Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1798962
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Sorvandoni, 
Ciovauni 
Nicolo 
Cav. 
ln dem letzteren Jahre wurden unter Leitung des General-Direk- 
tors Oppenord die Arbeiten wieder aufgenommen, und schon war 
man- daran nach dem alten barrocken Plan fortzubauen, als Ser- 
vanduni mit seinem Modelle zum Portale erschien, welches ein 
ganzes Jahr zur öffentlichen Critik ausgestellt blieb. Das Werk 
and allgemeinen Beifall, du ES, imposant und grossartig, auch den 
Reiz der Neuheit hatte. Dieses Portal bildet eine Halle von 184 
F- Länge, und erhebt sich in zwei Stockwerken. Die Säulen des 
unteren sind in griecliisch-doriscliem Style aufgefasst und verdop- 
pelnsich nach der Tiefe des Peristyls, um dadurch fiir das zweite 
Geschoss solide Stützen zu erlwlten. Dieses, in jonischei-Oi-dnung 
durchgeführt, besteht aus einer Gnllerie in Arkaden, deren Pfeiler 
mit Pilastern geziert sind. An den beiden Ecken der Vorderseite 
dieses schönen Portals erheben sich zwei Thürme, die einen inte- 
grirenden Theil des Ganzen ausmachen, und somit die architekto- 
nische Einheit nicht stören. Uebcr dem Portale. welches ursprüng- 
lich einen Giebel hatte, der 1770 vom Blitze getroffen abgetragen 
werden musste, erheben sich die Thürme in zwei Stockwerken in 
kurinthisclier Ordnung. Es wurde aber daran schon mehr als eine 
Veränderung vorgenommen; die letzte von Chalgrin. Servaiidoni 
zeigt an diesem Portale ein für damalige Zeit seltenes Studium 
nach classischen Vorbildern und einen ungewöhnlichen Sinn liir 
Richtigkeit und Ebenmass in den Verhältnissen seiner Säuleiicril- 
nungeii, die hier isolirt nach ihrer wahren Bestimmung erscheinen. 
Nlerkwiirdig ist seine dorische Ordnung. dlQ lll Säule 11ml Ge- 
biilk cine Ahnung iicht griechischer Kunst zeigt. Zu dem allge- 
meinen Plane ScrvandonPs gehörte ein grosser Platz vor der Kirche; 
allein die vielen späteren Projekte machten die Ausführung des 
"früheren unmöglich. Darüber gibt aber noch ein Blatt Aufschluss, 
unter dem Titel: Place de St. Sulpice. Servandoni et Benard fec. 
Die Kirche mit ihrem neuen Peristyl ist ebenfalls öfters gestochen 
worden; das Portal alle'n von Bavenet, unter dem Titel: Elevation 
du grand portail de gt. Sulpicc; von Landon, Annales Vll 87, 
und neuerlich v. E. Ollivier für Quatremöre de Quiucy's Leben 
der berühmtesten Architekten.  
Das Portal von St. Sulpice erwarb dem Iiunstler das Lob 
eines ausgezeichneten Architekten, und selbst von dem jetzigen 
architektonischen Standpunkt aus betrachtet, verdient ScrvandunPs 
Peristyl grosso Beachtung. Es wurde ihm daher allgemeine Be- 
wunderung und Auszeichnung zu Theil. Der PabstBenedikt XIV. 
ernannte ihn zum Bitter des Christusordens- Mehrere, selbst 
französische Schriftsteller, die von Servandunfs Leben Nachricht 
geben (wie die Verfasser des Nouveau dict. liist., und Milizia in 
den Memorie degli architctti ll. 258), erzählen, er habe diesen 
Orden vom Könige von Portugal erhalten, weil er iV-n Lissabon, 
wo er in seiner Jugend einige Jahre zugebracht hatte, sich durch 
Seine Arbeiten die Gunst des Hofes erworben hatte. Allcin sie 
verwechseln hier den portugiesischen mit dem italienischen Chri- 
stusurdßll. und dass Servnndoni hcinen andern als diesen italieni- 
schen Orden erhalten habe, setzt die HOClXVVOFlIHIIÖGIIO Beschrei- 
ibtlllg der Feierlichkeit (im Mercurc de Franco 1745. Üccembre 
"Vol. L), womit er von dem Erzbischof Lunguet zu'_Sens in den- 
selben aufgenommen wurde, allsser Zweifel. Vielleicht verdankt 
er selbst Luiiguefs Verwendung diese Auszeichnung. Denn er 
hatte nicht nur in seiner Catherlrale einen neuen llauptaltar auf- 
geführt, sondern auch für Luiiguefs Bruder, den Pfarrer von St. 
ul-pice. ausscr dein schon erwähnten Portal noch mancherlei an- 
deres. in dessen Ptarrkirclie gebaut. Die Einweihung in den Orden
        

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