Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1791538
Schadow , 
Fricd ricll 
WVilhelln, 
Hitler. 
91 
werde, den hohen Anforderungen zu entsprechen, welche man un- 
ter solchen Umständen an die littnst stellen konnte. Er pflegte 
daher öfter zu iiussern, dass man von ihm und seinen Zeitgenos- 
sen keine vollendeten liunshverlse fordern möge; ihre Jugend sei 
im flampfe gegen eine solche Schule verstrichen, die vom Genius 
der Poesie verlassen, in todten Regeln das Wesen der liunst ge- 
sucht habe, und im Kämpfen schaffe man keine Kunstwerke. Von 
den Schülern forderte er aber selbst das Grosse und Schöne, da 
ihnen der Sieg das Feld frei gemacht hatte. Und seine Schule hat 
auch wirklich schon Grosses geleistet. Doch auch der Meister ist 
nicht zurück geblieben. 
Anfangs malte er besonders Bildnisse nach der Natur, da er 
selten zum Componiren aufgefordert wurde. Die erste Gelegenheit 
dazu wurde ihm in Rom in der Villa des preussischen Consuls 
MendeIsohn-Bartholdi, der dieselbe mit Freseomalereien zieren liess. 
welche die weiteren so reissenden Fortschritte der li unst herbei- 
fiihrten, und an die sich jene der Villa Massimi zu neuem Huhme 
der Kunst anschließen. wo aber Schadow nicht mehr gemalt hat, 
sondern Koch. Overbeek, Fiihrig und Schnorr. Im Saale der 
Villa Bartholdi malte Schadow die Darstellung mitJakobE blutigem 
Hocke und Josephs Traumdeutung im Berker. Diese Bilder 
sind in Farbe und Wirkung nicht ohne Verdienst, an Styl und 
Zeichnung aber stehen sie den Werken seiner Mitarbeiter Corne- 
lius, P. Veit und Overbeck nach; denn Schadow war bei seiner 
Ankunft in Rom nur im Stande, einen guten liopf zu malen. Al- 
lein angestrengtes Studium liess ihn bald die Mängel ersetzen und 
schon die nächsten Bilder, eine Himmelskiinigin. für die Frau von 
Humboldt ausgeführt, und jene beiden. die er für den Kronprin- 
zen Ludwig von Bayern in Oel malte, beurkunden die merklichsten 
Fortschritte. Diese sind eine heil. Familie, welche er später für 
den König von Preussen wiederholen musste. und das lebensgrosse 
Bilrlniss einer Bömerin, deren ausdrucksvolle Schönheit damals 
viele Bewunderer fand. Dieses treffliche Bild schliesst sich an eine 
frühere Arbeit des Künstlers, an die Bildnisse der Töchter des Mi- 
nisters von Humboldt. Nicht minder gelungen sind auch die Bild- 
nisse zweier Söhne eines polnischen Fürsten auf länglicher Tafel 
in Lebensgrösse gemalt. Der ältere Knabe stützt das Köpfchen auf 
die Hand und blickt nach dem kindlichen Bruder, welcher die 
Aermchen in ein purpursammtiles liissen drückt. Einen noch grüs- 
seren Ruf erwarb sich aber Schadow durch ein grosses Bild, in 
welchem er Thorwaldsen, seinen Bruder Rudolph und sich selbst 
zu einer Gruppe vereinigte, im Besitze der Fürstin von Hohen- 
zollern. Die Brüder Schadow feiern hier unter dem begeisternden 
Schutze Thorwaltlsenß den Bund der Malerei und Sculptur. Ru- 
dolph reicht dem Bruder die Hand, und im Hintergründe steht 
die berühmte Statue der Spinnerin des ersteren; denn die Hand- 
lung geht im Atelier desselben vor. im Momente als Schadow ein- 
tritt. Thorwaldsen, der mit dem Nlodellirstäbchen einen Lorbeer- 
zweig wie spielend zwischen den Fingern bewegt, legt seine Rechte 
auf liudßlphk- Schultern, der mit der Mütze auf dem Kopfe und 
in Hemdärmeln dasitzt, mit einem nackten, meisterhaft gemalten 
Arme. Ein anderes Bild von hoher liunstvvahrheit ist das einfach 
schöne lebensgrosse Haupt eines Camaldulensers in der Blülhß 
männliche" Alters, Studium für ein grösseres Bild, das auf der 
Kunslausßlßllßng lu Berlin 1819 seine Wirkung auf keine" der 
Beschauer verfehlte. 
In dem bezeichneten Jahre verliess Schadovv Rom, um nach 
Berlin zurückzukehren, wo er jetzt, zum Professor der Akademie
        

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