Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1794561
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Schnetz , 
Jean 
Victor. 
.Gallerie zu Versailles. Dieses Bild soll auffallend an Gerartlk: 
Einzug Heinriclfs IV. erinnern, ohne jedoch so gründlich in der 
Zeichnung und so grossartig im Style zu seyn, als jenes Werk, 
Indessen hat auch, Schnetzis Gemälde grusse Vorzüge, und ist 
als Ergebniss eines tiefen Studiums zu betrachten. Es enthiilt eine 
Menge schöner und ausdrucltsvoller Iiöpfe. Die Gruppirung, T"- 
mult und Unordnung wie hier, kann nur ein reiches Talent in 
solcher Lebendigkeit geben. 
Alle diese Bilder, und noch einige kleinere, malte der Künstler in 
Paris, ohne Italien gesehen zu haben, jetzt aber ward er auch in 
den Stand gesetzt, in Rom seine Studien vollenden zu können. Hie;- 
malte er in einer dem Leopold Robert verwandten Iiichtulng vor- 
schiedene Genrehilder, mit welchem er aber doch nicht leicht ver- 
wechselt werden kann, da ihn das ihm eigene; etwas triihe Culorit 
verräth. Es sind aber diess Bilder, welche ein schönes Talent zu;- 
Darstellung italienischer Volksscenen verrathen. Zu den frühe- 
ren in Italien gemalten Bildern dieser Art gehört der alte l-lirt in 
der Campagna cli Boma. jetzt im Palais ßuyal zu sehen. Zu den 
ersteren italienischen Bildern gehört auch die Wahrsagerin, die 
einer jungen Italienerin ihr Schicksal prophezeit, im Palaste zu 
St. Cloud, und die Frau des Räubcrs, welche mit dem liinde im 
Iiorhe eilig flieht, da die Räuber ins Gefecht gerathen sind, ilttzt 
in der Gallerie des Palais Ruyal. Diese Bilder erinnern sehr vie] 
an Robert. Als Gegenstück zum letzteren dient das Weib des lliiu- 
bers schlafend, welches aber an Werth geringer ist. Einen eben 
so rührenden als elegischen Eindruck bringen dagegen zwei Hi]- 
der hervor, welche unter dem Namen des Geliibdes an die M11- 
donna und des Gebetes an die heil. Jungfrau bekannt sind. Das 
letztere dieser Bilder ist von ausserordentlicher Wahrheit und 
Tiefe der Darstellung, und daher zog es auf der fiunstausstellung 
zu Paris alle Blicke auf sich. Eine Jiltliche Frau hetet in der l-ia- 
pelle sitzend zur Madonna um die Genesung ihrer Tochter. Eben 
so trefflich ist das Gemälde in der Gallerie Luxelnbourg, welche; 
den Hirteniungen Montalto vorstellt. dem eine Zigeunerin prophe_ 
zeit, dass er Pabst werden werde. Dieses vun N. Lecotnte unter 
dem Titel: Sixte Quinte, gestrichene Bild ist von ungewöhnlich 
kräftiger und glänzender Färbung. In den Kreis _dieser Darste]. 
lungen auf dem Gebiete des Genres und aus der früheren Zeit de; 
Meisters gehört auch der Eremit, welchem ein Mädchen beichtet 
der Capuziner, welcher ein Weib mit ihrem Iiinde aufnimmt, de; 
verwundete Guelfisclte Soldat, der französische Soldat, welcher um 
die alten Gallier zu rächen auf dem Capitol eine Gans rupft, der 
Pilger mit seinem Sohne schlafend, Masaniello , zwei Badende im 
See von Nemi. Alle diese Bilder entstanden vor 1830, grössten_ 
theils in Rom. Da fasste der Künstler auch den Gedanken zum 
Bilde im Luxgmbourg, welches eine Ueberschwemmungsscene von 
stellt. markiger und reiner in der Färbung, als in mehreren an_ 
deren Gemälden des Meisters. Man sieht da eine römische Familie 
die beini plötzlichen Ausbruch der Tiber eilig die Flucht ergreift: 
Von seinen späteren Genrebilderu erwähnen wir noch einer Scene 
1840 gemalt, welche einen Mönch vqellt, der mit zwei Hirten: 
knahen und einem kleinen Mädchen or der Madonna betet. In 
diesem Bilde spricht sich ein reines, wenn auch kein tiefes Gefiihl 
aus, und es ist fiir sich ein trelfliches Gemälde. Den Mönch 211ml 
ein Critikci" zu dickhauchig, wie ihn der geistreiche Schnetz frühe,- 
'nie in so zarter Umgehung gemalt. An dieses Bild reihen sich 
seit dieser Zeit wieder einige andere Bilder aus dem italienischen 
Vulksleben, da sich der Iiiinstlcr seit 1810 Wieder in Italien befindet
        

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