Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sole, G. G. - Surugue, L.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1801789
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1806465
456. 
Slrnngt! , 
Robert. 
meinc- Geltung verschalTt hatte. Dann hat Srrange ausser den 
eigenen Vcrdivusten auch das, andere Talente geweckt, und ihnen 
Bahn gebrochen zu haben. Sherwin und die Healhs hätten ohm, 
ihn vielleicht gegen die wuchernden Manieren Sharlfs und Barm- 
lozzPs nicht aufkommen können. lm Jahre 1792 (nicht 1795) starb 
dieser Künstler. 
Kein anderer Stecher hat Gemälde von saftiger Farbe und 
starhem Impasto besser dargestellt als Strange. Niemand verstand 
besser die Purosität und Weichheit des Fleisches mit leichtere;- 
Mübe und ohne sklavische BegelmässiglI-eit auszudrücken. als eh 
Desswegen konnte von dieser Seite lteiner den Titian besser über- 
tragen. und die Stiche nach demselben sind als unschätzbare M"- 
ster zu betrachten. Die Vorarbeit ging nach J. Longhi (die Iiu- 
Pferstecherhunst, übersetzt von C. Barth, S. 168) ziemlich Weit 
llll lladiren und Aetzen, indem er die erste 'I':iille in den Fleisch- 
parthien abgesetzt bis zum Licht lortführte, dann mit dt-m Grab. 
stichel und der Schneidnadel vermalte, abwechselnd mit verschie- 
denen dazwischen gesetzten kurzen Linien und einigen länglicht-n 
und runden Punkten, was vicl beitrug, in den Lichtparthien die 
natürliche Porosität der Haut, mittelst der sehr angemessenen Hör. 
nung hervorzubringen. Diese Körnung. welche sich übrigens auch 
bis in die Schattenparthien ausdehnte, mochte anfänglich nicht schl- 
günstig scheinen, um die Durchsichtigheit der Lichtreflexe anzu. 
deuten. aber wenn die zwei ersten Strichlagen richtig diagonal ge. 
hreuzt und dns Ganze lieblich mit kleinen etwas zarten Linien 
gelüllt und Wieder mit einer dritten, gleichfalls zarten Slflßlllage 
überdeckt wurde, dann zeigte sich der dadurch bewirkte Ton im- 
mer schön und durchsichtig. Auch in den Haarmasscn, die er zu 
ätzen pflegte, führte er zuerst eine gemischte Behandlung vun bald 
stärkeren, bald subtileren Linien, jetzt enggeschlossen. dann etwas 
entfernter von einander, von angenehmer Bewegung und Abwechs- 
lung ein. Von dieser Seite empfiehlt ihn Longhi den jungen Iiib 
pferstechern zur verständigen Nachahmung, er kann aber nicht 
dasselbe von seinen Gewändern sagen, welche oft so gemacht sind, 
als 0b sie aus verschiedenen Stücken bestanden, den Gesetzen der 
liupterstecherei zuwider, den Tun an einem und demselben T11. 
ehe, alle Augenblicke verändernd. Auch ist Longhi nicht mit sei- 
ner Art, die Lüfte zu behandeln einverstanden, die gewöhnlich 
rauh und schwerfallig sind. Die Zeichnung kann er ebenfalls nicht 
rühmen, behauptet im Gegentheile, Strenge habe die bessten Werke 
italienischer Meister entstellt und verschwächt, während (lieseg 
Künstler einen so grossen Ruf als Zeichner in Anspruch nahm, 
dass er nicht anders als nach seinen eigenen, mit lireide von ver- 
schiedenen Farben vertcrtigten Copicn stechen wollte. Ohne die- 
sen unverzeihlichen Fehler würde nach Longhfs Meinung Slrange 
vielleicht der erste Stecher für historische Gegenstände gewesen 
seyn, weil er ausser den ihm gebührenden Vorzügen in den sehr 
wichtigen Theil der Fleischgebung eine gewisse Mittelstrasse hielt 
zwischen derßauhigkeit und Ungleichheit der Schnitte des Audi-an. 
und Edelinläs glatter Gleichentternung, was sowohl für das Pßp- 
trait. als für Cumpusitiunen im breiten und grussen Styl ange- 
messener ist. 
Das erste Meisterwerk des Künstlers in technischer Hinsicht 
ist die liegende Venus navh Titiaxfs berühmlem Bilde in der flo. 
rentinischen Gallerae, wumit der Stecher die scliwierigsle Aufgnbg 
gelöst hat. Dieses Blatt gibt in seiner meisterhaltenßuxiduug de; 
Formen allen Reiz des Bildes, und lässt fast das Blut durchachim.
        

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