Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1798423
stechen, und die Platte als Matrize zu gebrauchen, so wie ein 
weiterer Versuch, eine Columne von Buchdrucker-Lettern in eine 
weiche Masse einzudrucken, und diese dann wieder als Matrize zu 
stereotypen Tafeln anzuwenden, auf die Erfindung des später 
sogenannten Siereotygendruckes. Allein dieses Verfahren über- 
Sllßg Seine Gßldhräflßi und er sann auf einen neuen Plan. Jetzt 
wollte er die gewöhnliche Buchdruckerschrlft verkehrt auf eine 
mit; Aezgrund überzogene liupferplatte schreiben und mit 
Scheidewasser einätzen. Dieses gelang ihm bald zu vollkom- 
mener Zufriedenheit, indem er auch eine Art schwarzer Tinte er- 
fand, womit er die gemachten Fehler leicht verbessern konnte. 
Er glaubte jetzt nur mehr eine grösscre Fertigkeit im Schreiben 
erzielen zu müssen, um seinen Zweck zu erreichen. Allein der 
Arme musste nach dem Abdrucke mit Schwärze in Ermangelung 
neuer Platten immer mehrere Stunden mit dem Abschleifen und 
Poliren der alten Platte hinbringen, und zuletzt nahm die Dicke 
derselben ab. Um mit dem Schaben und Poliren schneller zu 
fahremkam er aufclie Idee,Zinnplattcn anzuwenden; dochauch diese 
Versuche fielen sehr unvollkommen aus, und somit war er seinem 
Ziele nicht näher gerückt. 
Diesen Hergang erzählt Senefelder im Lehrbuche der Stein- 
druckerei bis S. 7 mit allen Einzelnheiten, und auf den folgenden 
Seiten spricht er sich über seine erste Anwendung des Steins zum 
festgesetzten Zwecke in einer Weise aus, welche glauben machen 
könnte, die Sache sei ihm wie von selbst und mit leichter Mühe 
gekommen. Er erzählt weiter, wie er nachudem Misslingen mit 
Zinnplatten ein eben erhandeltes schones Stuckchen sogenannter 
liellheimer Platten mit seiner Wachstinte bestrichen und zu 
Schrcibiibungen gebraucht habe, was ihm Alles vollkommen ge- 
lungen sei, wobei er aber an den Abdruck noch nicht gedacht 
haben will, indem ihm der Stein der Gefahr des Zerbrechens nicht 
zu entgehen schien. 
Alles dieses mag seinen Grund haben, um aber in der Ge- 
schichte dieser so wichtigen Erfindung nichts zu ubergehen, was 
einmal, sei es auch nur als Sage bekannt wer, S0 mllßsen wir hier 
jetzt auch eines anderen Umstandes gedenken, wovon sich in 
München bis zurStunde die Tradition erhalten hat. Senefelder wurdO 
von mehreren Seiten angegangen, den Hergang der Sache bekannt 
zu machen, und somit schrieb er endlich in zwci auch durch 
Druck bekannten Briefen an Göthe und Staatsrath von Iirenner 
nieder, was er selbst zu wiederholten Malen erzählt hatte: wie er 
nämlich nach so vielen getäuschten Hoffnungen und nach dem 
Misslingen seiner Versuche in Verzweiflung getrieben, auf dem 
Wege nach der Isar (in einem öffentlichen Garten) einen Stein 
gefunden habe, auf welchem er eine Pflanzenabbildung bemerkte, 
oder nach einer anderen Sage,_iu welchen cr mit dem Messer 
rizte, Wodurch ihm auf einmal ein neuer Stern der Hoffnung auf- 
gegangen  Soll, so dass er in Freude heimkehrte und SChon von 
dem künftigen Gliicke träumte. Von diesem Geschiclitellßß Wßlllesß. 
nefeldef später nicht mehr viel wissen, und in seinem Lehrbuche 
der Steindruckerei iiberging er es ganz.  Denn es knüpft sich 
 
 Engclmnnn (Gesammtgebiet der Lithographiß- Deutsch von 
Pabs: und liretßßhmar. Chemnitz, 1340, S. 5- Weisel. darauf 
hill. Er Wal" VOII dem Hergange der Suche genau unter- 
richtet, ,s0 wie es auch noch in München Männer gibt, die 
von dieser Sache nahe liumle haben.
        

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