Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Surugue, P. L. - Torre, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1807665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1809099
Tatti , Jacopo. 
die Etage über den Bogen des Erdgeschosses, die selbst wieder 
Bogen statt der Fenster zeigt und einen ol-Yeneu Gang bildet. 
Im Jahre 1556 beschloss der Senat den Bau einer Bibliothek, 
und Sansovino erhielt den Auftrag ein Modell zu fertigen, welches 
sogleich genehmiget wurde. Diese Bibliothek an der Piazetta bil- 
det in ihren 21 Bögen eine Fortsetzung der Gallerien des St. Mar- 
kusplatzes. Die Siittlcnortlnung des Erdgeshtisses ist doriseh, die 
der oberen Etage jonisch, und die obersten Arkaden sind gebogene 
Fenster, welche selbst durch kleinere jonische Säulen verengt 
sind. Beim Baue dieser Bibliothek richtete sich Sansovino nach 
der Höhe der beiden Etagen des älteren Flügels, und er dachte 
sich den linken Flügel als vollendet, Welcher eine Fortsetzung der 
Bogen seiner Bibliothek bilden sollte. Allein Seiunozzi nahm da- 
rauf keine Rücksicht, wie wir im Artikel desselben bemerkt haben. 
Aus dieser Voraussicht erklärt sich die Hohe der beiden (Sesimsc 
seiner Siitilentirtblungen, wovon das dorisohe das Drittel einer 
Siitlle, und das jonische mehr als die liiilfte cinnimntt. Die Ba- 
lustratle über "dem letzteren bestimmt den llohenpunkt, zu wel- 
chenr der neue Fliigel hiitte steigen sollen. Die Verhältnisse der 
_Bibliothe_k sind daher ungewvöhnlich, der liiinstltxr wusste aber 
durch die Schönheit und Mannigfaltiglaeit der NTci-ziernngeirdiesen 
Zwang unmerklich zu machen. Die Archivolten bestehen in b'i- 
guren von Bildhauerarbeit. Nichts ist aber reicher als diebeiden 
Friese, besonders jener iiber dem jonisehen Architrav, der bei- 
nahe die Gesanunthiihe des Architraves und des Iiarnisses hat. 
Die mit Statuen gczierte Balustratle verbirgt von 'untcn den An- 
blick eines sehr hohen Daches. Der mittlere Bogen der Faeade 
führt zu einer sehr schönen Treppe mit reich verzierten Gewölben  
von A. Vittoril. Obeirgclangt man in einen herrlichen Saal, 
welchen Seamozzi für eine Sammlung alter Sculptixrcn einrichtete. 
Von hier kommt man in das Lokal der Bibliothek selbst. Sie 
nimmt sieben Arkaden des Gebäudes in der Länge, und drei 
in der Breite ein, und enthält ein prächtig mit Feldern gezier- 
tes Gewölbe. Der andere Theil des Gebäudes, zu welchem eine 
Treppe führt, die mit der erwähnten in Verbindung steht, geht 
auf die Pescheria und ist für die GeschiiFts-Bureaux bestimmt. 
Die grossen Arbeiten an der Bibliothek sollten um 1545 ihre Vol- 
lendung finden, denn es war nur noch der Theil zu wiilben, wel- 
cher fiir die drei Bureaux bestimmt vrar; allein kaum war das Ge- 
wölbe vollendet, so stiirzte es ein. Man schrieb diesen Unfall ver- 
schiedenen Ursachen zu, die der Architekt nicht verhindern konnte; 
allein es war auch die Sprache von Fahrlässigkeit und von zu 
grossem Wagniss des Architekten, der sich wabrschcnllich zu 
viel auf seine Bänder und Klammern verliess. Sansovino wurde 
trotz aller Ausreden ins Gcfiingniss geführt, der Stelle eines Ober- 
Architekten entsetzt und zu einem Ersatz von 100g Dukaten vey- 
urtheilt. Mittlerweile erhoben sich aber zahlreiche Freunde und 
Aretino an der Spitze, welche zu Gunsten des Iiiinstlers schrieben, 
lVlendozza, der Gesandte Carl V. bei der Republik, erwirkte seine 
Freiheit, und zuletzt scheint der Iiiinstler sich gerechtfertiget zu 
haben, da ihm die erwähnte Summe zurückbezahlt, und er Wie- 
der in sein Amt eingesetzt wurde. Er stellte jetzt ein neues Ge- 
wölbe her, welches aber von Zimmerwerk ist. Mit Rohr benagelt 
erhielt es einen Bervurf, der die Decoratitm desselben bildet. Üeber 
die Lösung eines vermeintlichen Problems an diesem Gebäude s_ 
Q. de Ouatremertfs Leben der berühmtesten Architekten, deutsch 
von Heldenmann I. S. 266. oder dessen Dictionnaire d'Architecture, 
Im Jahre 1552 zerstörte eine Feuersbrunst einen grosscxi
        

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