Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1797668
Scopas. 
des Scopas haben, überwiegend werden. In jedem Falle muss man 
mit Waagen zugeben, dass in diesem herrlichen VVerke eine höchst 
interessante Mittelstufe zwischen der strengen, erhabenen, archi- 
tektonischen Kunstart des Phidias, und der ganz freien, die höch- 
ste Feinheit und Grazie athmenden des Praxites besitzen. Und die- 
ses Mittelglied bildetScopas.-Die Venus von Milo ist aber nicht 
ohne bedeutende Beschädigungen. Nur der Iiopf ist nie vom Rum- 
pfe getrennt gewesen, so dass wir wenigstens die ursprüngliche, 
so charakteristische Bewegung desselben, und die edle, ,unverletzte 
Bildung des Halses haben. Dagegen fehlt der rechte Arm bis auf 
ein Stück des oberen Theiles ganz, von dem linken der ganze 
Unterarm; beide sind unergiinzt gelassen. Der vordere Theil der 
Nase ist restaurirt, aber zu scharf und spitzig ausgefallen. Auch 
am Gewande sind Restaurationen vorgenommen, alle nur vorläu- 
fig in Gysps. An dem schönen rechten Fusse ist nur die Spitze der 
grossen Zehe neu, der linke fehlt ganz. 
Eine zweite unbekleidete Venus von Scopas sah man zu Rom 
im Tempel des Brutus Callaicus am Circus Flaminius, welche nach 
Plinius selbst jene des Praxiteles ühetraf, d. h. die berühmte Ve- 
nus in Cnidus, wenn nicht Flinius mit den Worten nPx-axiteliam 
illam antecedensv. eine chronologische Bestimmung geben will. 
Eine andere Statue der Venus, von Scopas in Erz gebildet, 
war in Elis als Aphrodite Pandemos auf dem Bocke sitzend 
dargestellt, im merkwürdigen Gegensatze zu Phxchas benachbarter 
Venus Urania auf der Schildkröte. 
In Saxnuthractf war eine Statue der Venus zugleich mit; den 
Liebesgöttern Pothos und Phaeton('?), wie Plinius bemerkt. 
Auch die in mehreren Exemplaren vorhandene Venus Geno- 
trix, welche im leichten Chiton sich ein Obergewand von feinem 
Stoff über die Schulter zieht, betrachtet Waagen l. c. S- H4 als 
ein Werk aus der Schule des Scopas. Die ganze AutTassung hat 
etwas Wiirdiges, und vereinigt mit einer gewissen Fülle der For- 
men eine edle und keusche Grazie. Ein vorzügliches Exemplar in 
carrarischenm Marmor, mit restaurirten Händen, ham aus dem Gar- 
ten in Versailles ins Museum des Louvre. M. Franc. II. 6. Bouill. 
I. 12., M. Nap. I. 61. Clarac. pl. 53g. 
Dem Kreise der Aphrodite gehört auch eine Gruppe von drei 
Liebesgüttern an, welche man im Tempel der Venus zu Megura 
sah. Sie stellten Eros. Himeros und Puthos (Liebe, Verlan- 
gen, Sehnsucht) dar, in deren Geberden und Mienen man beson- 
ders die zarte Verschiedenheit bewunderte. 
'In der Curin clcr Octavia zu Born sah man einen Cupido mit 
dem Donner-heile, welchen Plinius als Werk des Scopas bezeich- 
net. Man glaubte, er stellte den Aleibiacles in jenem Alter vor. 
Eines der herrlichsten Werke des Meisters war die Gruppe 
des Neptun, der Thetis und der Nereiden, auf Delphie 
nen und Hippocampen sitzend, und von anderen Wunderthieren 
des Meeres vmgebw, Welche den Achill nach der Insel Leulse 
führen, nach O. Müller ein Gegenstand, in dem göttliche Würde, 
weiche Anmulh, Ilcldengrösse, trutzige Gewalt und üppige Fülle 
eines naturlsriilligen Lebens zu so wunderbarer Harmonie vereinigt 
sind, dass auch schon rler VßPSüPh, die Gruppe im Geiste der al- 
ten Kunst uns vorzstellen und auszudenlsen, uns mit dem innig- 
ston Wohlgclkillern erfüllen muss. Auch Plinius spricht sich über 
dieses Werk, als die Arbeit eines ganzen Lebens, mit Bewunde- 
rung aus. Es war im 'l'cmluel des C. Dumitius am Circus Flami-
        

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