Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sole, G. G. - Surugue, L.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1801789
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1805015
Jacques. 
Stella , 
ei- auch eine grosse Anzahl von Zeichnungen aus, darunter solche 
tur ein Brevier, welches Urban VIII. hcrausgab, und es mit Sti- 
chen von Audran und Greuther zierte. Auch mehrere kleine Ge- 
melde führte der Künstler aus. welche in die Hände der Cilrdinäle 
und anderer Grossen kamen. Einige malte er auf Probirstein. Stella 
erwarb sich in Rom nicht allein den Ruhm eines tüchtigen Ma- 
lers, sondern auch den eines nnbescholtenen und zuverlässigen 
Mannes. Desswegen wurde er zum Vorsteher des Distriktes er- 
nannt, in welchem ervwohnte, und bekam die Schlüssel eines Tho- 
res der Stadt, um solches zu einer bestimmten Stunde des Abends 
zu schliessen. Allein dieses Amt brachte ihn in eine unangenehme 
Lage. Er verweigerte einigen Personen zur Unzeit den Einlass, 
und diese beschuldigten ihn dafür des heimlichen Umganges mit 
einer Frau aus einem ansehnlichen Hause. Der Künstler wurde 
sofort ins Gefängniss geworfen, in welchem er sich die Langeweile 
und die Sorge damit vertrieb, dass er mit Kohle eine Madonna 
mit dem Kinde an die Wand zeichnete. Dieses Bild wurde so 
schön befunden, dass der Cardinal Barberini dasselbe in Augen- 
schein nahm. In der Folge unterhielten die Gefangenen in diesem 
Gefängnisse vor dem Bilde eine brennende Lampe, und verrichte- 
ten da ihre Andacht. Die Unschuld des Künstlers entdeckte sich 
bald, und seine Angeber und "falschen Zeugen wurden öffentlich 
ausgepeitscht. 
Bald darauf (1654) kehrte Stella mit dem Marquis de Crocqui 
nach Paris zurück, wo er dem Cardinal Richelieu und dann dem 
Könige vorgestellt wurde, der ihn mit einem Gchalte von 1000 Fr- 
zum Hofmaler ernannte. In dieser Eigenschaft war er der erste, 
welcher Ludwig XIV. noch als Dauphin malte. Auch für das Ca- 
binet der Königin und für ihre Capelle im Palais royal führte er 
einige Bilder aus. Andere Werke-dieses Meisters sah man in den 
Tuilerien, im Noviziate der Jesuiten, bei den Carmelitern der St. 
Jall-obsvorstadt u. s. w. ln der Gallerie des Musce royal sind von 
ihm zwei Bilder: Christus, wie er der Magdalena erscheint, und 
Minerva von den Musen umgeben. Zur Zeit Napoleon's sah man 
im Museum zu Paris auch eine Vermählung der heil. Jungfrau, die 
Aufnahme der heil. Jungfrau in den Himmel und Clelia's Flucht 
aus dem Lager, alle drei in Landon's Annales VI. Vlll. XII. im 
Umrisse gestochen. In deutschen Gallerien kommen selten Bilder 
von ihm vor. ln der Esterhazfschen Sammlung zu Wien ist eine 
Vermählung Maria mit mehr als 50 Figuren von lebendiger An- 
ordnung, ein liebliches Bild von grosser Frische und Wärme 
der Färbung, 5 F. hoch und 4 F. 4 Z. breit. Von fast gleicher 
Grösse ist auch das oben erwähnte Gemälde, welche: zur Kaiser- 
zeit im Central-Museum zu Paris war. In der Gallerie des Bel- 
vedere ist das Brusthild eines Mannes mit Schnurbart, 1 F. 6 Z. 
hoch. In der ehemaligen Gallerie zu Salzdahlen wurde ihm ein 
Bild der Leda mit dem Schwane zugeschrieben, 5 F. 1 Z. hoch. 
und [l F. 4 Z. breit. In den Winterabenden beschäftigte er sich 
mit Folgen von Zeichnungen. So stellte er das Leben der Maria 
in 22 Blättern, und auf 50 Blättern Hinderspiele dar. In 16 klei- 
nen Bildern schilderte er ländliche Belustigungen und die Künste, 
und sein letzterer Cyclus stellt in 50 kleinen Bildern die Leidens- 
geschichte dar. Im Jahre 1645 erhielt der Künstler den Orden 
des heil. Michael und 1057 wurde er in der Kirche St. Germain- 
l'Au rois begraben. 
Yhub Stella ist ein sehr eleganter, aber etwas kalter Nachah-
        

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