Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sole, G. G. - Surugue, L.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1801789
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1802817
patronin St. Genevieve den König zum Baue einer neuen, prächti- 
geren bewogen hat. Mehrere Architekten legten Plane VOY, ullljil" 
welchen jener Suufflufs vorgezogen wurde. Die Grundform _lSt 
das griechische Kreuz mit vier gleichen Armen, und die vier Schiffe 
sind in der Nlitte durch den Umfang einer grossen Cuppel ver- 
bunden. Unter diese Cuppel sollte der Heliquicnkasten der hl. 
Uenoveta als Mittelpunkt der Verehrung dienen , und der Hoch- 
altar sich im Hintergrunde des Chores erheben, der für die Con- 
gregation de St. Genevieve eine geräumige Stelle bieten musste, 
woraus sich die Anordnung des griechischen Kreuzes erklärt. In- 
dessen muss zugestanden werden, dass der Charakter dieses Ge- 
biindes mehr einem grossen DEEDiliChEII Versammlungshause, als 
einem dem Coitus geweihten Dome entspricht. Abgesehen aber 
von dem Eindruck, welchen ein heiliges Gebäude hervorbringen 
muss, und von den einzelnen Mängelnin der Gonstruktion, so 
zeigt sich bei Betrachtung des Grund- und Aufrisses das Talent 
des Meisters immerhin von einer bewunderungswiirdigext Seite. 
Die Cuppel, in welcher Soußlot selbst die St. Pauluskirche in 
London iiberbot, ist das erste Werk dieser Art, welches man mit 
drei conccntrischen Gewölben von gehaueneo Steinen bis zu dieser 
Höhe zu führen wagte. Das Peristyl in corinthischer Ordnung 
mit 60 F. hohen Säulen bildet eine imposante, und in ihrer Art 
die bedeutendste ltilasse der neueren Zeit. Die Verbindung der 
Säulen durch Architrave aus Gewölbesteinen, die durch Eisen- 
snibe in ihrer horizontalen Lage erhalten werden, waren zur 
Zeit, als das Projekt erfunden wurde, eine gewagteSache. Er fand 
auch wegen der Construction seines Domes heftige Widersprüche, 
namentlich die Anordnung der vier dreieckigen Pfeiler von massi- 
ger Dicke. welche die Stützen der Cuppel bilden sollten, und als 
zu schwach befunden wurden. Soutllot fand in dem Tadel seines 
Werkes die tiefste Kränkung. und bald darauf raubte ihm ein 
Sivchthum das Leben. Er hinterliess das Werk unvollendet. der 
Architekt Rondt-let tiihrte es aber glücklich zu Ende, wie wir im 
Artikel desselben: henachrichtt-t haben. Die Länge des Gebäudes 
beträgt mit Inbegriff des Peristyls 540 Fuss, und eben so hoch ist 
die Cuppel mit der Laterne. Die äussere Breite hat 250 F. lm 
Jahre 1791 wurde die Kirche St. (ienevieve durch Beschluss der 
Nationalversammlung.unter dem Namen Pantheon zum Grabtempel 
der ausgezeichnetsten Männer Frankreichs erklärt, Ludwig XVlll. 
gab aber das Gebäude wieder dem Cultus zurück, bis die Julius- 
revolution wieder ein Panthvon restituirte, und statt der kirchlichen 
Dedicatiun durch die wiederholte Inschrift im Fronlispiz: Aux 
grands hommes la patrie recoxinaissante, den Zweck 
des Gebäudes aussprach. 
Mit dem Plane der St. Genovefexilairche verband Soußlot das 
Projekt eines grosseil Platzes, und die eineHällte desselben erhielt 
bereits vor der Vollendung durch die Erbauung der nach den 
Zeichnungen des Meisters autgeliihrten Rechtsschule ihre Aus- 
führung. douflot verzichtete dabei auf jede Belohnung, der Ver- 
waltungsrath sicherte ihm aber durch einen feierlichen Beschluss 
das Privilegium des unentgeldlichen Besuches der Facultät für alle 
seine Nachkommen zu. Uebcrdiess fertigte er auch einige Zeich- 
nungen zu Privat-Hotels, worunter jenes des Herzogs von Lauzun 
gehört, worin er den Palladio zum Vorbilde nahm. Ein Werk 
von Geschmack und Pracht ist die von ihm erbaute grosse Sakri- 
stei und die Schatzkammer von Notre-Dame. Von weniger ln- 
teresse ist das kleine Wasserschloss an der Ecke der Strassen St.
        

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