Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1798949
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Servandoni, 
Giovanui 
Nicolo 
Cav. 
auf einem lrrthum beruht, indem ihm erst 1743 Pabst Benedikt 
XlV_'den Christusorden verlieh.  
In Paris wurde ihm bald die Leitung der Oper-Decorationen 
anvertraut, und 1723 entwickelte er im nOi-ionw zum ersten Male 
den Zauber seiner Kunst, indem sich ganz Paris an die Mündun- 
gen des Nil, unter die Ruinen der Pyramiden versetzt glaubte. 
Man scheint erst dainalsflie Täuschung kennen gelernt zu haben, 
welche die Perspektive _in ihrer Anwendung auf Architektur und 
die genaue Beruchsichtigung der Gesetze der Färbung und Be- 
leuchtung zu bewirken im_Stande ist. Auch nahm von diesem 
Augenblicke an das Schauspiel der Oper eine neue Richtung, und 
während eines Zeitraumes von achtzehn Jahren führte er mehr 
als sechzig Operndecorationen aus. wodurch er alle seine Vor- 
gänger in Schatten stellte. Zu seinen schönsten Compositionen 
zählte man die des Palastes des Ninus, des Tempels der Minerva, 
der elisäischen Felder, des Palastes der Sonne und der Moschee 
Skanderbeg's. Der Enthusiasmus, welchen diese Decorationen bei 
den Beschauern erregten, war ausserordentlich. Die höchste Stufe 
erreichte aber dieser in der O er wPEmpire de I'Amour,si wo der 
Glanz der Farben und die Belleuchtung einen Effekt hervorbrach- 
ten. der nicht zu beschreiben war. Aus einer in der Mitte der 
Scene befindlichen Urne schienen Lichtstrahlen auszugehen, Welche 
auf alle Decorationen einen Glanz warfen, den das Auge kaum 
zu ertragen verinochte.___ Doch sind solche Blendwerlie nicht das 
einzige Verdienst des Iiuustlers, welches er um die Decorations- 
nialerei sich erwarb. Er richtete immer ein strenges Augenmerk 
auf die architektonische Wirklichkeit, und machte nie einen Auf- 
riss, bei welchem die Möglichkeit der Ausführung nicht durch den 
Plan hätte gcrechtfertiget werden können. 
Im Jahre 1751 wurde Servandoni von der Akademie der Ma- 
lerei und Bildhauerei als Landschaftsmaler zu ihrem Mitgliede 
ernannt. Bei dieser Gelegenheit überreichte er ein Gemälde, wel- 
ches in malerischer Anordnung einen Tempel mit einigen Ruinen 
vorstellt, wahrscheinlich das Bild im Museum des Louvre, welches 
unter dem Namen nPteunion de ruinesn im _Catalogc angeführt ist. 
lm ersten Felde sieht man eine Ruine jonischcr Ordnung, durch 
eine Arkade blickt man auf einen Obelisken und auf die Reste 
eines doiischen Tempels, Im Vorgrundc steht ein Weib neben 
einem sitzenden Krieger. Im folgenden Jahre stellte Servainloni 
sein Modell zum Portal von St. Snlpicc aus, und bald wurde der 
erste Stein dazu gelegt. Bei dieser Gelegenheit crtheilte ihm der 
Pabst den Orden des hl. Johann von Lateran, und von diescrZeit. 
an nannte man den liiinstlcr gewöhnlich den Bitter Servan- 
doni. Damit begann er seine eigentliche architektonische Lauf- 
bahn, welche wir aber spiitcr verfolgen, da er auch noch mehrere 
berühmte Decorationen ausfiihrte, welche das Staunen der Pariser 
erregten. _Bisher ging die Decoration mit dem Schauspiele immer Hand 
in Hand, jetzt aber verfiel er auf den Gedanken. dem Publikum ein 
dramatisches _Schauspiel blos in Decorationen zu gehen. lin Jahre 
1748 componirte er nach Horaz Carm. L. 1. Ode 5. seine Pan- 
dora, welcher folgende Verse zu Grunde lagen: 
Post ignem aetheria domo 
subductum, 111110165, et nova febrium 
Terris incubuit cohors. 
Die Eröffnung des Stiickes begann mit dem Chaos nach der 
Idee des Dichters. Auf die Verwirrung folgte das Bild der Natur 
im goldenen Zeitalter, und diese Veränderungen dienten der Ge-
        

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