Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schoute - Sole
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795908
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1796991
Schwanthaler , 
Franz. 
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gelungene Trauergenius in weissem Marmor für den 1800 Wr- 
storbenen Prinzen Max Joseph Friedrich in der Theatinerkirche, 
die cnlossalen römischen Rüstungen und Kränze am Durchfahrt:- 
bogen der Arcaden des Hufgartens nach den Zeichnungen des 
Herrn von Iilenze, die Figuren nebst den-reichen Capitälen und 
Friesen am Proscenium des neuen Iloltl-ieaters, vor dem Brande 
von Blei gegossen, unter Beihilfe des verstorbenen Giessers Reg- 
nault in München; ferner zwei schöne 10 Fuss hohe Candelaber 
von Holz, jetzt im Schlosse zu Ismaning; Ornamente, Candelaber, 
und viele Modelle zn Figiirchen, sämmtlich in Holz geschnitten 
für die königliche Porzellan-Manufaktur zu München; der Genius 
in weissem Marmor am Eingange zum englischen Gurten, so wie 
auch das Monument des um Bayern hochverdienten Grafen von 
Bumford eben daselbst; die vier Löwen in Sandstein nebst der 
Büste des Mars am Maxthore der Prannersgasse, und die Gyps- 
friese am ehemaligen Hiltlhause an dieser Strasse (Allusionen auf 
lirieg, Frieden und gesellschaftliches Leben der Sterblichen); eine 
überlebensgrosse Stutue Merhuüs für Donauvvürth 1D Sandstein, 
und vieles andere. 
Um 1790 fertigte Schwanthalcr das erste Denkmal auf den 
Kirchhof zu München, welches, gegen den damaligen Gebrauch, 
nur eiserne Iireuze zu setzen, eine trauernde weibliche Gestalt bei 
einer Urne darstellte. Diese Statute wurde als ein Opfer damaliger 
Befangenheil heimlich zerstört, die Trümmer aber von Freunden 
helleren Geistes gerettet, und von Westenrieder -noch iu seinen 
vaterländischen Beiträgen riihmliehst erwähnt. Allein von dieser 
Zeit an, nachdem die Bahn einmal gebrochen war, erfolgten Be- 
stellungen dieser Art von Privaten in grosser Anzahl, so dass 
Schwanthaler 50 Denkmale auf den Kirchhof fertigte, von welchen 
aber, theils wegen des damals üblichen weniger soliden Steinma- 
teriales (Tegernseer und Fiissener Marmor Nzur Architektur), theils 
in Folge erloschener Familienrechte auf die Leichenpliitze, manche 
nicht mehr vorhanden sind. Wir nennen von diesen Monumeulen 
s-urziiglich jene der Familien Iiannabich und Freyberg, des Schott- 
ländischeil Naturforsehers Johnston, des Hofinalers Ferd. Iiubell, 
des Baron von lireitmayer. der Familien Iirempelhuber, Le Prieur, 
Kitzler, Santini, Sauer, Schedl, Lungelmayr, mit einer grossexi 
Statue von weissem Marmor in einer derischen Colonnade von 
schwarzem Marmor; des alten Grafen von Tuttenbach und Törixxg- 
Guttenzell, mit Marmor und Sandstein-Gruppen. 
Daran reihen sich mehrere andere Monumente ausser Mün- 
chen: in Ansbach, Köfering, Moosburg, Passau, Rottenburg an der 
Tauber, u. s. w., sämmtlich mit Figurenreliefs in Marmor oder 
Sandstein geziert. 
Da in jener Zeit geringer Beschäftigung in München Bild- 
hauer auch Ornamental-Arbeiteu auszuführen für grosses Glück 
achten mussten, so erhielt auch Schwanthaler viele derartige Be- 
stellungen, wie die Decoratiunen und Ornamente in den Pracht- 
zimmern der k. Residenz, unter Direktion des laöniglichcim Hof. 
baumeister Puille ausgeführt. und jene des neuen Hoftheaters nach 
den Zeichnungen des Prof. Fischer im römischen Stylß- 
Sehwanthaler liebte sein Vaterland über Alles, und wies daher 
mehrere ausländische Anerbietungen zurück; S0 eme" Ruf 116611 
Weimar 1795. Für München machte Sehwanthalers liunst zu 
seiner Zeit Epoche; denn er trat zuerst gegen die dannals herr- 
schende Barbarei und Charalsterlosigkeit der liuust mit Schöpfungen 
auf, die mehr oder minder den Geist der wiedererwachenden An- 
NaglerÄs Künstler-Lax. B11. XVI. 7
        

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