Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1797655
in der Hnlsgiube, und den leichten horizontalen Ilautfallßfl d" 
Halses SßlbSt ausgesprochen ist. Durch die Verbindung dieser S0 
schwer zu vereinigenden Eigenschaften übt diese, obschon {seines- 
Wegs sehr fleissig dui-chgebililete Statue einen ganz eigenthiiinlichen 
Reiz aus, welcher nach Waagcifs Ansicht keiner anderen aus dem 
Alterthuin in diesem Grade inneivohiit. Ferners sagt Waagen, auch 
das Antlitz der Göttin zeige eine ähnliche Vereinbarung von gel- 
stigßr Würde und edler Sinnlichkeit, und der Mund, in dein das 
Gefühl des sieghafteu Stolzes am meisten ausgedrückt sei, gehöre 
in jener Durchdringung der Bestimmtheit und Fiille der Formen 
gewiss zu den schönsten. welche uns in den antiken Kunstwerken 
aufbeliallen worden sind. In den Augen findet Waagen dagegen 
schon sehr entschieden den selinsiichtig-sinnlichen und schmach- 
tenden Ausdruck (das ißypau der Alten), welcher besonders durch 
das Heraufziehen der unteren Augenlieder hervorgebracht wird, 
und bei den späteren Bildungen der Venus meist so stark vorhan- 
den ist, dein Geiste der liunst des Phidias und seiner Schule aber 
gewiss durchaus fremd geblieben war. Die Angenkiiucheln sind 
hier nicht von der sonst so häuligen, schneidenden bcliärte, son- 
dern, zumal nach den iiusseren Seiten zu, sehr weich getiulten. 
Das Haar ist, besonders in seinem Ansatz am Fleisch, ungleich 
breiter und freier behandelt, als in den VVerkPn aus der Zeit des 
Phidias. Die Ohren sind ungewöhnlich klein und zierlich. Die 
seltene Erhaltung der Epiderniis, die weiche und klare 'I'e1_rtl1l'i und 
der warme, gelbliche Ton des parisclien Marinors, "hülle" das 
Hinreissende im Ausdruck des Iiiopfes noch, ganz ungemein. Das 
Gewand endlich hat nach Waagen zwar in den einzelnen Falten 
ganz die Schärfe der partlienonischen Sculpturen, und drückt den 
feinen Stoff sehr deutlich aus, doch sind manche jener engen, nu- 
tergeordneten Falten, welche zur Zeit des Pliiilias aus jenen ges 
ltnidten Brüchen des alten Styls entwickelt und beibehalten zu seyn 
scheinen, hier mit weiser Oelionnuiie unterdrückt, und ilnilui-cii 
die Hauptmutiixe deutlichen hervorgehoben. Aus dieser Ueberein- 
stiminung so mancher 'l'heile niit den Seulpturen aus der Zeit des 
Phidias und aus dem späteren Elemente in anderen schliesst Waa- 
gen, dass hier wohl kein anderer Kleister, als Scopas passe, der nur 
ungefähr 50 Jahre nach Phidias wirkte. Was ihn aber noch fer- 
ner bestiirkt, dass diese Statue aus Scopas Schule hervorgegangen, 
ist der Umstand, dass dieselbe in der ganzen Art der Auffassung 
der Form, wie in Behandlung und Anordnung des Haares eine 
entschiedene Verwandtschaft zu den Ninben zeigt. in ersterer Hin- 
sicht besonders der llioiieus in der Glyptuthek zu München. Wel- 
cher vielleicht der einzige Üeberrest der Originalgrnppe ist, deren 
erhabenes Pathos mehr für Scopas, als für Praxiteles spricht. Die 
Venus von Milo hat aber auch keine Verwandtschaft mit du?  
dischen Venus des Praxiteles, mit welcher aber die meiliceisuhß HI 
der Auffassung, die nur den feinsten, schönsten und Süsäeßläll 
Liebreiz bestrebt, so sehr übereinstimmt, dass sie gewiss. "'16 {im 
ineistdn späteren Statuen der Venus, unter dem entschiedenen Ein- 
fluss derselben entstanden ist. Hietiir sprichtauch eine gCtWf-Qß 
Verwandtschaft zu- den Copien nach Werken des Pruxllßlßä- Nie- 
mand aber wird läugneii, dass die Conceptinn. Wekfhe d" Yenus 
von Milo und der von Nledici zum Grunde liegt, nicht allem auf 
Verschiedene Meister, sondern selbst aut verschiedene Zeiten deu- 
tet. wie denn auch Zwischen den frühesten Werbe? ließ SQnpzis und 
(im spätesten des Praxiteles ein Zeitraum von beinahe O0 dalireu 
hegt. Nach dieser geistreiclien Deduetion _'Waagens muss die An- 
sicht, dass wir in der Venus des Louvre ein Werk aus der Schule 
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