Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1795452
Schoepf, 
Peter. 
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Eine grössere Bestellung war ihm von Weilheim aus zu Theil 
geworden, nijmlieli die fiinf Schuh hohen Statuen von Christus 
unrl den Aposteln St. Andreas, St. Jnkubus, St. Thadcliius und St. 
Matthäus in Gyps für die nen hergestellte Spitalkirche in Weil- 
heim ausgeführt. Die Modelle hierzu waren auf der Iinnstausstel, 
lung des Jahres 182i) zu sehen, zugleich mit der erwähnten Colma- 
salbüste Mitterefs und mit einer lebensgrosseu Gruppe in Gypn, 
die hinge Erato mit dem Amor darstellend. Die genaue Beschrei- 
bung und Würdigung dieser Werke ist im Iiuxlstblntt des genann- 
ten Jahres zu finden. In die Zeit seiner ersten Bildungsepoche 
fallen auch fulgexide Statuetten in Gyps: Iiönig Ludwig I. im 
Ornate, ein Aeskulzip, die Muse Erato, ein Oberliinderbauer und 
ein l-lirtenknabe. Die drei letzteren Bildwcrhc wurden vom Münch- 
ner Kunstverein angekauft. 
Nachdem so unser ltiünstler eine lange Reihe von Jahren in 
seiner Vaterstadt der Ausübung seiner Kunst gelebt und in ver- 
schiedenen Zweigen der Plastik seine Iiriifte versucht und erprobt 
hatte, duldete es ihn hier nicht mehr länger. Eine Reise nach 
Rom wurde für ihn Bedürfniss. Auf den Antrag der Akademie 
der bildenden Künste wurde ihm durch die Gnade Sr. Majestät 
des liünigs Ludwig ein lleisestipentlium zu Theil, und so sah er 
sich im Stande, noch im Jahre 1852 die längst ersehnte Reise nach 
Rom anzutreten. wohin damals auch Ludwig Schwanthalcr sich 
begab, der berühmte Jugendfreund unscrs liiinstlers. ln Rom an- 
gekommen, zeichnete er fleissig nach den antiken Originalbildwer- 
kcn, die er dort vorland, während er zugleich nach eigenen Er- 
findungen zu modelliren begann. Diess geschah unter der Leitung 
des grossen Meisters Thorwuldsen. der ihm mit grüsster Bereit. 
willigkeit und Liebe mit Iiath und 'l'hnt an die Hand ging. Die 
ersten Arbeiten, die er unter solchem Einfluss im Winter von 
1852 his 1855 fertigte, waren mehrere Reliefs, ein lebcnsgrosser 
Hirtenknabe mit einem Zicklein, so wie einige Skizzen in Gyps, 
die vortrefflich angeordnet und im guten Style ausgeführt sind. 
Zu den Reliefs gehörte eines, welches Christus vorstellt, der die 
Kleinen zu sich kommen lässt. Der Schiiferknabe ist eine überaus 
anmuthige Figur nach Form und Ausdruck. Er ist nackt, bis auf 
ein Stück Gewand, das mit einem Bande über Brust und Schul- 
tern festgehalten, rückwärts herabhängt. Mit grosser Lust bläst 
er auf seiner llohrflöte, während das Zicklein zuzuhören scheint. 
Thorvvaldsen bezeugte sich mit den Fortschritten, die er in- der 
kurzen Zeit seines Aufenthalts zu Rom gemacht hatte, besondere 
mit der Gyps-Statue des Schäterknaben, sehr zufrieden und wirkte 
durch ein günstiges Zeugniss mit dahin, dass ihm sein Stipendium 
verlängert wurde, welches ihn in den Stand setzte, noch länger 
unter 'l'horwaldsen's Leitung zu studiren. Gleich günstig lautem 
das Zeugniss des Bildhauers und General-Sekretäre der k. Akade- 
mie der bildenden Iiünstc zu München, des berühmten Johann 
Martin von Wagner , welcher schon damals in Rom sich aufhielt- 
AüSSerdem fällt in die ersten Jahre seines Aufenthalts in Rom von 
1855 bis 1854 eine Reihe von Modellen in Gyps, die zwei Schuh 
hüch und mit vieler Sorgfalt und Beobachtung der Natur durch- 
geführt sind. Sie dienten ihm nur zum Studium und gehören 
theils der alten Mythologie, theils der kirchlichen Srulptur, theils 
der neueren Profangeschichte an. vorzügliche Beachtung Verdie- 
nen darunter eine sitzende Bavaria mit zwei Löwen, ein verwun- 
deter CETHEIUT: Armin mit: der Siegesfahne zu Pferd, eine Maria, 
der Evangelist Matthäus mit dem Engel, ein Faun, der den Amor
        

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