Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1799290
Sharp ,V 
NVilliam . 
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sind. Dennoch fiillt unserm Künstler die Palme zu, da bei Äiild- 
nißßen das höchste Verdienst in der Wahrheit und dem Ausdruck 
der Physiognomie besteht. Ueberhaupt entfaltet dieser Künstler in 
fastnallen seinen Werken grussc Iienntniss des Helldunkels, tiefes 
Gefuhl fiir den Ausdruck und die Farbe, Kühnheit in einem son- 
derbaren Strich, und was nach Longhi mehr ist, nachdem ihm so 
viele Meister vorangingen, viele Neuheit des Kupferstecher-Mach- 
werks. Mit leichter Biegung brach er auf freie Weise in den Flei- 
fßhen die Richtung der ersten ab, ersetzte sie durch eine andere, die 
jedoch nicht die Fortsetzung der zweiten war, setzte Punkte und 
Gßgenpunkte dazwischen. ohne dass dadurch eine Verminderung 
des Schmelzes unddes herrschenden Charakters entstand. Einige, 
mehr als nöthi gebogene und den Forderungen der Natur ange- 
messene Strichgagen, manche den Gesetzen der Perspektive entge- 
gengesetzte Führung, die bei anderen Künstlern unerträglich seyn 
Würde, vereinigen sich bei ihm sowohl mit Geist als Kraft. Man 
sieht bei den genannten Köpfen gewisse kleine einzelnstehende 
Strichmassen, die, in der Nähe betrachtet, ausser aller Anordnung 
erscheinen, betrachtet man sie aber in einer mässigen Entfernung, 
so entdeckt man, wie meisterlich sie, zur genauesten und leichte- 
sten Andeutung der kleinsten Zufälligkeiten in der Natur dienen. 
Diess ist bei Sharp eine Folge seiner gewissenhaften Nachahmung 
aller Richtungen, Ziige und Drucke des Pinsels, die er in den Ge- 
mälden antraf, nach welchen er in Kupfer stach. Es galt ihm für 
eine Ilauptaufgahe, mit den Grabstichel das Spiel des Pinsels nach- 
zuahmen, und aus natürlicher Neigung zog er die freieren Gemälde 
mit keckem Pinsel den fleissigcren und verschmolzenern vor, weil 
er bei jenen die Norm für sein System der Strichlagen deutlich 
vor Augen sah, bei diesen hingegen keine. Er war ein Feind von 
Allem, wobei er das Unangenehme, das Miihselige und Beschwer- 
liche ahnete, und vermied desswegen jede zu regelmässig gebo- 
gene Linienlage, jede ohne Noth angebrachte Glätte, Gleichweite 
und Nettigkeit des Stiches, indem er sie für Gegenstände aufsparte, 
die ihrer Natur nach glatt und glänzend waren. Sharp streifte also 
das Joch, welches einige neuere Grabstichelmeister der Kupferste- 
cherkunst aufgebiirdet haben, nicht ohne Glück ab, und der Er- 
101g Würde ein noch grösserer gewesen seyn, wenn sich der liiinst- 
I" mehr in den Gränzen der Mässigung gehalten hätte, Wßlßhß 
91', dem Spiele des Pinsels huldigend, einer wahrhaft ausschwei- 
 tenden Freiheit Wegen überschritt. Sharp hatte sich vorgenommen. 
mehr dielVlalerei als die Natur nachzuahmen, wodurch er seine 
K195i. die ihre eigenthiimlichen Mittel hat, das Wahre auszu- 
drucken, sich der Mittel einer andern gänzlich verschiedenen Art 
zu bedienen zwang, so dass er nach Leonardo da Vinci's Aus- 
ßPruch sich als Neffe nicht als Sohn der Natur zeigte. Longhi hält 
es ebenfalls für eine strenge Pflicht des Stechers , wenn er nicht 
Gegenstände eigener Composition gibt, die Zeichnungen oder Ma- 
lereien anderer mit der gewissenhaftesten Treue, im Chßfakier des 
Urhebers darzustellen, aber nicht bis zu dem Punkte der Verbind- 
lichkeit, ansscr dem Style des Malers auch die mechanischen Mit- 
tel der malerischen Ausübung nachzuahmen, den Grabstichel zur 
Knechtschaft für lßne Pinselziige erniedrigend, die man ober-dies; 
nie vollkommen darstellen kann, und die man in der Natur nie 
sieht, und die auch der Maler nie ohne den Vorwurf der Ueber- 
trcibnng auf sich zu laden, sichtbar machen kann, es sei denn in 
der Voraussetzung der Sicherheit, dass sie in der gewünschten Ent- 
fßrllung des Bcschaucrs vom Bilde verschwinden. Die verschiede- 
"9" ßriginellexi Pinsclstriche, die den stehenden Charakter einiger
        

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