Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1794920
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Schoen 
0 der 
Schougzxwer , 
lWIartin. 
München, Nürnberg und Wien die Originalität abgesprochen wm, 
den müsse. Er verglich die Eigentliiimlichheiten d'or Bilder der 
deutschen Schule gegen die tWlitte des 15. Jahrhunderts, und lheilie 
dieselben nach Familienzügeii ein, wobei er vier Hauptstäiinmc un- 
terscheiden konnte. 
Das Charakteristische der einen liiinstfnmilienphysiivgiimnie_ 
welche sich bis ins 15. Jahrhundert im iiiiltiiglichen  
furtpflallltß, und dem ältesten Stamme dazugehören scheint, prägt 
sich in kurzen, spitzen, man könnte sagen dreiseitigen, spitzliq. 
gelförmigen Nasen und einem ziemlich breiten Ovale des Gesiems 
aus, dem stark hervorstehende Jochbeine zum Grunde liegen. Diese 
Physiognomie beurkundet die reine deutsche Abstammung. Bei, 
spiele hiezu geben alte mit I-lulztnleln gedruckte Bücher, nvünngh 
genaue Abbildungen in llcinecke's Nachrichten von Iiiinstlern 
und Iiunstsachen beigegeben sind. Bei einer anderen Familie sind 
längere senkrechte Nasenriickcn, langgeschlitzte, aber ivenig gciiil"- 
iicte Augen und ein liingliclii-s Gesichtsovul bemerkbar, wobei sich 
eine Vermischung mit hyznnliiiisch-italieiiisclien Frciiiillingeii kund 
gibt. Auf der Bathsbibliothels zu Zittau ist_ein Missale, (lassen 
merkwürdige Miniaturen hieher gehören. Eine dritte Physiugnn- 
mie, welche auf niederrheinische Verivantlschaft deutet, hat llllrgh 
rundliche , weiche, freundliche Gesichter und stuiniife, kurze Na- 
sen etwas ganz Eigenthiiinliches. Die Gemälde des Meisters Wil- 
heim aus der ßuissereescheii, jetzt k. b. Sammlung und die L1- 
thQgfflphlen dariiach, bieten einen Yergleich. Der vierten Ibtiiniiie 
ist ein längeres Oval des Gesichts, eine gerade, edle und atisgcbiL 
dete Form der Nase, nicht eben lanpeeschlitzte, aber lttilärilg 3B. 
öffnete Augen eigen, welche wohl die jüngste, vielleicht nur eine 
spätere Abart der zweiten Linie seyn möchte. Die Lithographien 
nach W. VVohlgemutHs Gemälden in Zwicl-iaii, welche 1340 der 
sächsische Alterthumsverein bekannt gemacht hat, mit einer Ab. 
handlung van G. v. Quandt, und M. Schonganefs liiipierstielie 
bieten Anhaltspunkte zu Veräleichuiigen. In den Bildern (lieb-cl- 
vierten Classe gibt sich der aniäiidische Einfluss kund und der 
Ahnherr der Familie möchte nach Qnandt wohl Jan van Eyck seyn. 
Die Aehnlichkeit, bei aller individuellen Verschiedenheit, welche 
sich in den [iupferstichen des M. Schongaucr, den Mndunnen 
ausMichel WuhlgemutHs schönster Zeit. und den Bildern Frie- 
drich Herlen's mit den Grundzügen Eyel-Cscher Werke auffinden 
lässt, berechtigte den H. v. Quandt zu der Vermuthung, dass Eyck 
auf seine Zeitgenossen urid_ Nachfolger vergeistigentl eingewii-lit 
habe, er meint aber, dass die Sache nicht zur Gewissheit erhoben 
werden könne, indem gleichgesinnte Geister, ohne von einander zu 
Wissen, ihr Inneres, ihre Gedanken wohl auf gleiche Art und Weise 
darlegen, wenn nicht von einer ewigen Nachahmung und ihieifer. 
ung die Rede seyn seil. jvodurch die freie, selbständige Ent- 
Wicklung einer Idee bei gleicher Gesinnung und gleicher Bilduiigs- 
stufe beeinträchtiget wurde. Dieser, die Selbstständigkeit des dcut- 
sehen Geistes ehrende Ansicht itheilcn auf der anderen Seite wie- 
der mehrere nicht, indem sie den entschiedenen Einfluss der Evck- 
sehen Schule erkennen, wofür auch der oben erwähnte Briefvdes 
L. Lombardo an G. Vasari beweisgebend spricht. 
Ueber die Kunstweise Herlenk und WohlgemullUS wird an 
gehöriger Stelle verhandelt. Hier haben _wlr es nur mit Schun- 
gauer zu thun, und nxachen vor allen auf jene Merkmale aufmerk- 
gam, welche v. Quandt bei der geometrischen Megsung der Bilde;- 
desselben herausfand, was aber nur für deujenxgcn zur vollen
        

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