Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sole, G. G. - Surugue, L.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1801789
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1803839
Squareione, 
F rancesco. 
193 
machte frühe grosse Beisen durch Italien und Griechenland, wo 
er nicht nur vieles nach antiken Kunstwerken zeichnete, Suftlldefn 
auch anze VVei-ke und Fra menle antiker Kunst, oder in A güs- 
iien siiih verschalfte. In (liegHellIlßlli zurückgekehrt stellte er diese 
Sammlungen zum Behufe einer Schule auf, die er eröffnete, und 
wui-in er weniger durch eigene Arbeiten, als durch liebevollen 
Unterricht und Hinweisung auf die schönen Muster antiker Kunst 
viele, nach Bidolli 157 Schüler, bildete. Er stellte die Antike als 
höchstes Muster auf und lehrte, es sei thöricht, das Schöne mit 
eigenen Augen in der Natur zu suchen, mit eigenen Iiräften ilir 
abgewinnen zu wollen. da die grossen Alten schon l-ingst aus dem 
Schut und Grnus der Natur das Gediegenste aufgesammelt. sich des 
Darslellenswerthen bemiichtigct, und uns dasselbe wie geläutcrmii 
Gold in ihren Werken zur Nachbildung vor Augen gestellt hätten. 
Später tadelte er aber witlersiunig seine eigene Lehre und forderte 
plötzlich Natürlichkeit und VVirklichkeit, woher es wohl kommt. 
dass die von ihm erweckte Nachahmung antiker Formen sich oft 
in missvcrstandener Härte zeigt. lntlessen niuss man doch aner- 
kennen, dass diese Piichtung gerade in der Niihe der vcnetiani- 
sehen Meister von grosser Bedeutung war, wie sich an Mantegua 
deutlich zeigt, durch den er die grösste Schule der Lombardei. 
wie durch Marco Znppu die bolugncsisclie Schule ins Leben treten 
liegg. Vasari fand den Standpunkt nicht, von welchem aus dieser. 
nach seiner Behauptung nicht allervurziiglicliste liiinstler lieurtheilt 
werden muss, und bis in die neueste Zeit blieb vuii der Wadonnri 
des Squarcione bis zu den lireslieii und Tafeln des _Mantcgnn 
eine Lücke, die uns niithigte, in diesem letzteren den eigentlichen 
Stifter der Paduaner Schule zu erkennen, nicht in Squarcinne. 
Eine andere Anschauung der grossen Tendenz Ader Paduaner Schule 
gewannen wir neuerlich durch einen Band mit Zeichnungen von 
der Hand des Jacobo Bellino, des weniger bekannten Vaters von 
Gio. und Gentile Bellini, der lange uubenutztflalag, und jetzt 
durch Sig. Mantovani in Venedig der [iunstgeschichte geiilfnet ist. 
P, E. Selvatico gab bei dieser Gelegenheit _185g zu lfadua _cin 
eigenes Werk heraus: svIl pittore F. Squarcione, Studii storico- 
Grimm Con. 2 tiivm Durch dieZeichnungen l) des Jacupo Bellini, 
die dieser nach der beglaubigtenlnsclirift: De man 0 de izicobu 
bellino veneto 1-150 in venetia, bis gegen M50 fertigte, 
wird es nun klar. dass alles, was Mantegna leistete, nichts anderes 
enthält, als die zur Bliithe getriebenen lieime der Paduaner Schule 
 Keime, die Squurciune legte. die nebcii ihrri xton Jacopu Belllni 
ggpllegll, und durch beide dem Mantegna uberliclcrt wurden, unter 
dessen Händen sie dann wunderbare Früchte trieben. _Auch im 
Iiunstblatte 1840 Nro. 25. wird das kunstliebende Publikum auf 
diesen Schatz aiifiiierlssain gemacht, und der Berichtgeber glaubt 
sogar, Mantegna habe dieses Buch gekannt und studirt, da vieles 
in diesen Zeichnungen einen gar zu nahen Zusammenhang niit 
den Fresken und anderen Werken des lVIantegnn verräth. Ob HI- 
dessen Hellini ein Schüler des Squarcione gewesen, oder vielmehr 
der Gehülfe desselben. ist nur rnuthinasslich zu bestimmen; gewiss 
aber ist, dass Mantegna dem _Squarcio_ne durch heilige. Bande an- 
gehörte. Er nennt sich Sohn dieses Meisters, und nach ihm nannte 
man ihn Squarsono. Auch Bellini. kann ihm direkt nutzlich gü- 
 
4') Zur Zeit, als wir den Artikel über Mantegna gearbeitet, 
waren diese Zeichnungen erst hervorgezogen, und daher ist 
nichts davon erwähnt. 
Naglefs Künstler - Lex. Bd. X V II. 13
        

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