Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1797648
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Scopas . 
der späteren, mehr individualisirten ltuifassung der Venus zu be- 
trachten, da wir aus Plinius wissen, dass Scopas die Liebesgöttin 
in verschiedenen Beziehungen gebildet habe. Als Stoff wählte er 
gewöhnlich den weicheren Marmor, selten das Erz. 
Scopas ist wahrscheinlich der Sohn des Erzgiessers Aristan- 
dros von Paros, der um Ol. 914. thätig war; denn die Stelle des 
Plinius XXXIV, 19., wo er unsern liiiustler in.clie Reihe der um 
Ol. 87. lebenden Meister bringt, ist jetzt ohne Gültigkeit, da nach 
Thiersch (Epochen S. 285) darunter wahrscheinlich Onatas gemeint 
ist  Doch scheint Scopas ebenfalls schon um Ol. 94 ein tüch- 
tiger Meister gewesen zu seyn , da ihm nach Ol. 96. der Bau des 
Tempels der Athena Alea zu 'I'egea anvertraut wurde, der grösste 
und schönste Tempel des Peloponnes, wovon aber nur geringe 
Ilcberreste vorhanden sind (Dodwell II. 419). Er war ein Peripte- 
ros Hypäthros, im Aeusseren mit einem jonisehen Peristyl. im In- 
neren mit dorischen Säulenstelhxngeix, über denen Gallerien von 
ltorinthischen Säulen standen. So wie in der Sculptur so bezeich- 
nete Scopas auch hier für die Architektur eine neue Epoche, näm- 
lich durch die Anwendung der korinthischen Säulen als einer selbst- 
ständigen Ordnung, so wie durch die durchgeführte Verbindung 
der drei verschiedenen Ordnungen zu einem Ganzen. Ueber die 
Bildwerke, wonxit er diesen Tempel schmückte (Statue der Athene, 
Aehilleus und Telephus, und calydoniscbe Jagd) werden wir un- 
ten berichten. 
Sculpturen des Scopas. 
.Als ein Werk, welches vorzüglich geeignet ist, die Rich- 
tung dieses Meisters klar zu veranschaulichen, bezeichnet man 
jetzt die Venus von MliO (Melos) 1m Museum zu Paris. Diese 
(i F. 5 Z. hohe Statue erklärt Waagen (Kunstwerke und Künstler 
in Paris S. 108) der Meinung (lerjenigen entgegen, welche darin 
eine Nachahmung eines Werkes des Praxiteles vermuthen, als wahr- 
scheinliches Originalwerk aus der Schule von Scopas, welches erst 
1820 von einem Landmanne beim Graben in einerNische entdeckt 
wurde. Dieser Statue erwähnt zwar keiner der alten Schriftsteller, 
allein Scopas lieferte mehrere Werke dieser Art, und somit konnte 
auch sie auf dem alten Milos, wenigstens unter seinem Einflusse 
entstanden seyn. Nur von den Hüften abwärts bekleidet, steht die 
Göttin in dem stolzen Bewusstseyn sicheren Sieges, das Haupt er- 
hoben, fast auf sich beruhend da, in den Händen ursprünglich 
ohne Zweifel irgend ein Symbol des Sieges haltend. Die Behand- 
lung des Nakten erinnert nach Waagen in der Grossheit, Verein- 
fachung und Bestimmtheit der Formen noch lebhaft an die Rund- 
werke vom Parthenoxi, vereinigt aber damit eine gewisse, wenn 
gleich durchaus keusche, naive, frische und gesunde Weiche und 
Fülle, welche schon überall vorhanden, doch am deutlichsten in 
den Falten der Haut zwischen der rechten Schulter und dem Arm, 
  
 Plinius nennt da: nPytßzgox-am , Scopam, Pereliumm Dieser 
Scupas lsfmu nicht unser Künstler seyn, da dieser noch Ol. 
106 (lfbßllßtß. Heyne (antiq. Aulk. I. 234) glaubte daher den 
Namen Scopas streichen zu müssen, Bönicher (And. 155) 
nahm dasselbe an. Fea (zu Winckelmann II. 197) unter- 
schied zwei Scopasz so wif: Sillig (Catal. arlif. p. 415) , der 
aus wScopam, Perehumu emen Scnpas Elias herausfiudct, so 
 dass wir einen Meister dieses Namens von Paros, und einen 
andern von Elis hätten.
        

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