Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1799641
Amalia Elisabeth von Hessen zum Pagen des jungen Prinzen YVil- 
heim, und von 165g - 1641 bekleidete" er diejStelle] eines Cam- 
merjunkers. In diese Zeit fällt die Erfindung der Schabkunst, auf 
welche er in Folge seiner liunstiibilngen gekommen seyn muss, 
aber ohne sie in Cassel bekannt zu machen. Als Portraitzeichner 
hatte er damals schon grosse Uebung, was das Portrait der ge- 
nannten Landgrüfin beweiset, welche er nach dem Leben zeichnete, 
oder malte, indem man auf dem Bildnisse wvAd vivum a se primum 
debictam--- dedicat consecratae liest. Auch mit der Behandlung 
auf Kupfer muss Siegen schon in Cassel vertraut geworden seyn, 
denn der Mezzutinto-Stich des genannten Portraites war bereits 
im August 1612 vollendet, und somit auch die neue Erfindung ge- 
sichert. Cassel verliess Siegen im Jahre 1641, wahrscheinlich sei- 
nes Dienstes als Cammerjuxilter ledig. Er liess sich in Amsterdam 
nieder, jetzt als Privatmann, da er nic in hessischen Kriegsdien- 
sten stand, überhaupt erst nach dem dreissigjiihrigenIKriege unter 
Wolfenbiittels Fahne trat. Die Schriftsteller, welche ersteres be- 
haupten, sind im Irrthume. L. v. Siegen scheint einige Jahre in 
Holland in erwiinschter Unabhängigkeit gelebt zu haben, und wäh- 
rend dieser Zeit fiihrte er mehrere Platten aus, welche die sorg- 
fiiltigste Pflege der neuen Kunst zu erkennen geben. Nach dem 
allgemeinen Friedenschlusse nahm er endlich WoltenbütteVsche 
Dienste, und gelangte nach und nach zur Charge eines Oberst- 
VVachtmeisters. Um 1654 begab er sich in Erbschaftsangelegenhei- 
ten nach Holland, hielfsich aber vorher noch einige Zeit in Ciiln 
auf, um seine Ansprüche auf das Gut Seehtcn zu begründen. ln 
diese Zeit (1651) fiillt auch die klerausgahc seines Blattes mit St. 
Bruno. Welches bereits bedeutende Fortschritte kund gibt und in 
historischer Hinsicht von Wichtigkeit ist. Von Cöln aus begab er 
sich nach Brüssel, wo sich seineAngelegexiheiten ordneten, und wo 
er jetzt den Prinzen Rupert kennen lernte, dessen Rang und aus- 
gezeichnete Gaben den Schlüssel zu Siegeds Geheimniss fanden. 
Der Prinz gewann hohes Interesse an dieser liunst, fand-aber bald 
die Illlanipulation zu miihvoll, und sah sich tlesswegen um einen 
Gehiilfen um. Diesen fand er in der Person des Malers W. Vail- 
laut, dem er das Geheimniss des L. v. Siegen mittheiltc, der es 
so gut zu benutzen wusste, dass von nun an die Schabhunst grosse 
Aufmerksamkeit erregte, und die sie lange in Anspruch nahm, bis 
endlich die Welt mit dem schlechtesten Machwerke überschwemmt 
wurde, so dass zuletzt diese Kunst in gänzliche Missachtung ge- 
rieth, welche sie nicht verdient. Erst in neuester Zeit richtete man 
wieder das Augenmerk auf die alten Erzeugnisse der Schabmanicr, 
die in jeder Hinsicht viel Schönes und Interessantes gewähren. 
Das Geheimniss der Schwarzhunst hätte im 'Bcsitze der drei 
genannten Männer bleiben sollen; allein bald besassen es auch 
andere. Der vierte in der Reihe ist der Domherr Fürstenberg in 
Mainz, der diese Kunst mit Geschick übte, und selbe auch seinen 
Schülern Bremer und Joh. Friedrich von Eltz mittheilte. Zu glei- 
cher 'l.eit trat in Brüssel Leonart auf, und zu Frankfurt der Maler 
Thomas, welcher später in Wien den Gerhard Dooms damit be- 
kannt machte. Siegen scheint mit dieser Publikation nicht sehr zu- 
frieden gewesen zu seyll, indem er die Ehre der Erfindung ödent- 
lich zu bewahren suchte. In der Unterschrift seiner heil. Familie 
nach Hannihal Carracci nennt er sich daher vHujus sculpturac 
modi primus inventomt So wie in Deutschland, so verbreitete 
sich auch in England die neue Kunst, deren Verfahren Prinz Ru- 
Prrt zuerst dem John Evclyn mitgctheilt hatte. Christ. Wrcn, 
"William Shcrtvin, Luttrcl, Francis Flace verbreiteten sie weiter, 

        

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