Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1800849
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Slingeneyer. 
Ernest. 
Sloane, 
Michel. 
Shngeneyer, Ernest, Maler von Antwerpen, eines der bedeuten- 
sten Talente der neuen belgischen Schule, begann seine Stu- 
dien auf der Akademie der genannten Stadt, und schon seine frühe- 
sten Arbeiten trugen das Gepräge ungewöhnlicher Meisterschaft. 
Es sind diess landschaftliche Ansichten und Seestücke, öfters mit 
mächtigen Schillsformen, so wie auch bei keinem seiner Bilder 
eine bedeutsame Stalfage von Figuren fehlt. Von den Bildern, 
welche zuerst in weiterem Kreise seinen Ruf gründeten, nennen 
wir vornehmlich das Bild des holländischen Admirals Classens, wie 
er, auf dem Punkte den Feinden in die Hände zu fallen, mit bi-en. 
nender Pechfackel in die Pulirerkainmer eilt, um sich mit dem 
Schiffe in die Luft zu sprengen. Dieses mit Wärme und Wahr- 
heit ausgeführte Gemälde kaufte 1844 der Iiönig von Belgien. Eben 
so grosses Talent beurkunden auch zwei andere Bilder aus jener 
Zeit, in welchen sich seine Phantasie zur neuromantischen fran- 
zösischen Grässliehkeit neigt. Das eine stellt die Siichsin Ulricke 
dar, wie sie im Schlosse des an das Bett gefesselten lleginald Feuer 
anlegt, um an seiner Todesquall sich zu weiden. Das zweite Bild 
ist aus W. Scott's lvanhoe entnommen, und zeigt die liiinigin 
Herche, welche halb nackt in der Brautnacht ihrem Gemahl Attila 
die Kehle zu durchstossen im Begrilfe ist. Diese beiden Gemälde 
sind, abgesehen von dem schauerlichen der Handlung, das Werk 
eines ausgezeichnetenTalentes, und viele werden sie unbedingt als 
Erzeugnisse einer grussen künstlerischen Kraft bewundern. Ein 
anderes Bild von wild drastischem Leben und von lurchtbarex-Wahr- 
heit der Darstellung ist der Untergang eines frauzösischeil liriegs- 
schilfes der Republik, dessen letzte Mannschaft mit dem Rufe: 
Vive la libertö! ins Meer versinkt. Die Figuren sind überlebens- 
gross. 
Im Jahre 1845 malte er den heroischen Tod des Schilfshaupt- 
manns Jan Jacobsen bei der Belagerung von Ostende 1522. Der 
Hauptmann ist in dem Momente dargestellt, wie er nach vergeb- 
lichem Kampfe gegen mehrere feindliche Schiffe mit der Lunte in 
der Hand in die Pulverkammer hinabsteigt, um sich und die ge- 
ringen Reste seiner Mannschaft in die Luft zu sprengen. Dieses 
Werk ist ein neuer Beweis der grossen technischen Nleisterschaft 
des Künstlers, und von seinem gewaltigen Streben nach einem 
hohen Ziele, welches aber noch nicht vollkommen erreicht ist. In 
der Allgem. Zeitung von 1845 Beilage Nro. 295 erlaubt sich daher 
die Critik einige Bemerkungen, besonders in Hinsicht der genauen 
Beziehung des Theiles zum Ganzen, und der ergreifenden Verge- 
genwärtigung des grossartig furchtbaren Augenblicks. In diesen 
Punkten lässt das Bild zu wünschen übrig und, was bei einem 
belgischen Künstler besonders als Mangel auffällt, das Bild soll 
auch keine Einheit der Haltung in Hinsicht des Helldunkels und 
des Colorites haben. Ein falschesStreben nach vereinzelten Licht- 
und Schatteneffekten soll über das Ganze etwas Schillerndes und 
Unstetes werfen, das dem Auge wehe thue. Dennoch erregte die- 
ses Gemälde auf der Brüsseler Iiunstausstellung 1845 ausserordent- 
nähen Beifall, und wenn je eine bescheidene Stimme sich erhob, 
so rief man entgegen: Ubi plurima nitent paucis nun offendar ma- 
culis. Der König von Belgien kaufte das Bild für seine Samm- 
lung. 
8103116) Miühßl, Kupferstecher zu London. ist uns nach seinen Le'- 
bensverhältnissen unbekannt. Er war Schüler von F. Bartolozzl, 
in dessen Weise er arbeitete, d. h. in der damals beliebten Punk"
        

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