Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795724
Viele Reisende haben es dort gesehen. Von Venedig aus besuchte 
er die bedeutendsten Städte Italiens und gelangte endlich nach 
Rom, wn Rafael vor wenigen Monden gestorben was, Nlichel An- 
elo, Giulio Romano und andere berühmte Meister der römischen 
gchnle aber noch in voller 'l'hiitiglseit waren. Schnräel studierte 
jetzt die Werlie jener Meister mit ganzer Vorliebe, besonders jene 
von Rafael. und die Folge dieses Strebens war, dass die YVi-rhe 
seiner späteren Zeit den ersteren nicht mehr gleichen, in welchen 
sich der Sßllülßr EiHßS F- Fluris und Mabuse ltund gibt. Er ist 
einer der ersten von jenen holländischen Meistern, deren nntio- 
nelle Eigenthiimlichlseit in der thcilweisen und liusserlichen Ver- 
bindung mit der römischen Schule des 16 Jahrhunderts untergeht, 
Besonders war es llatäel, aus dessen Werken ltexxiiniscenzen in 
die Seinigen iibergingen. Auch brachte er von dieser Zeit an 
gerne römische Bauwerke _,in seinen Gemälden an. Was Schoreel 
ausserdeni noch tiir Vorzüge errungen, vornehmlich in Modelli- 
rung, in der Färbung und in der Ausführung, geben wir unten 
bei Beurtheilung der erwähnten Kreuzigung an, wo wir auch auf 
die Mängel aufmerksam machen, welche seinen Werken ilnlilßlwttn, 
was sich aber nur auf jene seiner späteren, ltallnnisircntlcnPerlmle 
bezieht. Der Meister des Todes der Maria in der Pinakothek zu 
München muss jetzt von diesem Scliureel unterschieden werden. 
Letzterer verdankte in neuerer Zeit jenem einen zu grusscn liuf, 
Man xinnnte ihn geradezu eine der lieblichsten Blüthen der nieder- 
liindischen Schule. 
Schoreel empfand in der Ferne oft tiefe Sehnsucht nach der 
Heimath, und doch fand er Kraft dieselbe zu beherrschen, und 
weilte noch in Rom, als im Jahre 1522 Leo's X. Nachfulger, ildri- 
an VI. den päpstlichen Thron bestieg. Dieser war, wie Schoreel 
in Holland geboren, der Solrv: einen Webers aus Utrecht, um! 
ehrte den Landsmann nicht weniger als den Iiiinstler. Er über. 
hiiuftc ihn mit vielen und grussen Beweisen seiner Huld und 
Gnade. Viele bedeutende Arbeiten, die Sehqreel mit grossein GQ- 
lingen ("iir seinen hohen Beschützer Aawusfülu-te, setzten ihn iinmei- 
fester in dessen Gunst. Zu diesen gehörte vorzüglich das ßiltlttiss 
des Papstes, welches dieser einem von ihui in Löwen gestifteten 
Collegium verehrte. Endlich trug Adrian seinem liunstreiehei; 
Landsmann auch die Aufsicht über ("las Belvedere auf, und schien 
so dessen Gliiclt für sein ganzes künftiges Leben zu giünden; ul- 
lein Adrian starb 1525. nqchdein er nur wenige Monate über ein 
Jahr die pitpstliche Krone getragen. und Sehureel blieb plötzlich 
verwaist znriicls. _Jet1.t verliess er llom, überstieg die Alpen , und 
eilte der Heimath zu. Sein YVeg führte ihn nach Frankreich, w" 
damals, mitten im wildesten Getümmel des Krieges Franz l. durch 
Liebe, Iiunst, Poesie und treue Pflege alles Schönen seinen Namen 
verewigte. Der Ruhm SchoreePs war mit seinen: Meisterwerke bis 
1.11 dein liiinige gedrungen und dieser machte ihin daher die vor- 
theillialtesten und glimzendsten Anerbielutigen um ihn für seine 
Dienste zu gewinnen. Doch Schoreel gehörte jetzt einzig seiner 
lieblichen Herrin, und eilte, alle Vorschläge des Königs von sieh 
abweisend. aiuaulhultsnm weiter, bis er Utrecht erreichte. h; 
Amsterdam. ihrem VYohnorte so nahe, wagte er es zuerst nach ihr 
zu fragen,- und  sie war Verheirathet an einen Goldschmied in 
Amsterdam etc. Doch Sehoreel vermochte das Bild, welches er in 
treuer Brust Jahre lang durch ferne Länder, über das M0" Hnd 
über die Alpen getragen, tiiehtnus seinem innigst damit verlluehteuen 
Leben zu rcisseu; eben so wenig gewann er es über sich, ein un-
        

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