Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1794782
am 
Schnorr 
Carolsfcld , 
Ludwig 
Ferdinand. 
der Gnade so gewaltig hingeballten Faust, in den drohenden Au- 
genbraunen und Stirnknochen  menschliches Entsetzen vor dem 
eb8rmenschliClIen-. in dem unwillkiihrlichen Zuriickbiegcn des 
durch die vorgestemmte Rechte beschirmten Obcrleibcs, in dem 
krampfhaften Anfassen der festen stützenden Stiihllehne mit der 
Linken, welches instinktartige Geneigtheit zum Aufspringen ver- 
räth. In der Mitte zwischen diesen beiden Gefühlen ist die grauuh 
voll auf die Erscheinung {ixirte Richtung der Augen. Es ist ltei_ 
neswßgs mehr der furclitsam weggekriiinuite, in allen Lebeiistiefen 
zitteriide Wurm, dennoch hat erst des Bösen frostige Anrede jenen 
Rückfall in menschliches Entsetzen hinweggescheucht und Faust 
wieder zu der nöthigen Haltung zurückgebracht, zu der nothge- 
drungenen vornehmen Antwort: wDas also ist des Pudels Kern? 
Ein fahrender Scholast?  Der Casus macht mich lachenht ä 
Diese Gestalt ist nicht die eines Menschen, es ist der Verderber, 
Mephistopheles ist lang und hager; doch ebenmässig; die Zuge 
sind edel, schön, die des aus I-Iochmuth gestürzten Güttersuhnem 
aber keilförmig, glatt, furchtbar ruhig, in sich abgeschlossen. Die 
Farbe ist nicht bleich, sie ist durchsichtig blass, mehr in sich, als 
durch das Licht beleuchtet. Schadenfroh und heimtückisch lauer-g 
er, mit entsetzlichem Blicke. Wie fest greift nicht die das griiss. 
liche nMeimt charaktcrisirende Linke in die Rolle unter dem 
Mik-roskosru der Hölle. Die Rechte begleitet geschmeidig die höh. 
nische Rede. Dieser physischen Wechselwirkung in beiden Figu- 
ren, Faust und Mephistopheles, dient die ganze überaus miihe- 
volle Umgebung, die der Dichter so genau, so malerisch, so le- 
bendip; bezeichnet. 
Die Skizze dieses grossen Gemäldes, in einigen Nebendingen 
von dem Bilde selbst abweichend, besitzt der Staatskanzler Fürs; 
von Metternich, eine ausgeführte Zeichnung Hofrath Gelder in 
Leipzig, ein ganz nach dem grosseii, mit unglaublichem Fleisse 
ausgefiihrtes kleines Gemälde, Craf Hugo von Salm in Raitz. 
Die Exposition von 1820 hatte von Schnorr zwei vortreffliche 
Bilder, Genofeva und Golo nach Tiecls, und des ritterlichen Jäger, 
Liebeslauschen, beide durch des Freiherrn von Sclilechta Sonette 
würdig gefeiert. In diesen drei Kunstwerken hat sich Schnorr als 
einen Meister der schneidendsti-ii Gegensätze bewiesen. Den V"- 
standesfanatism und seine undankbare Einaiicipation vom Herzen, 
vom Glauben und von der Liebe, zeigte er im Faust,  eine 
wilde vernichtende Liebesgluth im Golo, und friedlich begiitigend 
steht zwischen beiden das Bild glücklicher Liebe, jener ritterliche 
Jäger, am dunklen Abend von hoher Eiche zum tiellerleuchteten 
Fenster hinein die Geliebte belauschend, die eben ein Brieflcin 
an ihn schreibt. Seine Genoieva gibt aus Tieck's herrlicher Dich. 
tung den Augenblick, wie die von ihrem, zum grossen Entschei- 
duiigskanipfe wider die Araber gezogenen Gemahl Siegfried, sq 
eben verlassene fromme Pfalzgrälin liinaustritt auf den Söller, eine 
hohe, herrliche Gestalt, (las aufgelöste Haar bis an die Iinie wallend, die 
blauen Augen in inildcr Sehnsucht den Sternen zugewendet. Golo 
Steht unten im Burgzwinger in gewaltsam aniespaxinter Stellung 
an zwei verwachsene Birken gelehnt, die glut verzehrten Augen. 
der ganze Körper hinnufgewendet gegen den Stern seines Lebens; 
seine Finger irren unbewusst in den Saiten der klagenden Laute, 
Ueber den Burgwall durch die Birkenzweige in geisterhafter Weisse, 
schaut der Vollmond herüber auf den von Schmerz und_LuSt zer- 
rissenen G010. auf die heilige Ruhe Genofeva's, und spiegelt sich 
im Bache. Hinter der Pfalzgriifin steht die alte Gertrud, _Golo's 
Amme, Arges sinnend und voll des Dranges, es der Geblßlerin
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.