. Die Venus Viclrix behandelten beide 1805. Canuva 
führte 1805 --g seine 'I'ä_nzeriunen aus; dihorwalelsen stellte 
1316 eine solche auf die Bühne. Die Gruppe der Grazien 
von Canova entstand 1814, Thorwalclsen gab 181g mit der- 
seiuigen der Critil-i einen grosscxi Spielraum.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.