Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1801675
Solario , 
Antonio 
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pel etwas von seinen Eisenarbeiten gesehen, als er ihn in sein 
Haus nahm, um einige derselben in bessere Form zu bringen und 
neue zu verfertigen. 
Während er im Hause des Malers Colantonio hämmerte und 
glättete, entgliihte sein Herz für dessen schöne Tochter, und er. 
füllte es mit dem festen Vorsatze, das Handwerk mit der Kunst 
zn vertauschen, denn Colantonio hatte ihm die Tochter zur Frau 
versprochen, wenn der sieben und zwanzigjährige Jüngling nach 
zehn Jahren ein tüchtiger Maler geworden wäre. Solario jubelte, als 
ob zehn Jahre ein Tag wären und verlicss Neapel in aller Eile; 
denn er wollte die Kunst weit von Colantonio erlernen. Er ging 
zuerst nach Rom, fand aber keinen Meister nach seinem Wunsche. 
Hier hörte er aber sehr vortheilhaft von Lippo Dalmasio sprechen. 
Er ging zu ihm nach Bologna und ward in seine Schule aufge- 
nommen. Jetzt versagte er sich jede Musse, jedes Vergnügen, 
zeichnete Tag und Nacht und bald zeigte sich, dass ihn die Natur 
zum Maler bestimmt hatte. Besonders beschäftigte er sich mit 
Madonnen, die sein Lehrer mit so grosser Reinheit und Schön- 
heit darstellte. 
Nachdem er sechs oder sieben Jahre lang bei Lippo gelernt 
hatte, trieb ihn sein Ehrgeiz, Italien zu bereisen, um die andern 
berühmten Maler kennen zu lernen. Nach dem Berichte des Do- 
menici wirkte er in den drei Jahren, die von den zehn bedunge- 
nen fehlten, gleichsam Wunder. Nachdem er in Venedig bei Vi- 
varini, in Florenz bei Bicci, in Ferrara bei Galasso, in Rom bei 
Pisanello und Gentile da Fabriano in der Schule gewesen, kehrte 
er endlich zurück nch Neapel, liess sich der Königin Johann: 
vorstellen und bot ihr eines seiner Gemälde, eine Madonna mit 
dem ltiinde von Engeln gekrönt, als Geschenk an. Die Fürstin 
erkannte ihn nicht wieder, er aber warf sich ihr freudig zu Füssen, 
und gab sich als den Zigeuner zu erkennen, der vor zehn Jahren 
an ihrem Hofe als Schmied gearbeitet hatte, und der die Tochter 
des Culantnnio nicht zur Frau erhielte, wenn erihn nicht in der Kunst 
erreicht hätte. Die Königin erstaunte und wollte zu ihrer Ueber- 
zeugung selbst von ihm gemalt werden. Das Bild gelang vortreff- 
lich. Nun liess die Königin den Colantonio rufen, der noch von 
nichts wusste, um sein Urtheil über dieMadonna und ihr Bildnis: 
zu sagen. Er erhob beide Bilder bis an den Himmel, und säumte 
nach gelöstem Rüthsel nicht, die Tochter dem glücklichen Maler 
zu geben. 
Als Solario's Kunstfähigkeit und seine seltsame Geschichte be- 
kannt wurde, wetteiferte man von allen Seiten, Gemälde von ihm 
zu haben. Er ward Hofmaler und malte viel liir die Königin. 
Vorzüglich suchte man seine Madonnen, welche man leider nicht 
mehr findet. Zingaro starb zu Neapel 1455. x 
Antonio de Solario ist ein würdiger Vorläufer jener grosseu 
Meister, die das 16. Jahrhundert durch ihre unsterblichen VVerke 
verherrlichten. Er ist liir Neapel wichtiger, als Cßlaßlßlllß dßl 
Fiore, welcher, unter tlandrischern Einfluss stehend, als delr erste 
vorzügliche Meister jener Schule zu betrachten ist, und 1444 starb. 
Zingards Werke tragen mehr das Gepräge der zweiten Hälfte de! 
15. Jahrhunderts. Sie halten zum Theil eine eigenthümliche Mitte 
zwischen der Schule Vuu Umbrien und der des oberen Deutsch- 
lands. In dem Ausdrucke einer siissen, holrlseligen Milde sind sie 
ungemein anziehend. liugler (Handbuch S-ÖBÖ) melfll, diese llFe 
Eigenthiimlichkeit deute auf ein verwandtschaftlichen Verhältnis: 
zur altspanischen Kunst, welche mit solcher Richtung überein-
        

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