Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1793491
Schliiter , 
Andreas. 
281" 
Schlüter, AlldfeaS, der grösste Bildhauer und Baumeister seiner 
Zeit, aber in der Periode des Verfalls der Kunst. Schlüter meinte 
es aber redlich mitderselben, uncl wenn er auch seine Zeit nicht ganz 
verläugnen konnte, so offenbaret sich in seinen Werken doch Cha- 
rakter, Ernst und Griisse, und so wenig man darin auch "einen rein 
durchgeführten Sty-l antrifft, so herrscht darin ein so grosser Sinn 
für Uebcreinstiuiinung, dass man ihn in Vergleich mit gleichzeiti- 
gen Werken anderer Meister gediegen und streng nennen muss. 
In der Architektur huldiget er dem älteren italienischen Style, aber 
nicht in der Strenge älterer classischer Vorbilder; sein Streben 
geht mehr auf malerische Wirkung, aber ohne die kraftvolle Wir- 
kung des Einzelnen, wie den massenhaften Charakter des Ganzen 
aus dem Auge zu verlieren. Doch ist es die Bildhauerei, in wel- 
cher Schliiter unter allen Meistern um den Beginn des 18. Jahr. 
hiinderts ein höchsten steht, indem er eine hohe und grossartige 
Genialität zu entwickeln verstand. Die Schlösser von Berlin und 
Potsdam sind reich an bildnerischer Decoration , die von ihm und 
unter seiner Leitung gefertigt-t wurde, und daraus erkannte Iiug. 
ler (Handbuch der Kunstgeschichte, S. 805), dass die Elemente 
seiner künstlerischen Bildung theils auf die niederländische Rich- 
tung, wie selbe bei Athur Quclliiius erscheint, theils auf Einflüsse 
des Bernini und der französischen ltlcister deute, dass ihm aber 
ein tiefes Lebensgefühl, ein stolzer. kräftiger Adel und ein sehr 
glücklicher Sinn für räumlichesVcrhiiltniss und räumliche Wir- 
kung cigentliiimlich sei. _Von seinen Nachfolgern ist wenig zu sa- 
gen, erst der grosse Schinkel erhob die Architektur in Berlin zu 
einer Höhe, welcheSchliiter nicht erreichte.  Schliiter wurde 1662 
oder 1663 iii Hamburg geboren, kam aber jung mit seinem Vater 
nach Danzig, unrl trat daselbst bei David Sapovius in die Lehre. 
1m Jahre 1691 ging er nach Warschau, wo er für den König ei- 
nige Bildwerke ausführte,_ und 1694 wurde er als Hofbildhauer 
nach Berlin berufen, mit einem Gehalte von 1200 Thalern. König 
Friedrich I. erkannte die Verdienste dieses Meisters, und ernannte 
ihn mit einer Zulage von 1000 Thalern 1699 zum Schlossbaudirek- 
tor. Schliiter entwickelte in den zwei Decennien eine ausserordent- 
liche Tliätigkeit, und Berlin erhielt durch ihn jene Zierden, wel- 
che den Neid der ersten Städte Deutschlands erregten. Schliiter 
baute den Haupttheil des k. Schlosses, welches im Ganzen durch 
ihn seine jetzige Gestalt erhielt. _Sein Werk ist vornehmlich die 
Seite gegen den kleinen Schlosshot und die grosse Treppe. Dann 
baute er das Corps des Logis des Schlosses zu Charlottenburg, 
und die dortige Orangerie; dann das k. Posthaus an der langen 
Brücke zu Berlin, und das Palais des ehemaligen Oberhofmeisters 
von liemke hinter der Neustädter Iiirche. Zu anderen Bauten fer- 
tigte er nur die Pläne, wie zum k. Stallgebäude, für die Capelle 
iii Charlottenburg, fiir einen Pallast der Akademie der Wissenschaf- 
Ißll. Einen Plan zum Dome u. s. w. Mehrere seiner Pläne findet 
man in folgendem Werke abgebildet: Vues et Maisons de Plaisance 
de S. M. le Roi de Prusse par J. B. Broebes. Berlin 1755. Sein 
letztes architektonisches YVerk ist der Elan und das Modell des 
IMÜHI-lllurmßs. welches ebenfalls durch einen Iiupfersticli bekannt 
ist. Dieser Thurm stand bis 1701 an der Ecke des Schlosses nach 
der Hundebriicke zu; damals beschloss aber der Iiünig ihn auf 
230 F. erholten zu lassen. Schliitci- entwarf den Plan, und stellte 
den Thurm im Modelle dar, sah aber wohl ein, dass die Funda- 
mente die neue Last nicht zu tragen iin Stande scyen, Er machte 
dagegen Vorstellungen, allein der liönig beharrte bei seinem Vor-
        

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