Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sole, G. G. - Surugue, L.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1801789
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1806823
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Strongylion. 
Wir kennen bis jetzt von ihm drei Werke: die beiden von 
Pausanias erwähnten, nämlich das Cultusbild der Artemis Soteii-a 
in Megara und die drei Musen am Helikon, und das dritte ist erst 
1840 durch eine in Athen aufgefundene Inschrift bekannt gewor- 
den, das von Pausanias gerühtnte colossale Erzbild des trojani- 
schen Pferdes (öoüpior innor) unweit des Heiligthums der Braurq- 
nischen Artemis, dessen Verfertiger Pausanias nicht angibt. Es 
stand zwischen den Propyläen und dem Parthenon, und wie wir 
aus dem Scholiasten des Aristophanes wissen, errichtete es Chäre. 
demos, Sohn des Evangelos aus lioele. Dieses besagt auch eine 
Inschrift zweier grossen Steinplatten, die man 1840 zur Rechten 
des Weges von den Propyläen nach dem Parthenon aulfand, und 
worüber Professor Boss im liunstblatte 1841 Nachricht gibt. Diese 
Platten sind nach Boss sicher ein Theil des Piedestals des Duriqg 
Hippos, und wir gewinnen aus der zweiten Zeile der Inschrift die 
Kunde, dass Strongylion der Verfertiger jenes Standbildes war 
(Zrpoyyoliwv Enoipasv). Dass dieser Meister in Bildung von Stie- 
ren und Pferden von hoher Vortremichkeit war, weiss auch Pan- 
sanias, nur nennt er kein solches Bild von Strongylion, da ihm 
die Inschrift am Piedestal des trojanischen Pferdes auf der Burg 
entgangen ist. Boss setzt die Errichtung des Denkmals etwa 
Ol. 91. 1., da der Durios Hippos zuerst in den Vögeln des Aristo- 
phanes Ol. Q1. 2:414 v. Ch. erwähnt wird. Die komische Poesie 
liebt es ihrer Natur nach, immer auf die friscliesten Neuigkeiten 
im Gebiete der Politik, Literatur und Kunst anzuspielen, und sg- 
mit hält sich Boss in Üebereinstimmung mit den paliiographischen 
Indizien zu der Annahme bcrechtiget, dass der übrigens unbekannte 
Chäredemos sein trojanisches Pferd kurz vorher, etwa im ersten 
Jahre derselben Olympiade. geweiht hatte. Jedenfalls gewinnen 
wir für die Lebenszeit des Strongylion das Ergebniss, dass er schon 
um Ol. Q1. ein bewährter liünstler war, dem die Ausführung eine; 
Werkes von solchem Umfange und solcher Wichtigkeit übertragen 
werden konnte. Nehmen wir nun an, dass die Errichtung des 
Durios Hippos etwa in die Mitte seiner künstlerischen Laufbahn 
falle, und dass diese auch nur einen Zeitraum von 110lympiaden 
öder 44 Jahren umfasst habe, so kann er auf der einen Seite schon 
um Ol. 86, also noch unter Phidias thätig gewesen seyn, und auf 
der anderen Seite sehr wohl bis zu den Zeiten des älteren Iiephi- 
sodotos, bis Ol. 97, seine Kunst fortgeübt haben. 
Ausserdem nennt Plinius von Strangylion, ohne Zeitangabe, 
zwei andere berühmte Werke: eine Amazone, die von der Schön. 
heit ihrer Beine den Beinamen Eiinvnpor hatte, und die dem Nero 
so wohl gefiel, dass er sie auf Reisen mit sich heruinzuführen 
pflegte, und dann den berühmten Knaben, in welchen Brutus sich 
so verliebt hatte, dass er von den späteren Römern nur unter dem 
Namen nBruti puer-n gefeiert wurde. Bei Gelegenheit der Ama- 
zone erinnert Boss an jene Ueberlieferung bei Plinius (54. i?) von 
einem Wettstreit des Phidias und anderer namhafter Künst er sei- 
nes Zeitalters in der schönsten Amazonenbildung, eine Ueberlie- 
ferung, die man vielleicht zu schnell in das Reich der sogenannten 
liünstlcranekdoten gesetzt hat. Nach Ijoss könnte jener ganz un- 
bekannte liydon, der den vierten Preis erhielt (quarta Cydonis), 
dem Strongylion Platz machen müssen, der mit seinem Bilde der 
Artemis Soteira bis in die letzte Lebenszeit des Phidias hinauf- 
reichen kann, so dass es bei Plinius vvQuarta Slrongylionisav hcissen 
müsste. Plinius scheint selbst von Bewerbern ungleichen Alters 
liunde gehabt zu haben, worauf der Beisatz deutet: Quamquam 
diversis actatibus gcniti.
        

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