Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Surugue, P. L. - Torre, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1807665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1811865
Thorwaldsen , 
Bertol. 
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des Grossen in Babylon, nicht ohne Beziehung auf den 
rosscn Triumphator der neueren Geschichte. Die kurze Frist, 
die ihin gestattet war, erlaubte ihm nicht, sich auf eine sorg- 
fältige Ausführung einzulassen, jedoch berechnete er die Wir- 
kung der Arbeit so glücklich, dass dieselbe, als sie vollendet im 
Juni 1312 in der bestimmten Hübe eingesetzt wurde, die allge- 
meine Erwartung übertraf, und selbst denjenigen zurßeifvlllitler- 
ung hinriss, der die einzelnen Theilc im Studio des Künstlers 
mit Kopfschütteln in der Nähe betrachtet hatte. Die Eile, mit 
welcher diese Arbeit vollendet und abgeliefert wurde, hatte es dem 
Künstler unmöglich gemacht, sich eine Nachbildung derselben zu 
verschaffen. Beim Abgiessen hatte man sich, so wie ein Stück 
fertig geworden war, der sogenannten verlernen Formen bedient, 
durch welche nur ein einziges Exemplar verfcrtiget werden kann. 
Schon war man im Begriff die Stücke einzusetzen, als der Archi- 
tekt und Professur P. Malling, Thorwaldsen's Freund, bemerkte, 
dass es dem Vaterlaude gewiss erfreulich seyn könnte, einen Gyps- 
abguss davon zu besitzen, "besonders weil der llittersaal im Schlosse 
Christiansburg ein schönes Loeal dafür darbieten würde. Diese 
Bemerkung erregte augenblicklich bei unserm Künstler den Ent- 
schluss, die ganze Coinpositioxi zu wiederholen. Eilig wurde jetzt 
ein Gyps-Calque genommen, in welchem er ein Exemplar abgies- 
sen liess, das später als Modell bei der ersten Ausführung in 
Marmor gebraucht wurde. Im Deceniber 1812 bestellte die Schloss- 
Commission in Copenhagen ein solches Exemplar in Gyps, wel- 
ches aber nicht an Ort und Stelle kam, sondern eine Umarbei- 
tung der ganzen Cornposition in Marmor. 'l.'hiele sagt, dass Graf 
Sommariva das erste Exemplar in Marmor bestellt habe, allein 
dieser kunstliebende Graf kam nur durch eine veränderte Zcitlage 
in den Besitz desselben. Den Triumphzug des Alexander führte 
Thorwaldsen zuerst im Auftrage des Kaisers Napoleon zur Ver- 
zierung eines in Paris zu errichtenden Monuments in Marmor 
aus. Es sollten ihm vom Herrscher. Frankreichs 320,000 Frs. be- 
zahlt werden, und er hatte auch bereits die Hälfte der Summe 
empfangen, als der Wechsel des Glückes die Bourbons zurück- 
fiihrte. Diese Fürsten liessen das Werk nicht mehr vollenden. 
verzichteten aber auf den Vorschuss. Vergebens machte jetzt der 
Künstler Anfragen bei verschiedenen Höfen, ob einer derselben 
gegen Bezahlung der noch sehuldigen "Summe dieses Werk be- 
auftragen wollte; endlich entschloss sich Graf Sonnnariva für die 
Summe von 100,000 Frs. diese grossartige Marmorsculptur für 
sich beendigen zu lassen. Iiunstrichter haben gar mancherlei an 
einzelnen Figuren des Triumphzugcs zu tadeln gewusst, was bei 
späteren Reproduktionen desselben theilweise in Rücksicht genom- 
men wurde. Der Held, welcher hier der Bühne entnommen ist, 
erscheint später würdiger, die Pferde hinter dem Siegeswagen 
wurden strenger gezeichnet, und so überhaupt das ganze Werk 
revidirt. Die Gruppe Schafe, womit der Triumphzug beginnt, 
fand man aber gleich anfangs ungeeignet. Alles dieses findet 
man im Exemplare der Villa Sommariva am Comersce, es erhielt 
aber auf den  Wunsch des Besitzers einige Erweiterungen nach 
dem nnigearbeitctcn Exemplare in Gyps, und unten am Friese 
fügte er das Bild des Grafen hinzu, wie ihn; ldiorwaldsen den 
Einzug _A_lexanders in Babylon vorzeigt. Die Umarbeitung der 
CUIHPUSIUUIP im Quirinal erfolgte wahr-und der früheren Arbeit in 
Ivlaruior in halber Ilühe, da die erste Behandlung seinen eige- 
nen Forderungen nicht entsprach, und er dem! VVerke die höch- 
ste Vollendung geben wollte. Dieses dritte Exemplar war fiir
        

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