Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1797726
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Scopas. 
Ob aber die in Florenz befindliche Gruppe, welche 1585 beim 
Tllßfe St. Giovanni in Rom boschädiget unter dem Schulte her- 
vorgezogen wurde, dieselbe sei, von welcher Plinius sagt, dass sie 
im Tempel des Sosius aufgestellt war, ist eine andere Frage: i") 
Nach der Annahme dcr meisten Archäologen diirlte die florenti- 
nische Gruppe Copie seyn. Die Statuen derselben sind von un- 
gleichem Wertbe, selbst von verschiedenem Marmor die wirklich 
zu den Niobiden gehörigen. Es sind nämlich mehrere andereStatuen 
hinzu gekommen, die zum Ganzen nicht gehören, wie ein Disko- 
bol, eine Psyche, eine Musenfigur, eine Nymphe, eine Gruppe 
jugendlicher Panlsratiasten, was sich alles nicht zum Ganzen fügt, 
obgleich mit den Niobidcn gefunden. Als zur Gruppe gehörig 
erklärt O. Müller, Arch. S. 117, ausser der Mutter mit der jüng- 
sten Tochter zehn Figuren, und Thorwaldsen glaubte den soge- 
nannten Narcissuss in der Gallerie zu Florenz (Gßl- tav- 74) bin- 
zufügen zu müssen. Ob aber auch diese Statuen die im Alterthume 
berühmten sind, ist nach Müller u. a. sehr zweifelhaft, da die 
Behandlung der Körper, obwohl im Allgemeinen vortrefflich und 
grossartig, doch nicht die durchgängige Vollendung und Frische 
zeigt, wie die Werke des griechischen Meissels aus der besten 
Zeit. Waagen l- c. 111. Spricht sich seit dem Vergleiche der einen, 
jetzt im Braccio nnovo des römischen Museums aufgestellten, eilig 
bewegten Tochter mit der entsprechenden jener Gruppe in Florenz 
bestimmt für eine Nachbildung aus, ohne jedoch behaupten zu 
wollen, dass wir in der vatikanischen Statue das Original besitzen. 
Doch steht dieselbe nach Waagen an Lebendigkeit und Ursprüng- 
lichkeit der Gewandmotive dem Original unendlich viel näher, als 
die florentinische, wie viel man auch bei letzterer auf die Ueber- 
arbeitung rechnen mag. Doch auch die Mutter mit der jüngsten 
Tochter, welche höher als alle anderen Figuren der Gruppe zu 
schätzen ist, kommt im Style des Gewandes der vatikanischen nicht 
gleich, und einige der als Büsten vorkommenden liöpfe derselben 
sind mindestens eben so schon. Der lebendige Hauch griechischer 
Kunst ist dagegen in dem sogenannten Iliuneus in der Glyptothek 
zu München" unverkennbar; er (liirfte daher ohne Zweifel als der 
einzige Üeberrest der Original-Gruppe zu betrachten Seyüi W056i 
um so mehr zu bedauern ist, dass der Kopf dieser Statue fehlt. 
Sie erscheint knieend und wird desshalb llioneus genannt, weil 
dieser letzte Sohn der Niohe nach Ovid beschwürend und betend 
Apollo's Mitleiden zu erflehen suchte. Sie ward neben anderen 
Antiken 159g vonTycho de Brahe, dem Hofastronomcn des liaisers 
Budolph, aus Italien nach Prag gebracht. Hudulphk kostbares 
 Der Tempel ist wahrscheinlich von Cn. Sosius gegründet. 
der unter Antonius in Syrien stand, und nachher mit C. 
 Dnmitius zum römischen Consul ernannt wurde. Sosius 
dürfte auch die Gruppe aus Asien mit nach Rom gebracht 
haben, mit der Statue des Apollo von Cedernholz, vun welcher 
Plinius an einer anderen Stelle (XIII. 11) spricht, wu es 
heisst: ln einem gewissen Tempel Roms steht der Sosiani- 
sehe Apollo von Cedernholz, der aus Seleucia dahin ge- 
bracht wilrde. Kam nun die Gruppe ebenfalls aus Syrien 
oder Cilicien, wo Sosius ebenfalls Befehlshaber war, nach 
Rom, so Würde rliess einen Grund mehr für sich haben, 
dass sie von Scupas und nicht von Yraxiteles sei, weil 
ersterer in Asien mehrere beträchtliche Arbeiten ausliihrlo, 
vuu Praxitclue darüber aber nichts bekannt ist.
        

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