Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Surugue, P. L. - Torre, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1807665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1811724
Thorvvaldsen , 
Bcrtel. 
393 
den 19. November, in Copenhagen  geboren, wohin sein Vater 
Gottsehalk, ein Bildschnitzer, gekommen war. Bertel sollte das 
Handwerk des Vaters erlernen, und schnitzte schon als zarter 
linabc im Sehuitzhause auf dem Holm. Gottschalk konnte nicht 
zeichnen, und schickte desshalb den eilfjiihrigen Knaben in die 
FFQiSClHllE der Iiuxistalsademie, wo dieser in zwei Jahren solche 
Fortschritte machte, dass er dem Vater nicht nur fleissig zur Hand 
gehen, sondern dessen Arbeiten verbessern konnte. In manches 
liolzbild zur Galion des SchiEes brachte er mit dreister Hand Le- 
bensziigc. Unbemerkt unter den anderen Knaben, ohne eigent- 
lich fleissig zu seyn, am meisten mit dem Auge thiitig, brachte 
Bcrtel sechs Jahre in der Schule auf Charlottenburg zu, war aber 
bei der Confirxnatiun in den E1ernentarkezintnissexi noch so weit 
znriiclt, dass ihn der Probst Hoyer zu unterst zwischen die armen 
Iinaben stellte. Damals war durch die Zeitung bekannt, dass 
der Eleve Tborwaldsen bei der Akademie mit dem Basrelief eines 
ruhenden Amor (in der Kunstsammlung zu Kopenhagen) die kleine 
Silbermedaille erhalten habe, und der Probst fragte ihn, ob dicss 
sein Bruder sei? Ich bin es selbst, sagte Bertel, und der Geist- 
liche setzte ihn zu oberst über alle Iinaben, und nannte ihn von 
nun an vMonsieur Thorwalclsennc Dieser Titel klang damals tief 
in seine Seele, und der Meister erzählte später oft, dass er die- 
sen Moment nie vergessen habe. 
In einem kleinem Hause in Aabenraa, Ilolbergfs Poetenwin- 
lcel, theilte jetzt Thoswaldsen seine Zeit zwischen der Kunst und 
der Hiilfe, die er dem Vater leistete. Er schnitt Ornamente in 
 
nalen, wovon 7 Bände gedruckt sind, gibt eine grosse 
Stamintafel von dem Geschlechte unsers Künstlers, welche 
auch Thiele beifiigte. 
Ueber Thorwaldsens Geburtsort sind die Meinungen getheilt 
gewesen. Einige haben angenommen, dass er auf Island, 
andere, dass er in Copcnhagen geboren, und wieder an- 
dere behaupteten, das er auf einem Schiffe, welches seine 
Aeltern von Island nach Copenhagen brachte, das Licht 
der VVelt erblickt habe. Allein Thorwaldsen sagte selbst, 
dass er in Copenhagen geboren sei. Wäre er auf Island 
getauft, so müsste er der Landessitte gemäss Bertel Gott- 
slaallisen genannt worden seyn. Auffallend ist die Behaup- 
tung der Mine. Stael-Holstein (Sur l'Allemagne  dass 
Thorwaldsen in Deutschland erzogen sei. Sie scheint durch 
A. W. Schlegel dazu verleitet werden zu seyu, welcher in 
der Jcnaer Allg. Lit. Zeitung 1808, Intelligenzblatt 120, 
sagt, dass wir diesen Meister gewissermassen uns zueignen 
dürfen, da er, wie wohl ein Däne von Geburt, wie ein 
Deutscher unsere Sprache rede,lund ganz deutsche Bildung 
besitze. Allein Thorwaldsen betrat erst ungefähr 50 Jahre 
alt den deutschen Boden. 
Auch sein Geburtsjahr wird verschieden angegeben, in- 
dem ihn einige 1771 oder 1772 geboren werden lassen. Er 
selbst bestimmte 1770, wusste aber den Tag nicht anzuge- 
bßll- Der Justizrath Haste (Riises Archiv 1824- S. 509) 
1161m! aber den  November, weil er ihn in einem alten 
Schreibkalender eingetragen fand. Thorwaldsen nahm den 
8. März, wo er in Rom ankam, als seinen Geburtstag, 
als den Tag, an welchem er der liunst geschenkt vmrtle.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.