Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1797691
Scopas. 
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in der griechischen Blumenlese (Anthol. Palatina II. 684) wird 
811551" der oben erwähnten Menäde noch ein Merkur genannt- 
Eltl Werk von hoher Bedeutung ist Scopas Apollo als 
Fiihrer des Musenreigens (Musagetes) im langen Gewande, dem 
Iiiinstler in lebhafterer Geberde den Ausdruck dichterischen" Be- 
geisterung gab. Dieser Apollo war nach Plinius die Hauptstatue 
des prächtigen Tempels, welchen Augustus nach dem. Siege bei 
Actium auf dem Palatin erbauen liess. Der Gott erschien idu im 
laflgßn Gewande mit der Leycr zwischen Latona und Dizina, wie 
Prvperz II. 51, 15. singt: luter matrem (von Praxiteles, Pliii.) 
deus ipse interque sorurern (von Tiinolheos, Plin.) Pythius in 
lo n ga ca rmina veste somit. Eine Copie dieses palatinischen 
Apollo ist der mit den Musen in der" Villa des Cassius aufgefun- 
dene Vaticanische, Mus. Pio-Cl. I. 16. Mus. Franc. I. 5.. Bouill. l. 
55. Visconti möchte Timarchides Statue fiir das Original halten. 
VVo diese Apollostatue ursprünglich war, ist nicht angegeben. 
Strabo sagt, dass zu Chrysa im Gebiete von Troas der Tempel 
des Apollo Smintheus gewesen sei. Dieser Apollo war ein Werk 
des Scopas. ZMLVSEÜG kann der Beiname von der Stadt Sminthii, 
oder von oiiivitoa (Maus) seyn. Hirt u. a. nennen daher diesen 
Apollo den Mäusetödter. 
Da Scopas der erste war, welcher den Apollo als Museu- 
fiihrcr darstellte, so möchte er auch die Musen als dessen Gefolge 
gebildet haben. Und man fand ja den oben genannten Vatikani- 
schen Apollo mit Statuen von Musen in der Villa des Cassius. 
Eine solche Muse, die Melpomene, aus pentelischem Marmor, be- 
findet sich im Museum des Louvre, die nach Waagen l. c. 116. 
der Erfindung nach 'wohl von Scopas herrühren könnte. Die 
architektonisch-strenge Sculptur dieser 12 F. 1 Z. hohen Statue 
ist hier auf das Feinste mit den Forderungen einer späteren, freien 
Kunst ausgeglichen. Ein erhabener Ernst und jene änssere Ruhe, 
welche der achten Begeisterung eigen ist, sprechen sich in den 
grossen, edlen Zügen des Antlitzes aus, dessen Strenge doch wie- 
der durch eine schöne Fülle des Ovals und aller Formen gemildert 
wird. In dem Gewande zeigt sich nach Waagen auf das Glän- 
zendste der Sieg der Kunst über die starre Masse; denn diese 
Falten haben durch die grossen Vertiefungen, die fliichenartig 
gehaltenen Höhen. die Wahrheit und Bestimmtheit der Motive, 
etwas überraschend Lebendiges, zumal da, wo sie durch den brei-. 
ten Gurt zusammengehalten werden. Diese bis auf die neuen 
Hände und die neue Maske des Herkules wohl erhaltene Statue 
erinnert im Styl lebhaft an den Bacchus vom Monument des 
Trasyllus im brittischen Museum, wie Waagen bemerkt, S0 (lau 
also auch dieser der Schule des Scopas angehören niiisste. W415 
die Muse anbelangt, so fällt ihre derartige Auffassung sicher nicht; 
vor Scopas, und doch bietet sie eine Durchdringung de? Efhabe- 
nen mit dem Schönen und Graziösen dar, dass man sie nicht Wohl 
viel später setzen kann. Dabei ist die Ausführung ißäelllalls 3'318 
sehr guter Zeit und hat ein äeht griechisches Gepräge; den" flle 
Formen sind (lurchgiingig verstanden, die Arbeitjehr energisch 
und scharf, die Behandlung des Haares durch Vefllehlflge" hUCh-ST 
stylgemäss. Waagen glaubt, das dieses Werk das. lheaici- des 
Pompeji); geziert haben lsiinntc. Später befand ES SIClI In der an 
dessen Stelle gelegenen Cancelleria des PabSleS- 
Dann müssen wir auch noch mehrerer anderer Gottheiten er- 
wähnen, die Scupas bildlich darstellte.
        

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