Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Surugue, P. L. - Torre, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1807665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1810421
Testa , 
Pietro. 
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ten wetteiferte. Testa war ein Künstler von Talent, er componirte 
mit Geist und Leichtigkeit, hatte Sinn für das Grosse und Erha- 
hene in_der Kunst, liess sich aber zu oft von seiner regellosen 
Phantasie binreissen, die in einer auffallenden Verwirrung waltete, 
aber nicht jeden Funken iichter Poesie vertilgte. Besonders un- 
11131", wie im Traume cornponirt, sind seine Allegorien, an deren 
Erklärung der Conimentator Hogarthk scheitern würde. Mola, 
welcher diesen melancholischen Sonderling kannte, hat daher nur 
theilweise recht, wenn er behauptet, Testa habe nie etwas ge- 
zeichnet und gemalt, das er nicht vorher in der Natur gesehen 
hatte. Solche Allegorien, wie sich von ihm finden, sieht man 
nur im bösen Traum, sicher ist aber, dass er eifrig Studien nach der 
Natur gemacht, diese und die Antike für das Höchste gehalten 
habe. Es fanden sieh in Rom wenige antike Ueberreste, sowohl 
von Plastik als von Architektur, die er nicht gezeichnet hatte. 
Der Cav. Puzzo, der Gönner des Künstlers, besass allein fünf 
grosse Bände mit solchen Zeichnungen von ihm. Sandrart, der 
damals in Rom war, traf den Künstler eines Tages inschlechter 
Kleidung unter Ruinen sitzend, wo er Basreliefs zeichnete, und 
er hatte solches Mitleiden mit Testa, dass er ihn mit sich nach 
Hause nahm, und vom liopfe bis zu den Fiissen neu kleidete. 
Testa konnte aber nie sein Glück finden, da er bei grosser Schüch- 
ternheit und seinem absehreckenden Wesen eine ungemessene 
Einbildung von sich selbst hatte, und jedem andern inisstraute. 
Er erhielt demnach nur selten Aufträge zu Gemälden, und lebte 
zuletzt nur küxninerlich vom Erlöse seiner Zeichnungen und Ra- 
dirungen. Erstere sind sehr schön behandelt, theils mit der Fe- 
der, theils in lireide ausgeführt, auch in Bister getuscht oder 
aqnarellirt. Titi und Lanzi rühmen auch 'ein Gemälde in S. Mar- 
tinn de Monte zu Rom, welches den sel. Carineliter Angiolo vor- 
stellt. In der Capitolinischeix Gallerie ist ein Gemälde mit Joseph, 
wie ihn die Brüder an die Isinaeliten verkaufen, nach Fiorillo ein 
bOVflllldCFungSWFllPtll"(ES Bild. Für S, Croce dc' Lucchesi in Rom 
malte er die Darsteltlung Nlariä im Tempel, ebenfalls ein gerülun- 
tes Werk, welches später der Cardinal Valenti Gonzaga zum Ge- 
schenke erhielt. Eine solche Darstellung ist jetzt in der k. Ere- 
mitage zu St. Petersburg. Der Monsignore Muti liess in Rom 
sein Gartenhaus von ihm verzieren. Im Palaste Spada daselbst 
war eine Darstellung des Hindermordes von ihm gemalt, wie Gan- 
dellini behauptet. Baldinucci erwähnt ein Bild der Iphigenia in 
demselben Hause, und nennt es ein sehenswerthes Gemiiltle. In 
S. Ilomeo zu Lueca ist ein Altarbild von ihm, im Hause Lippi da- 
selbst malte er eine kleine Kuppel, und im Stadthanse eine allegori- 
sche Darstellung der Freiheit in Fresco. Auch in S. Paolino und 
in der GallerieBuonvisi zu Lucea sah Lanzi Werke von ihm. In 
der Gallerie zu Schleissheim ist ein Bild des heil. Hieronymus von 
Testa, in der Gallerie Lichtenstein zu Wien die Geburt des Aeneas, 
und ehedem in Düsseldorf eine Allegorie, welche die Morgen- 
rötbe vorstellt, wie sie zum Studiren anreizt, während Hercules 
die Feinde der Iiunst verjagt. Sein letztes Werk stellt den Selbst- 
mord des Cato von Utica dar, und dann ging er selbst einem 
traurigen Ende entgegen. Er verbrannte alle seine Papiere, nahm 
im höchsten Triibsinne Abschied von seinen Freunden, und wurde 
nur als Leiche von ihnen wieder gesehen. Ratti behauptet in ei- 
nem Briefe im Baldinucci, der Künstler habe 165g in den Wellen 
der Tiber einen freiwill" en Tod gesucht, und erklärt die Angabe 
1a Combäs, als sei derläiiinstler durch Unglück ins Wasser ge- 
Stürzt, für eine Erfindung. Man. fand seinen Leißhnünl bei S.
        

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