Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795477
Schöpf, 
Peter. 
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Liebe der technischen Marmorarbeit zugethan, ergriff er mit Freu- 
den die Gelegenheit, welche sich ihm darbot, au der Ausführung 
des von Joh. Martin von Wagner componirten und modellirten 
Friese; für die Walhalla bei Regensburg in carrarischem iYIarmor 
theilzilnehmcn. Den grössten Theil hatte bereits der Bildhauer Pet- 
trich vollendet, als aber dieser einer anderweitigen Bestimmung 
nach Nordamerika folgte, übernahm Schöpf die Beendigung die 
ser Arbeit. Ausser einigen Theilen der vorletzten Abtheilung die- 
ses Frieses, fiel ihm die ganze letzte Abthciluug zu, in einer Länge 
von 56 Schuh, welche die Bekehrung der alten Deutschen zum 
Christenthume durch Bonifacius darstellt. 
Nach Vollendung dieser Marrnorarbeit führte er im Laufe des 
Jahres 1833 die schon erwähnte Statue der Venus mit dem Spiegel 
gleichfalls in carrarischem Marmor aus, ein ausgezeichnetes Bild, 
das uns die Göttin fast in Lebensgrüsse zeigt, in dem Augenbli- 
clse, wie sie. aus dem Meere emporgestiegen, das Himation rasch 
um die Hüften sich gegürtet hat, so dass der Oberkörper unver- 
hüllt sich darstellt, und nun. während ihre Liulte das feuchte Haar 
trocknet, den Glanz ihrer Schönheit aus dem Spiegel zurücltstrah- 
len lässt, den ihre Rechte hält. Es ist diess ein Werk, welches 
nicht minder als die Statue des Oedipus darthut, dass der Iiünst- 
ler in den Geist der Antike eingedrungen ist, und fürjeden Pracht- 
saal würde es eine vorzügliche Zierde bilden. 
Die letzte Arbeit, welche Schöpf his dahin in Rom ausfiihrtc, 
war die Büste des Generals Alexander von Haslang, die er nufße- 
fehl des Iiönigs Ludwig modellirte und in carrarischem Marmor 
vollendete. Diese Büste, die sich den Beifall aller Kenner erwarb, 
ist für die bayerische Buhineshalle bestimmt. Die Sehnsucht sei- 
nes ßlijiihrigcn Vaters, seinen Sohn vor seinem Tode noch ein- 
mal zn sehen, machte es unserem Iiünstler zur Pflicht, auf einige 
Zeit Rom zu verlassen, um später wieder dahin zurückzukehren. 
In München angekommen am Ende des Jahres 1838, erhielt er so- 
gleich den allerhöchsten Auftrag, eine der Nischen-Statuen für 
die Ehcade der Glyptothek zu modelliren und in Schlanders Mar- 
mor auszuführen. Es ist diess Vulkan in colossaler Grösse, dabei 
in der gewöhnlichen Audassungsweise, mit kurzem Chiton und der 
eiförmigen Mütze, Hammer und Zange in der Hand Zu gleicher 
Zeit vollendete er zwei Valkyren-Statuen aus Donau-Marmor-Iialli- 
stein, für das Innere der Walhalla bestimmt; um mit anderen Sta- 
tuen gleicher Art. in polychrnmer Weise bemalt, als Caryaticlen 
zum Tragen oberer Gehälhtheile zu dienen. Hierauf fertigte er im 
Aultrage des Iiönigs noch drei Büsten für die Ruhiueshalle in 
Marmor, nämlich die des Componisten ChristopH Gluck, des Gra- 
fen von llumfortl und jene Jean Paul's, welch letzterer, nach dem 
Urtheile von Angehörigen der Jean Paufschen Familie, die den 
Dichter im Leben kannten, als vorzüglich gelungen und ähnlich zu 
betrachten ist, und desshalb wurde sie auch dein-Kopfe der Statue 
welche nach Schwanthalcfs Modell für Bayreuth in Erz gegossen 
wurde, zu Grunde gelegt. Mehrere seiner Arbeiten kamen im 
Münchner Kunstverein zur Ausstellung. Auch wurde ein Medail- 
lon-lißlief, Sappho mit dem Amor vorstellend, von dem Verein 
angekauft. Diess war in Gyps ausgeführt, und gleich dem Orpheus 
in der Unterwelt, pulychrom behandelt. Das Original davon In 
Marmor besitzt der Baron von Lutzheclt in München. Auäserflenl 
arbeitete er während dieses Aufenthaltes in München einen Löwen 
in Relief aus Gyps für die Festung Germerstieim, S0 Wie eine 
wohlgetruifcne colossale Büste des durch die Ausführung sehr vie-
        

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