Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1798976
Servandoni, 
Nicole 
Giovanni 
Cav. 
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war feierlich und ehrenvoll. Servandoni hatte einen lebhaften Sinn 
für Ehre _lii1(l war mit Gold allein, so reichlich ihm dieSeS auch 
1119059, nicht zu belohnen; er liebte in der Kunst, sowie auch im 
Leben nur das Edle und Grandiose. Dieses sprach sich nament- 
lich auch in seinem Plane zu einem grossen Platze aus, welcher die 
Place de Louis XV. zwischen den Tuilerien und den elisäischen 
Feldern werden sollte. Dieser Platz, zu den öffentlichen Festen 
bestimmt, hätte in seinen Gallerien 25,000 Menschen fassen sollen. Er 
 mit 360 Säulen und 156 Arkaden sowohl in- als auswendig 
geziert worden. Das Projekt kam bekanntlich nicht zur Ausfüh- 
rung. und selbst der Plan scheint nicht mehr vorhanden zu seyn. 
De Fontenay sagt, dass ihn der Prevot des Marchands, Mr. de 
liernage, dem Könige zugestellt habe, so dass er also doch in 
einem k. Archive sich finden könnte. Dann gab Servandoni auch 
die Zeichnungen zu einem grossen Theater und zu einem Triumph- 
bogen für das Thor, welches man damals svLa porte de ln Con- 
ferencesv nannte. Auch diese Entwürfe blieben ohne Erfolg. Ein 
gleiches Schicksal hatte ServandonPs Modell zu einer Iiirche des 
Iilosters der Brands-Augustins zu Paris. Auch mehrere der nach 
seinen Plänen geführten Bauten hatten nicht das günstigste Schick- 
sal. Einige mussten weichen. andere sind durch Umänclerungen 
und Modernisirung nicht mehr als Servandoni's Werk zu betrach- 
ten. Zu den Gebäuden dieser Art gehört die Pfarrkirche zu Cou- 
langele-Vineuse in Burgund, die Capelle des Mr. de la Live an 
der Rue neuve de Luxembourg, die Capelle des Marschal von 
Richelieu zu Gennevillers, ein Landhaus im Dorfe Blaine bei Pa- 
ris, das Theater im Schlosse Chambord, das Relektoriuinder Prie- 
ster von St. Sulpice zuVaugirard. die Stiege imHotel d'Auv_ergnc, 
die Hauptaltäre in der Cathedrale zu Sens und bei den Carthhäu- 
sern zu Lyon etc. 
Und so ist denn von den zahlreichen Projekten und Planen, 
welche dieser Künstler ausgeführt hatte, ldas Wenigste vollkommen 
auf unsere Zeit gekommen. Nur einige Iiupterstiche sind erhal- 
ten, und der Peristyl von St. Sulpice steht als Denkmal seines 
Namens da. Ausserdem blieb ihm auch die Nachrede eines schlech- 
ten Oekonomcn, der die Tafel liebte und gerne mit zahlreichen 
Freunden sie theilte. Die grossen Summen, welche er verdiente, 
waren bald wieder verjubelt und er musste zu wiederholten Malen 
ins Amsland gehen, um seiner Gläubiger loszuwerden. Diderot 
(Essens sur la Peinlufe p, 136) wg: von ihm 1756, Servandoni sei 
ein Mensch, den die Schätze von Peru nicht bereichern würden, 
er sei der Panurg von Rabelais, der 15,000 Mittel zum Erwerb, 
und 50,000 zum Verschwenclen kenne.  In der letzten Zeit sei- 
nes Lebens rettete ihn nur noch die Pension des Königs V00 
Pßlw und Sachsen vor Diirftigkcit, da ihm dieser, wie oben ge- 
WSlgVO" 1755 an 20,000 Liv. ausgesetzt hatte. In Frankreich hat!!! 
er keine Anstellung mehr, da man es da aufgab, einen so kostspie- 
ligen Architekten zu halten. Diderot sagt, der Iiönig, die Naiiull 
und das Publikum hätten den Vorsatz, ihn aus demElend zu 
reite": aufgeben müssen, und man wolle noch lieber die Schulden, 
die e" habe, als die, die er machen werde. Kurz maiibeßllirfte 
eines Servanrlcni nicht mehr. Die Nachwelt hat "St ganz den 
Stab über 1h" gebrochen. ohne zu bedenken, dßäß diese? Mai!!! 
aPf die fßleßixdß Periode grossen Einfluss geübt liabe- Er ist 
einer jener genialen Künstler welche ihrem Zeitalter voranseiltcn 
und die kommende Generation für eine einfachere, die weise Spar- 
samkeit derAltcn nachahmende Vepgjerungsilrl empfänglicher mach- 
"ß- Wje sehr sein Geschmack für einfache, edle architektoni-
        

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