Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1794673
Sclmorr 
Carolsfeld , 
J ulius , 
Bitter. 
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Streben beseelt war, so ist es Heinrich Fiiger gewesen, der wie der 
Geist über den Gewässern schwebte. Wer damals wirklich zum 
Künstler berufen war. der gewann in Wien wenig, indem jedem 
aufstrebenden und die conventiunellen Grenzen überschreitenden 
Talente Fesseln angelegt wurden. Es musste der alte akademische 
Gebrauch aufrecht erhalten werden. und wer anders zu denken 
und zu handeln wagte, der sah sich der Verfolgung ausgesetzt, 
oder wurde gar ausgewiesen, wie dieses dem berühmten Overbeck 
begegnet ist. Die Antike hatte damals die Alleinherrschaft über 
die Natur, das Modell feierte seine Apotheose, und Mengs hatte 
BafaeYs Zeichnung, Titiaxfs Färbung und Correggids Helldunkel 
als Universalmittel empfohlen. An die Stelle der Originalität trat 
einseitige Nachahmung, und für die Armuth an Ideen entschädigte 
die gepriesene Currektheit und technische Fertigkeit nur in sehr 
geringem Masse. ln der Seele des siebzehnjährigen Julius Schnorr- 
erregte diese Armuth und Leere ein drückendes Gefühl, den bren- 
nenden Durst nach höherem, tieferem Leben der Kunst. Die le- 
bendige Umgebung gewährte ihm nichts, und desswegen wendete 
er sich, so wie viele begabte Künstler seiner Zeit. zu den Werken 
der altdeutschen und der ihnen an Innigkeit und Tiefe verwand- 
ten altitalienischen Meister. Die volksthümliche Wärme und die 
seelenvolle Frömmigkeit zog diese begabteren Geister mit aller 
Gewalt an, und sie vereinigten sich im grätiich Iiarolfscher: Gar- 
ten "auf der Wierlen zu gemeinsamem Streben, der Kunst neues 
Leben cinzuhanchen, was den Anhängern der akademischen Dog- 
men für Falschmiinzerei galt. Sie wurden als Deutschthümler ver- 
schrieen und einer gefährlichen Irrlehre angeklagt. Es- konnte 
zwar mancher, selbst von den begabteslen, einer sogenannten alt- 
deutschen Manier beschuldiget werden, wie es bei jeder Nachah- 
mung fast unvermeidlich ist: allein der bessere Sinn führte sie 
bald wieder zur wahren Erhenntniss. Dress war auch bei Schnorr 
der Fall, aber dennoch erhielten seine Arbeiten, die früher vor- 
gezogen wurden, jetzt die letzte Nummer. Endlich konnte-er es 
H"! diesem Unwesen nicht länger mehr aushalten. und eilte 1317 
nach ltalien. Damals hatte sich in Rom ein Verein deutscher 
liünstler gebildet, welcher die Wiedergeburt der deutschen Iiunst 
bewirkte, und schon im Frühjahr-e 181g im Palaste Calfarelli dem 
liaiser von Oesterreich jene viel besprochene Ausstellung gab, 
welcher F. Schlegel, der wärmste Fürsprecher der alten deutschen 
Malerschule, in den Wiener Jahrbüchern höchst merkwürdige Be- 
trachtungen gewidmet hatte. In dieser schönen" Blüthezeit der 
wiedererwachenden Kunst traf Schnorr Ende Jänner 1818 aus Flo- 
renz in Rom ein, wo er sich mit inniger Liebe an jene Männer 
anschloss. Schnorr hatte auch schon in diesem Jahre das Glück, 
bei dem preussischen Gesandten von Humboldt, bei dem scharf- 
sinnigen Niebuhr und bei dem kunstverstündigen Bunsen den 
Kronprinzen Ludwig von Bayern zu sehen, der durch seinen öf- 
teren und langen Aufenthalt in Italien auf das Wiedererwachen 
dßf Kunst grossen Einfluss übte, und später unserm Künstler in 
Muncbendie Residenz zu seinem Ruhme üFfnete. ächnorr führte 
in Rom viele Zeichnungen und auch mehrere Bilder in Oel aus. 
Unter letzteren Wap die l-Igghzeit zu Cana, eine reiche Composition 
von mehr als 60 Figuren, das gefeiertste. Es kam in den Bßsill 
des Lord Cathcarts, der damit seinen Landsitz in Schottland zierte. 
Dann malte 91' Jakob und Rahel für die verstorbene Königin Ca- 
roline von Bayern, den sein Vermögen unterdie Armen Vßrthei- 
lenden St. Rochus für den Hofrath Weigel in Leipzig, eine heil. 
Familie und eine Madonna mit dem liinde für den bekannten
        

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