Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1799085
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Scttegasl, 
Joseph 
Anton. 
der Gemalten in einer Allgemeinheit dar, dass sie bleibenden Werth 
als Gemälde für jeden Freund der Kunst behalten werden. 
In Italien blieb Settegnst vier und ein halbes Jahr, vom Herbst 
1333 bis zum Frühjahr 1845, und ergab sich in Genuss und Freude 
den Studien der alten italienischen Bilder, dann aber auch der 
Natur. Bis dahin sieht man seinen Bildern den Schüler von Veit 
an, von jetzt an tritt er selbstständig auf, was sich besonders an 
einer Einpfängniss Maria, die er in Rom für die Hirclie in Cobern 
malte, noch mehr aber an einem Frescobilde in der Franziskaner- 
kirche zu Düsseldorf (Max-Pfarrei. Welches er noch in Rom ent- 
warf, zeigt. Als jenes Bild der Maria in Coblenz ankam und aus- 
gestellt wurde, schrieb ein liunstfreund in der Bhein- und Mosel. 
zeitung eine kleine Würdigung desselben, aus der wir zur Bezeieh- 
ziung des Standpunktes unsere Malers folgendes hervorheben. 
„Uin die Empfängniss Mariä im Bilde darzustellen, erhebt 
sich der Maler mit dein Adlerflnge des heiligen Johannes (12. lia- 
pitel der Offenbarung) über die Erde und den Mond, und lässt 
sein Bild in den Himmelsriiuinen aus den Wollten, wie aus Got- 
tes Hand in hellichtem Glanze himmlischer Milde, Engels-Reinheit 
und Sanftheit hervortreten. Sie ist wahrhaft die iVlorgenröthe der 
göttlichen Gnade, die auserwühlte Braut des heiligen Geistes, die 
reinste Lilie, die unbefleckte Jungfrau! Die Engel, die Him- 
uiclsboten, krönen und umgeben sie als solche. Alles Licht strahlt 
von ihr aus, der Mond unter ihr, der Trabant der Erde, emplätigt 
schon davon, die Erde liegt noch darunter in tiefem Dunhel und 
erhält des göttlichen, erlösenden Schiinrners nur einen Theil vom 
Nlnnde. Das ist die unbellecltt empfangene Maria, es ist die stille, 
mild ergebene Magd des Herrn, die Nlittlerin unsers Heils. Die 
ganze Milde und Ergcbenheit, welche bei der Verklärung antwor- 
tete: wSiehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach dei- 
nem YVillennn ist in dem wunderschön gesenkten Blicke und der 
Haltung der Hände schon angedeutet. Das ist das Bild fiir einen 
gläubigen biatholilsen. Es ist aber auch ein schönes, sehr schönes 
llild für alle, welche eine andere Richtung des Geistes von diesem 
innigen Glauben entfernt hat. Die weibliche Milde und Sanftheit 
in dem Gesichte und dem Blicke der Maria. die schönen Hände 
und deren Haltung, das reine und zugleich bescheidene Gewand, 
der herrliche Fnltenwurf, die in_Erhabenheit und Ehrfurcht schöne 
Haltung der Engel, die grossartige Stellung über Erde und Mond, 
so wie die genaue Zeichnung in allen Theilen, wer sollte sie nicht 
mit Freuden sehen und anerkennen? Derjenige aber, welcher ganz 
mit Kopf und Herz in Sinn und Bedeutung des Bildes eingehen 
_liann und die Bedeutung der heiligen iWIaria im Werbe der Erlö- 
sung gläubig erwogen hat, wird niit des Malers sinnigeni (iclühle 
ganz sympathisiren und iuit aussagen können, dass das Bild in 
seiner Art vollendet ist, und Coblenz aus neuerer Schule noch 
nichts" Gleiches gesehen ham 
Diese so treffende Benrtheilung des Bildes hebt die Eigen- 
thiimlicliheit des Malers zwar deutlich hervor und bezeichnet auch 
den hoben Standpunkt, denn er einnimmt, aber die lireuzigung 
in der Francislsaiier-Iiirche zu Düsseldorf zeigt noch mehr seine 
volle Herrschaft uber Stuhl und Form, und reiht ihn den grossen 
Mgiggfn der Ilßllell PEbIgbOSEH Schule, Ovefbeclg, Yeit und Sleinlß 
würdig an. Die schwierige Aulgabe, die Kreuzigung auf eine 
Wand hinter dem Altare in ltolossnlein Massstabe zu malen, hat 
er eben so grossartig und ergreifend, als künstlerisch vollendet, 
gelost. ln fünf Hauptgruppen ist der Gegenstand gefasst und dar-
        

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