Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1801699
Solario, 
Antonio 
567 
In den Stndj zu Neapel sieht man eine lehensgrosße Madonna 
auf dem Throne von mehreren Heiligen umgeben. Die Madonna 
ist das Bildniss der Tochter des Colantonio del Fiore, und hinter 
dem hl. Aspremus, dem jungen, ersten Bischof von Neapel, hat 
der Künstler sein eigenes Portrait angebracht. ln diesem Bilde 
ist der liünstler ins Breite und Grossartige gegangen, und es trägt 
im Enzelnen weniger das Gepräge der niederländischen Schule. 
Es war ehedem am Hauptaltare von St. Pietro ad Aram. Ein an- 
deres Bild dieser Gallerie stellt den hl. Michael vor, wie er den 
Drachen tödtet, angeblich von Zingaro gemalt, wenn nicht eher 
von Papa. 
Domenici behauptet auch, dass sich in Privathäusern zu Neapel 
eine Menge Madonnenbilder von Zingaro befunden haben; allein 
diese Gemälde sind fast alle verschwunden, wenn sie je Arbeiten 
dieses Meisters waren, da die Zahl seiner Gemälde zu gross ist, 
als dass er auch noch so viele StalTeleibilder hätte ausführen kön- 
nen. Ein solches Madonnenbild galt im Hause des Herzogs della 
'Iorre fürzingards Werk, worin aber andere die Arbeit des Matteo 
da Siena erkannten. Der Prinz Rocca Perdilumo besass zu Fio- 
rillo's Zeit eine Madonna mit dem Kinde in einer Glorie von 
kleinen Engeln, welche Solario zugeschrieben wurde. Der Abbate 
Celotti aus Venedig erwarb in neuerer Zeit ein allerliebstes Ma- 
donnenbildchen, welches, wie oben gesagt mit wAntonius da Solario 
Üenetus fm bezeichnet ist. Maria hält das Iiind vor sich, welchen 
an einem Faden den Vogel auf der Bank umherlaufen lässt, niih- 
rend der kleine Johannes ihm einen gefangenen Schmetterling 
hinhält. Dieses Bild, welches nach dem Norden wanderte, ist voll 
Grazie und Anmuth; eine rührende Kindlichkeit und Frömmigkeit 
ist über die ganze Gruppe ausgegossen. Der Ton ist kräftig, das 
Colorit harmonisch, die Ausführung in den Fleischpartien zart, 
wenn auch in der Zeichnung der Extremitäten vielleicht minder 
sicher und gelungen. Auf einem an die Bank angehefteten Blatte 
ist obige Inschrift. Es ist durch einen liupfcrstich bekannt. 
Dann behauptet Domenici auch, dass Zingaro geistliche und 
weltliche Bücher mit Miniaturgemiilden geziert, und viele seiner 
gcistreichen Gedanken in Zeichnungen dargelegt habe. Er nennt 
einen Codex des Tragikers Seneca, den Antonio mit Bildern ver- 
zierte, und zwei Bibeln, ebenfalls mit Miniaturen von seiner Hand. 
Der Seneca war in der Valettanischen Bibliothek, aus welcher er 
in jene der Hieronymitaner in Neapel iiberging. Die eine Bibel 
war in der Vaticana zu Rom, und kam als Geschenk des Pabstes 
an den Carzlinal Oliviero Carada. Die andere besass der Cardinal 
Annibale da Capua. Eine von beiden, oder eine dritte besass 1780 
Cav. Pesaro, Gesandter am spanischen Hofe. Die Bibliothek Pesaroä 
kam 1801 nach London. Ob indessen alle diese Miniaturen -v0n 
Zingaro herrühren, bleibt dahin gestellt, da sie anderwärts nicht 
erwähnt werden.  
In einem Verzeichnisse der Gall.erie zu Florenz von 1618 P. 
32 wird ein todter Christus in den Armen derJiinger dem Zingaro 
zugeschrieben. ein Gemälde von grusser Schönheit, worüber aber 
die Meinungen getheilt waren. Auch Domßllißi erwähnt eines 
solchen Bildes , wahrscheinlich jenes, welches später der neapoli- 
tanische Prinz von Bocca Perdilumo besass. 
In der k. Pinakothek zu München ist von ihm ein 5' 4" 2'" 
hohes Bild des heil. Ambrosius im bischöflichen Ornate, ganze 
stehende Figur, mit Landschaft im Hintergrunde. Ein zweites Ge- 
mäldmdieser Gallerie, fast eben so hoch, stellt das ßildniss des hl.
        

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