Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1800630
Sirani , 
Elisabeth. 
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kleinen historischen Staffeleibilder wurden sehr hoch geachtet, so 
ein Loth im Hause Malvezzi zu Bologna, und St. Irciie mit St. 
Sebastian im Palast Altieri zu Rom. Dann malte Sirani auch 
Bildnisse. Besonders schön nennt Lanzi ihr eigenes, damals im 
Besitze des llathes Pagave zu Mailand. Sie erscheint von einem 
Lieliesgott gekrönt. 
Auch in auswärtigen Gallericn findet man etliche Werke von 
dieser Künstlerin. In der Pinakothek zu lNliinchen ist der Genius 
der Vergänglichkeit, ganze stehende Figur. In der Gallerie des 
Belvedere zu Wien ist eiii Gemälde der lVIartha , wie sie ihre am 
Putztisclie sitzende Schwester der Eitelkeit Wegen anklagt. Das 
Museum zu Paris bewahrte zurZeitNapoleoNs einen auf dem Bette 
ruhenden, ldeinen Liebesgott, ein liebliches Bild, welches Landon 
Annales IV. 17 im Umrisse gibt. Dieses Gemälde ist nicht mehr 
in Louvre. Dann finden sich auch Zeichnungen von ihrer Hand, 
meist a la Sanguine und gctuscht. 
Elisabeth: Sirani hat während ihres kurzen Lebens viel ge- 
leistet. Sie starb an Gift 1005, in einem Alter von 27 Jahren. 
Malvasia ll. 462 (T. beschreibt mit rührenden Worten das Leben 
dieser durch Schönheit und Seelenreinheit ausgezeichneten Künst- 
lerin, die nach liaum zehnjiihrigeni Wirken wahrscheinlich ein 
Opfer des fluchwiirdigsten Iiunstneides wurde, kaum entfaltet zur 
vollbliihenden Rose, um deren Verlust ganz Bologna trauerte. 
Malvasia erzählt von ihrer Liebenswürdigkeit und von ihren Tu- 
genden des stillen Lebens. Sie pflegte mit unendlicher Liebe 
ihren durch die Gicht gelähmten Vater, und was sie mit derliunst 
gewann tlieilte sie mit den Eltern und den Schwestern. Selbst die 
Geschenke, welche sie von hohen Beförderern der Kunst als Preis 
ihres Talentes erhielt, gab sie dem Vater, dass er sie zu seiner 
Erheiterung verwende. Und wenn sie die längste Zeit des Tages an 
ihren grössercn Gemälden gearbeitet hatte, so malte sie noch heim- 
lich kleine Bilder auf IiuPler, um damit bei häuslichen Vorfällen 
der Mutter eine Freude und Unterstützung zu verschaffen. Be- 
scheidenheit und Anspruchlosigkeit war die zweite schöne Blume 
im Kranze häuslicher Tugenden. Von der Natur mit Schönheit 
begabt, mit dem reichsten 'I'alente fiirdVlalerei und Saitenspiel aus- 
gestattet, ein Wesen von edelstem Getubl und YOD feinster Bildung 
blieb sie still im Kreise der ilirigen, und schien nicht zu wissen, 
wie ausgezeichnet sie vor vielen sei. Ihr Leben war ihrer Kunst 
und ihrer Familie geweiht, jedes andere Vergnugen war ihr fremd. 
Nur den Liedern der Dichter hörte sie zu, von denen besonders 
Bianchini ihr in treuer Freundschaft zugethan war, und maqcbes 
ihrer Werke besang. Dann trug sie auch hohe Ehrfurcht für das 
Heilige in ihrer Brust, und daher athmen, ihre religiösen Bilder tiefe 
Frömmigkeit. Sie hannte keine andere Liebe als die zu Gott und 
den Ihrigen. Das liebliche Bild des Amor war nur der Gegenstand 
ihres anmutliigen Spieles, die Gewalt der sinnlichen Liebe liannie 
ihre reine Seele nicht. Ihre Gebeine ruhen in S.Domenico neben 
jenen des Guido Pieni, den sie als Iiind lieben und verehren ge- 
lernt, und der ihr Vorbild bis zum Tode blieb. In der Capelle 
Guidotti ßliest man mit Rührung die von Picinardi verfertigte lateini. 
sehe Grabscbrift. Malvasia hat auch eine eigens gedruckte Lei- 
chenrede aufgenommen: Il penello lagrimatß, orazione funebre del 
Sig. G. Luigi Picinardi con algune pocsie in morte della Signora 
Elisabetta Sirani. Bologna 1665,  
Das oben erwähnte Bild des hl. Anton von Padua hat G. M. 
Mitelli für die Sammlung: Bononieiisiuiu Pictoruin Icones, gern).
        

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